Weitere Erfahrungsberichte
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.
Wenn einer ein Jahr als Freiwilliger im Ausland verbringt, dann kann er noch viel mehr erzählen.. Die nachfolgenden Berichte zeigen das auf sehr beeindruckende Weise. Im Freiwilligenblog könnt ihr ebenfalls mitverfolgen, was die Freiwilligen vor Ort erleben.
- Vanessa Freund, Rumänien
- Hendrik Soster, Rumänien
- Johann Beger, Albanien
- Matthias Bellmann, Litauen
- Lisa Gamerschlag, Rumänien
Abenteuer Rumänien

Vanessa Freund (19) aus Hamburg hat sich nach dem Abitur für etwas Besonderes entschieden. Sie hat sich über Renovabis um eine Freiwilligendienststelle beworben und lebt nun seit einigen Monaten in Siebenbürgen, wo sie alte Menschen betreut.
Udvarhely/ Siebenbürgen, Rumänien. Als ich mein Elternhaus mit viel Gepäck verlassen hatte, war ich bereit, in ein fremdes Land zu gehen und in eine Kultur einzutauchen, die meiner kleinen Welt zwar sehr ähnelt, aber doch zum Teil ganz anders ist. Zur gleichen Zeit waren auch andere junge, neugierige und motivierte Abiturienten unterwegs, die das gleiche Ziel verfolgten, und bevor jeder seinen eigenen Weg ging, taten wir den nächsten Schritt gemeinsam. Zusammen reisten wir in östliche Richtung. Je weiter wir fuhren, desto kleiner wurde unsere Gruppe, bis jeder an seinem Ort angelangt und auf sich allein gestellt war.
Ich bin in einem Land, in dem es eine große Minderheit gibt. Es sind nahe zu 2 Millionen Menschen, die die Amtssprache mühselig erlernen müssen. Ich bin in einer Kleinstadt, in der diese Amtsprache auf der Straße nicht zu hören ist. Ich bin in der Mitte, im Herzen des Landes, wo viele Ungarn leben. Ich bin in Siebenbürgen.
Nun lebe ich schon seit etwa zwei Monaten in Rumänien und absolviere hier in Székelyudvarhely mein Freiwilliges Soziales Jahr. Über Renovabis und der Initiative Christen für Europa e.V. bin ich zusammen mit sieben weiteren Freiwilligen nach Rumänien gekommen. Ich konnte mir zunächst gar nicht vorstellen, dass die ungarische Minderheit eine große, geschlossene Gemeinschaft in Rumänien darstellt aber gerade bei mir in Udvarhely leben keine Rumänen. Trotzdem müssen generell Formulare auf Rumänisch ausgefüllt werden. Bei der Post zum Beispiel gibt es deswegen extra Hilfestellungen.
Warum die Ungarn nach 90 Jahren immer noch so zahlreich in Rumänien leben, hat viel mit dem geschichtlichen Hintergrund zu tun. Doch sie sind auch eine sehr stolze Nation, die in all den Jahren ihre Kultur aufrechterhalten konnte und so manch einer sympathisiert immer noch mit Großungarn.
Die ungarischen Rumänen müssen zwar rumänisch lernen, wenden es aber selten an, weil sie unter sich leben. Zwischen Ungarn und Rumänen herrscht eine Spannung, die aber durch die Ablehnung der Zigeuner übertroffen wird. Ein Gespräch über die Zigeuner kann einen netten Menschen schon mal unsympathisch werden lassen.
Mein Leben in Udvarhely gefällt mir wirklich sehr. Sobald ich nicht mehr mit meinem westlichen Auge die Dinge betrachtete, fand ich wunderschöne Gegenden in Udvarhely. Auch wenn nicht alles den gewohnten Standart hat, so habe ich bald gemerkt, dass es überhaupt nicht notwendig ist. Mir fehlt nichts Materielles. Udvarhely ist eine schöne Stadt und bietet viele Möglichkeiten nachmittags oder abends wegzugehen.
