"Baumeister an der Einheit Europas" verstorben

Montag, 15. März 2004

Osteuropa-Hilfswerk Renovabis würdigt das Lebenswerk des Wiener Erzbischofs Franz Kardinal König

FREISING/WIEN (lu). Als „großen Verlust“ für die Gestaltung der Einheit Europas bedauert P. Dietger Demuth CSsR, der Hauptgeschäftsführer des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis, den Tod von Franz Kardinal König am vergangenen Wochenende. Der vom Konzilspapst Johannes XXIII. zum Kardinal erhobene gebürtige Niederösterreicher hat sich, so Pater Demuth, größte Verdienste um die Ökumene zwischen der katholischen Kirche und der Orthodoxie erworben.

1964 hatte der damalige Erzbischof von Wien die Stiftung „Pro Oriente“ ins Leben gerufen, die dem theologischen Gespräch zwischen den Konfessionen neue Impulse geben konnte. 1965 hatte Franz Kardinal König die Leitung des Vatikanischen Sekretariats für die Nichtglaubenden übernommen. Lange vor dem Fall der Mauer konnte er auf seinen Reisen nach Osteuropa daran mitwirken, dass die katholische Kirche jenseits des Eisernen Vorhangs aus der weitgehenden Isolierung befreit wurde und Zeichen der Stärkung erfuhr. Als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz hat Kardinal König gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz den Europäischen Hilfsfonds ins Leben gerufen und so die Grundlage für praktische Hilfe zugunsten der Kirche in Osteuropa gelegt.

Den Dialog trieb er nach Einschätzung von Pater Demuth auch maßgeblich dadurch voran, dass er sich mit Patriarch Athenagoras von Konstantinopel sowie dem rumänischen und serbischen Patriarchen traf und den Patriarchen der koptischen Kirche in Kairo aufsuchte.

Mit Renovabis stand Kardinal König in enger Verbindung. So referierte der „Baumeister an der Einheit Europas“ zum Beispiel beim 3. Internationalen Kongress der Solidaritätsaktion in Freising 1999 über „Europa und die Christen - eine katholische Perspektive“. Dort sprach er sich nicht nur für den ökumenischen Dialog, sondern auch für einen intensiven interreligiösen Dialog, vor allem aber das Gespräch mit Juden und Muslimen, aus. Höchst aktuell wirkt seine Botschaft vom Internationalen Renovabis-Kongress 1999: „Christen haben in ökumenischer Verbundenheit die wichtige Aufgabe, die christlichen Spuren im bisherigen Europa deutlicher zu machen und durch ihr Leben und ihre Taten zu zeigen, dass es ein entchristlichtes Europa in der Tat nicht gibt und nicht geben kann.“