Katholiken wollen sich aktiver in der Gestaltung der Gesellschaft einbringen

Dienstag, 27. April 2004

Erster Laienkongress von Katholiken in Lettland erfolgreich beendet

RIGA/FREISING. Katholiken wollen sich aktiver in der Gestaltung der lettischen Gesellschaft einbringen. Dies war das Fazit des ersten Laienkongresses der Katholiken Lettlands, an dem rund 120 Vertreter von rund 25 katholischen Organisationen und gut 15 Gemeinden teilgenommen haben. Zur Vorbereitung hatte Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, einen wichtigen Beitrag geleistet. Wenige Tage vor dem EU-Beitritts des Landes beschlossen die Laien, einen Rat für Familienfragen zu gründen. In der Folge soll in jeder Diözese ein Familienzentrum errichtet werden. Ziel der Laien des baltischen Landes ist, die christliche Erziehung zu ordnen und den Dialog mit den staatlichen Behörden zu intensivieren. Man verständigte sich auch darauf, den Dialog zwischen Geistlichen und Vertretern von Laienorganisationen auszubauen. Ferner ist beabsichtigt, einen Verband katholischer Medienvertreter ins Leben zu rufen. In Zusammenarbeit von Laien und Klerikern soll die kathechetische Arbeit neu gestaltet werden. Konkreter Anlass ist die Tatsache, dass ab Herbst 2004 an staatlichen Schulen Religionsunterricht angeboten werden soll. Entsprechende Pädagogen mit christlicher Gesinnung seien dazu nötig. Nuntius Peter Stefan Zurbriggen hatte in seiner Ansprache darauf hingewiesen, dass die Laien bei der Gestaltung der Gesellschaft auf der Grundlage christlicher Werte eine entscheidende Rolle spielen. Zentrale Aufgabe der lettischen Laien ist es nach Ansicht von Erzbischof Zurbriggen, das künftige Europa zu gestalten. Zurbriggen: „Wir gehen nach Europa, um unsere Werte und unseren Glauben neu zu verankern. Mit dem Beitritt Lettlands zur EU wird ein großer historischer Fehler korrigiert.“

Bischof Anton Justs aus der Diözese Jelgava unterstrich, dass Lettland nicht nur Empfänger in diesem neuen Europa sein wolle, sondern auch als Geber tätig werde möchte. Für ihn kann die Ökumene in Lettland zum Vorbild für Europa werden. Gerade das eigene Erleben der Teilung habe den Willen gesteigert, für gemeinsame Werte einzutreten. Mit Hilfe von Politikern, denen die christlichen Werte wichtig seien, müsse sich Lettland zu einem christlichen Staat entwickeln.

Der Stellvertretende Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Heinz-wilhelm Brockmann, forderte die katholischen Laien Lettlands auf, sich zu vereinigen. Eine starke Organisation könne bei der Gestaltung der Gesellschaft ein wichtiges Wort mitreden. Brockmann bot den Laien Lettlands die Unterstützung des ZdK an, betonte dabei, dass das ZdK nicht den lettischen Laien den Weg vorgeben werde.

Kardinal Pujats lobte die Initiative der Laien, sich noch stärker aus bisher in die Arbeit der Kirche einzubringen. Der Kardinal sicherte zu, den Dialog mit den engagierten Laien fortzusetzen. Von einem Laienverband in Lettland erhofft sich der Kardinal, dass dieser sich für christliche Werte in der lettischen Gesellschaft einsetze.

Paulis Apinis