Von der atemberaubenden Landschaft haben schon viele gehört und sie ist auch absolut faszinierend. Deswegen möchte ich auch in diesem Jahr viel von Rumänien sehen. Reisen gestaltet sich hier aber ein wenig komplizierter. Für einen Besuch zu einer Freundin im nahegelegenen Dorf habe ich einmal fünf Stunden gebraucht. Es gibt zwar viele Kleinbusse die zwischen den Städten fahren aber nirgendwo sind Fahrpläne. Für eine Reise, auch wenn es nur eine kleine ist, empfiehlt es sich genügend Zeit einzuplanen und die lange Wartezeit in einem Cafe zu verbringen. Ein übliches Reisemittel ist es per Anhalter zu fahren, welches eine Alternative zu den Kleinbussen ist. Zu zweit bringt es Spaß und die Autofahrer nehmen einen auch meistens mit.
Während ich Leute treffe, die sich der westlichen Welt langsam anpassen, werden auf dem Dorf veraltete Lernmethoden angewandt oder dürfen die Frauen nicht in die Kneipe gehen. Doch alle Menschen haben gemeinsam, dass sie aufgeschlossen gegenüber uns Freiwilligen sind. Hier leben wirklich sehr hilfsbereite und herzensgute Menschen. Die Gastfreundschaft ist ihnen sehr wichtig und ich wurde noch nie unhöflich behandelt.
Ich arbeite in einem Altenheim und wohne zugleich unter den Senioren. Zu meinen Aufgaben gehören Unterhaltung und praktische Hilfestellungen im alltäglichen Leben. Die Senioren zum Spielen zu animieren ist für mich eine tägliche Herausforderung und gehört zu den schwierigsten Aufgaben. Viele leben zurückgezogen und sind nicht mit allen Bewohnern des Altenheims bekannt. Für ein Gespräch mit mir nehmen sie sich aber gerne Zeit und dann werden die Familiengeschichten erzählt oder kleine Anekdoten über ihr erlebnisreiches Leben. Deswegen mag ich es, wenn ich kleine „Hausbesuche“ unternehme.
Zu meinen Aufgaben gehört es auch sehr Kranken das Essen zu reichen, die Senioren auf die Toilette zu begleiten oder spazieren zu gehen. Einige Tätigkeiten fallen mir leichter als gedacht, weil die alten Leute mich sehr lieb um Hilfe bitten und sich gerne helfen lassen. Sie freuen sich, dass eine junge Frau für sie da ist und stecken mir gelegentlich Süßigkeiten zu.
Nach zwei Monaten kann ich noch nicht so gut ungarisch sprechen aber zuhören ist auch viel wichtiger. Das Gefühl zu übermitteln, dass ich mir für jemanden Zeit nehme, drücke ich mit kleinen Berührungen aus.
Meine Anfangsphase war für das Altenheim zugleich eine schwere Zeit, denn es sind in kurzer Zeit fünf Menschen gestorben. Es ist nicht schön, wenn die alten Leute sterben, weil ich sie schon liebgewonnen habe. Ich werde von ihnen umarmt und bekomme Küsse auf die Hand und auf die Wange. Wenn das Wochenende naht, dann sagen mir meine Senioren, dass sich mich vermissen werden und sich auf Montag freuen.
Für mein weiteres Jahr in Rumänien wünsche ich mir noch viele schöne Erlebnisse, die mich an ein ganz besonderes Jahr im Ausland erinnern lassen. Ich möchte viele junge Menschen dazu ermutigen den Schritt in den Osten zu wagen. Einmal dort gewesen und gelebt zu haben gibt einem ein ganz anderes Verständnis für Europa und zeigt einem eine andere Lebensweise, die zu leben auch möglich ist. Wenn mich irgendjemand fragt, ob Deutscher oder Ungar, warum ich ausgerechnet nach Rumänien gekommen bin und ob ein anderes Land vielleicht nicht besser für mein späteres Leben wäre, dann kann ich nur soviel sagen, dass nicht immer nach dem direktem Nutzen oder Vorteil gefragt werden soll. Den Sinn für dieses Jahr muss der Freiwillige ihm selber geben.
Mir ist meine Tätigkeit sehr wichtig und ich finde es schön, eine besondere Sprache lernen zu dürfen. Freiwilligenarbeit ist hier sehr wichtig und wird gebraucht. Außerdem werde ich nie wieder die Chance haben, eine andere Kultur auf diese Weise kennen zu lernen.
