Beitrag zum Dialog zwischen "Abrahams streitbaren Kindern"
Montag, 09. Februar 2004
Aktuelles Heft der Zeitschrift "Ost-West" stellt Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Europa zur Diskussion
FREISING/MAINZ (lu). Dem brisanten Verhältnis zwischen Christentum und Islam, zwischen Christen und Muslimen widmen das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken die jüngste Ausgabe der gemeinsam herausgegebenen Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (Heft 1/2004). Dabei richten die Autoren des Heftes den Blick nicht allein auf die deutsche Situation, sondern greifen auch Beispiele aus Osteuropa auf.
Das Mit- und Nebeneinander von Muslimen und Christen, das durch den 11. September 2001 schwieriger geworden ist, beschreiben der islamische Imam von Mannheim, Bekir Alboga, und der Bayerische Innenminister, Dr. Günther Beckstein, am Beispiel der bundesdeutschen Wirklichkeit. Aus unterschiedlicher Sicht formulieren sie doch das gleiche Ziel: Angesichts von rund 12 Millionen Muslimen innerhalb der EU, davon allein knapp vier Millionen in Deutschland muss die „große Herausforderung“, den Dialog zwischen Muslimen und Christen „auf allen Ebenen zu verstärken“ und den „Kampf der Kulturen und Religionen zu verhindern“ (Günther Beckstein), gelingen. Die Chancen dazu, dies ist den beiden Beiträgen zu entnehmen, sind nicht allzu ungünstig: Christen und Muslime eint der Glaube an einen Gott und bei beiden erwächst aus ihrer Religion ein - freilich unterschiedliches - Wertebewusstsein. Als Problem für eine Integration macht Imam Alboga die Tatsache aus, dass viele Deutsche die Muslime immer noch als Fremde betrachten. Für Minister Beckstein, der den Dialog der Religionen als „Bereicherung“ beschreibt, stehen die „Parallelgesellschaften“, die Muslime in vielen Städten ausbilden, und islamische Fundamentalisten dem nötigen Verständigungsprozess im Weg.
Die Islamwissenschaftlerin Sabine Dorpmüller und FAZ-Redakteur Wolfgang Günter Lerch beschreiben im aktuellen Heft der Fachzeitschrift den Hintergrund, auf dem das Miteinander derzeit stattfindet, als ein sich wandelndes Bild, das sich die islamische Welt vom Westen bzw. der Westen vom Islam macht.
Beispiele für einen weithin gelingenden Dialog von Muslimen und Christen umreißen der Islamwissenschaftler Nedzad Grabus aus Sarajewo am Beispiel seines Heimatlandes Bosnien-Herzegowina, wo sich acht Jahre nach dem Krieg „so etwas wie religiöse Toleranz“ abzeichnet, und die Belgrader Sozialwissenschaftlerin Dr. Olga Zirojevic. Sie zeigt in ihrem Aufsatz in OST-West 1/2004 am Beispiel des serbisch-kosovarischen Prizren, dass ein Miteinander in einem Staat sowohl unter muslimischer wie auch unter christlicher Führung bis zum Bürgerkrieg erfolgreich praktiziert wurde. Wenige positive Signale für einen gelingenden Dialog von Christen und Muslimen dagegen macht Jekaterina Novikova aus St. Petersburg trotz der Bemühungen des „Interreligiösen Rats für Russland“ für die Russische Föderation aus.
OST-West. Europäische Perspektiven 1/2004 (hg. von Renovabis und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken), Matthias-Grünewald-Verlag, 80 Seiten, Bezugspreis 6,15 Euro pro Heft (Jahresabonnement 4 Hefte 18,40 Euro).
