Christliche Werte als „Blaupause“ für soziales Europa
Sonntag, 30. Mai 2004
Abschluß der Renovabis-Pfingstaktion mit Wirtschaftsminister Rhiel und Bischof Algermissen
Fulda/Freising (lu/bpf). Die Prinzipien der katholischen Soziallehre wie Solidarität und Subsidiarität sind neben Frieden und Freiheit die Grundsäulen eines künftigen Europa. Dies betonte der hessische Wirtschaftsminister Dr. Alois Rhiel bei einer Feierstunde in Fulda zum Abschluß der Pfingstaktion von Renovabis (Freising) und beschrieb die katholische Sozialethik als „Blaupause für die Entwicklung in Osteuropa“. Rhiel würdigte die Arbeit des Osteuropa-Hilfswerks der Katholiken in Deutschland bei der Begleitung der Menschen in den Beitrittsländern der EU der 25 sowie in den künftigen Anrainerstaaten, deren Volkswirtschaft von besonderen Problemen gekennzeichnet ist.
Renovabis lenkt 2004 mit dem Leitwort „Heimatlos. Mitten in Europa“ den Blick auf das Schicksal von 60 Millionen Menschen, die allein in Europa ihr Heimatland verlassen und in anderen Staaten ein neues Zuhause aufbauen müssen. „Heimat bietet“, so Rhiel, „den Menschen Orientierung, Werte, Sicherheit und Geborgenheit“. Deshalb beglückwünschte er Renovabis für das Motto, das eines der derzeit drängendsten Probleme in der Transformation der Gesellschaft Osteuropas aufgreift.
Die Solidaritätsaktion helfe mit sozialen und seelsorglichen Projekten mit, die christlichen Werte in den ehemals kommunistischen Ländern zu verankern und die Lebenssituation der Menschen in Osteuropa zu verbessern.
Einen Weg zu einem gemeinsamen Europa kann sich Pater Dietger Demuth CSsR, der Hauptgeschäftsführer von Renovabis, ohne Partnerschaften zwischen Kommunen, kirchlichen Gemeinden, Verbänden und Initiativen nicht vorstellen. Seit der Gründung 1993 durch die Deutsche Bischofskonferenz habe Renovabis nicht nur Hilfsprojekte unterstützt, sondern auch Partnerschaftsinitiativen angestoßen und gefördert.
Auf eine der Initiativen, Brücken zwischen jung und alt in benachbarten europäischen Staaten zu spannen, wies Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller hin und beschrieb gemeinsam mit den Bürgermeistern der Partnerstadt Leitmeritz die Erfolge der gemeinsamen Bemühungen, die Bürger der beiden Städte miteinander zu verbinden.
Bei allen Krisensymptomen der deutschen Kirche gebe es ein deutliches Zeichen innerer Leuchtkraft für einen Neuaufbruch im Geiste des Pfingstfestes, unterstrich Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen im Pontifikalamt zum Abschluß der Renovabis-Pfingstaktion in seiner Kathedrale in der osthessischen Bischofsstadt. Als Zeichen der engen Verbundenheit zwischen Katholiken in Deutschland und der Tschechischen Republik hatte Bischof emeritus Dr. Josef Koukl aus Leitmeritz den Gottesdienst mitgefeiert. Sein Fuldaer Gastgeber Bischof Algermissen hob hervor, daß die katholischen Bistümer Deutschlands seit Jahrzehnten überzeugt vorlebten, daß die Kirche von ihrem Pfingstursprung her universal, eine Glaubensgemeinschaft mit weltweitem Horizont und aus vielen Völkern erwachsen sei. In den großen Hilfsaktionen wie Renovabis werde manifest, daß die katholische Kirche in einem ursprünglichen und authentischen Sinn „katholisch“ sei. Der Oberhirte wörtlich: „Wir sind in der Tat entweder Universalkirche oder nicht wirklich katholische Kirche.“
Als Oberhirte einer Diözese, die bis 1989 unter der Teilung Deutschlands und Europas litt, freue er sich besonders über die sozialen und seelsorglichen Projekte des Osteuropa-Hilfswerkes, begrüßte der Bischof die Veranstaltungen von Renovabis in der Region in den vergangenen Tagen.
An diesem Pfingstfest rief der Bischof das Engagement der Katholiken in den deutschen Diözesen dankbar in Erinnerung. Er begrüßte, daß die Renovabis-Pfingstaktion im Jubiläumsjahr „1250. Todestag des Hl. Bonifatius“ am Grab des Apostels der Deutschen abgeschlossen werde. „Diese wichtige Aktion kümmert sich besonders um Straßenkinder und Flüchtlinge, um Vertriebene und Migranten im östlichen Europa, das nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems bis zum heutigen Tag wirtschaftliche Not, Gewalt und Flüchtlingsströme kennt“, stellte Algermissen heraus. Renovabis wolle mit dazu beitragen, daß „das Angesicht der Erde erneuert“ werde. Gottes Geist wohne in der Welt wie die Seele im Leib.
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