Herbst-Winter-Frühling-Sommer
Hendrik Soster war Freiwilliger im Kinderhaus „Steps of Hope“ in Daia, Rumänien. Dies ist sein Eintrag in das Gästebuch.

Ein Jahr nun war ich hier…nein, so möchte ich nicht anfangen und auch nicht diesen Standart-Freiwilligen-Text weiterführen. Ich möchte mich beginnend entschuldigen für alle Resultate, die ich mit meiner Anwesenheit fabriziert habe. Resultate, die mir zeigen, ich war hier. Resultate, die Spuren hinterlassen. Solche Fußspuren, wie zwischen „Steps“ und „Hope“. Sie treffen es ganz gut für dieses Erlebnis hier bei euch. Man kann sie als Mittelpunkt interpretieren oder für mich implizierend, als gutes Mittelmaß. Das war es glaube ich, was ich von Anfang an wollte - ein gutes Mittelmaß finden. Und es passt ganz gut in dieses Rumänien, dieses Rumänien wo es an Mittelmäßigkeit fehlt. Arm und Reich – schnell und langsam – heiß und kalt. Oft war ich Bremse und Gaspedal zugleich und das machte es nicht langweilig.
Sehr aufregend und schön waren für mich die kleinen, doch eher schwer sichtbaren Dinge. Die Kinder haben ihre Ohren auf und vor allem ihre Augen! Und das finde ich, hat große Zukunft!
Ich möchte mich bedanken für eure Loyalität. Wir wurden uns immer einig, jeder hat seine eigene Denkweise und das wurde angenommen und mit Respekt behandelt. Viele Ideen und Ansichtsweisen waren gleich und doch gab es auch Punkte ohne Übereinstimmung. Diese wurden offen auf den Tisch gelegt und wir haben einen Kompromiss gefunden - schön. Gerade auf das Ende zu haben wir alle zueinander mehr Vertrauen gewonnen. Ich spürte, dass ich mehr Verantwortung über nehmen durfte, worüber ich mich sehr freue. Ich kam in eine für euch schwierige Zeit, welche von großen Enttäuschungen und Unverständnis geprägt war/ist. Das machte es für mich nicht unbedingt leicht, doch lehrte mich diese Phase auch im Positiven.
Es hat sich auch einiges bei mir persönlich bewegt, wofür ich euch danken möchte, doch sind es Dinge, die ich erst später intensiver spüren werde und somit euch jetzt schwer schildern könnte. Eines kann ich euch verraten…die eigene Ruhe und Geduld hat sich bei mir persönlich um einige positivere Stufen erhöht. Für Außenstehende klingt dieser Aspekt bestimmt nach großer Langenweile im Kinderhaus, dem kann ich in keiner Art und Weise zustimmen, was ich damit aussagen möchte ist, dass ich besser gelernt habe , in einem Zeitraum mit hoher Lebensgeschwindigkeit, mit innerer Ruhe umzugehen.
Mein Ziel war es von Anfang an, mit Zufriedenheit wieder nach Hause zugehen. Bin ich zufrieden? Ja, das bin ich. Es wäre gelogen zu sagen, voll und ganz, da fehlt leider die Motorradtour und der Bär in den Bergen =). Aber das sehe ich nicht einmal negativ, eher sehe ich es als eine gute Möglichkeit, wiederzukommen. Nicht nur diese materiellen Dinge meine ich damit, sondern auch die unentdeckten, für mich noch nicht sichtbaren Sachen. Wie die Zukunft aussieht, kann ich nicht voraussagen. Ich möchte auch keine Versprechen machen. Ich bin ein Mensch, der den Moment lebt und egal wie die Zukunft aussieht, dieser Moment „Jahr“ mit euch hier im Kinderhaus hat mich weitergebracht und sicherlich auch einige hier.
Ich wünsche euch von ganzen Herzen für die Zukunft Einigkeit, neues Vertrauen zu neuen Menschen und mehr Vertrauen in euch selbst.
Ihr seid gute Menschen! Das macht mich froh. Ihr gebt alles für die Kids und ich weiß, das werdet ihr wieder bekommen von Ihnen! Ihr müsst bloß genauso weit die Augen öffnen, wie die Kids es tun, wenn sie von euch lernen!
„Kinder an die Macht“ von Herbert Grönemeyer
Euer Hendrik
Von Gastfreundschaft, Raki, Bunkern und Skorpionen – Ein Jahr im Land der Skipetaren
Ich heiße Johann Beger, bin 19 Jahre alt und ich habe meinen Zivildienst für ein ganzes Jahr in einem kleinen Land Europas geleistet, von dem nur wenige Menschen wissen, wo es überhaupt liegt.
Als ich im September letzten Jahres ins Flugzeug mit dem Zielpunkt Tirana/ Albanien stieg, wusste ich nur, dass ich für ein Jahr zu zwei Franziskanerschwestern, in einen kleinen Ort, namens Fushë- Arrëz, tief in den Bergen im Norden Albaniens kommen sollte. Ich wusste, dass ein Jahr in einer anderen Kultur und somit andere Lebens- und Denkensweisen auf mich zukommen würden, was Spannung, Erlebnisse und Abenteuer garantieren sollte.
Großer Respekt und etwas Angst mischten sich in meine Gefühle, da ich, durch Medien und Vorurteile beeinflusst, nicht nur Positives über Albanien und dessen Volk gehört hatte. Allerdings steigerte dies nur meine Neugier und Spannung auf die vor mir liegenden 12 Monate. Und so landete ich um Mitternacht auf dem kleinen und einzigen Flughafen Albaniens in Tirana. Dort erwartete mich bereits Bruder Andreas, ein deutscher Kapuziner, der das Jahr über mein Mentor und meine Vertrauensperson sein würde. Wir fuhren etwa drei Stunden mit einem Landrover durch die Nacht und ich konnte im Dunkeln leider nicht viel sehen. Trotzdem bekam ich erste Eindrücke, wie den Geruch von verbranntem Müll – die albanische Art diesen zu beseitigen, oder unzählige geschrottete, verrostete Autos und Lkws, die sich am Straßenrand in regelrechten Friedhöfen horteten, sowie ab und an ein toter Hund auf der Fahrbahn. Als wir in die Bergregion gelangten, begannen die unendlichen Kurven, bis wir schließlich Fushë- Arrëz erreichten. Ein albanischer Nachtwächter öffnete das Tor und ich wurde erst einmal von einer ganzen Hundemeute beschnüffelt. Bruder Andreas zeigte mir mein Zimmer unter dem Dach eines kleinen Häuschens, in dem ich das Jahr über gemeinsam mit ihm wohnen würde. Müde fiel ich ins Bett. Am nächsten Tag lernte ich die beiden, mir auf den ersten Anhieb sympathischen Franziskanerschwestern Gratias und Bernadette kennen. Mir wurde das große Gelände der Missionsstation gezeigt, das von einer großen Mauer und Stacheldraht umgrenzt, ein beeindruckendes Territorium darstellt. Mit einem großen Lager, einem Kindergarten, einem Laden, einer Nähwerkstatt und einem kleinen Bauernhof mit ungefähr 35 Angestellten übertraf diese Anlage meine Vorstellungen bei weitem.
So groß und lebendig hatte ich mir meine Zivildienststelle wirklich nicht vorgestellt und ich war sehr erleichtert und aufgeregt. Außerdem war der Blick auf die Landschaft und die umgebenden Berge überwältigend, auch wenn mir die Stadt Fushë- Arrëz mit ihren heruntergekommenen, grauen Plattenbauten und kaputten Straßen als eher hässlich erschien.
In den darauffolgenden Tagen und Wochen lernte ich sehr viele Menschen kennen, die mich mit Neugier und Freude begrüßten und willkommen hießen. Bereits vom ersten Tag an fiel mir an den Albanern eine unglaubliche Offenheit und Freundlichkeit auf. Die Menschen waren so herzlich zu mir, drückten mich, fragten viel und luden mich manchmal sogar zu ihnen nach Hause ein, ohne mich überhaupt zu kennen. Natürlich war die Kommunikation anfangs sehr schwer, doch nach und nach lernte ich die ersten albanischen Wörter und Sätze.
Die Leute freuten sich sehr über meine anfänglichen Bemühungen, die Sprache zu lernen, halfen mir und lobten mich für jedes neu gelernte Wort. Albanisch gehört einer eigenen Sprachfamilie an, übernimmt aber Wörter aus dem Italienischen und Türkischen. Albanisch hat etwas sehr Eigenes und sowohl Grammatik, als auch Vokabular lassen sich nur selten von einer anderen Sprache ableiten, allerdings übernimmt die albanische Sprache viele Wörter aus dem Italienischen und Türkischen. Das Sprechen bereitet mir, obwohl ich es keinesfalls perfekt beherrsche, immer wieder großen Spaß.
Hausbesuche
Interessante Erfahrungen bereiteten immer die Besuche von Familien in den zum Teil weit entlegenen und einsamen Bergdörfern. Gemeinsam mit Bruder Andreas sahen wir nach dem rechten und beaufsichtigten Bauprojekte. Oft kaum vorstellbare Wohnsituationen ergeben sich durch eingefallene, oder zerstörte Häuser. Wie zum Beispiel eine sechsköpfige Familie in einem kleinen Lkw- Container ohne Fenster zusammen leben musste, bis sie, mit Hilfe von Spendengeldern ein neues Haus gebaut bekam. Die Menschen in den Dörfern leben meistens von der eigenen Ernte, wie von Mais, Tomaten, Gurken, Früchten und Nüssen, die sie auf ihren kleinen Stücken Land anbauen. Außerdem betreiben viele eine kleine Viehwirtschaft und besitzen manchmal eine Kuh, ein paar Ziegen, oder Schweine. Eine große Rolle im Leben der Albaner spielt natürlich auch der Raki, den jede Familie nach eigener Tradition und mit imposanten Destillen über dem Feuer brennt. Dieser brennt aufgrund seiner Stärke meist auch ganz schön im Hals.
Wenn wir Hausbesuche auf den Dörfern machten, wurden wir jederzeit freudig willkommen geheißen. Je nach Jahreszeit kamen sofort Produkte aus eigener Produktion, wie Gurken, Tomaten und selbstgemachter Käse und Nüsse auf den Tisch, obwohl wir eigentlich gar nicht zum Essen gekommen waren. Wir wurden regelrecht gedrängt, auch ja von allem zu essen und zu probieren. Männlichen Besuchern wird Raki ein, und immer wieder nachgeschenkt, sobald das Glas auch nur halb leer ist. Dies führte mich anfangs oft in etwas schwierige Situationen, weil ich nur sehr schwer ablehnen konnte. Im Laufe der Zeit lernte ich: entweder hält man das Glas zu, oder man lässt es einfach bis zum Ende voll und trinkt dann vor dem Gehen. Die Menschen sind unglaublich freigiebig und geben von dem was sie haben und das meist nicht zu knapp. So bekommt man, wenn man schließlich aufbricht, noch Raki, Käse oder Früchte einfach in die Hand gedrückt.
Jedoch herrscht nicht immer so eine Fülle an Nahrung und der oft sehr kalte und lange Winter ist für die meisten sehr schwer. Manche Dörfer sind aufgrund des vielen Schnees bis zu drei Monate von der Zivilisation abgeschnitten und haben manchmal nicht einmal Strom. Zum Glück werden die armen Familien, die in einer speziellen Lebensmittelliste registriert sind, von den Schwestern mit dem Nötigsten, wie Mehl, Zucker, Salz und Öl versorgt. Dies trägt gerade in den kalten Monaten des Jahres durchaus zum Überleben armer Menschen bei.
Meine Aufgaben
Die Arbeit, die ich im Laufe des Jahres verrichten durfte war sehr abwechslungsreich und oft spannend. So half ich beim Ausladen und Verteilen von Hilfstransporten und Lagerarbeiten, oder erledigte Computer- und Büroarbeiten. Ich war sehr froh darüber, dass mir bereits von Anfang an viel zugetraut wurde, auch sehr verantwortungsvolle Aufgaben, wie Altarwandgestaltungen in einigen kleinen Kirchen in den Bergdörfern, oder Fahrdienste auf den recht gefährlichen und riskanten Bergstrecken der Umgebung. Die Arbeit mit der Jugend bereitete mir ebenfalls viel Spaß und half mir sehr beim Erlernen der Sprache. Ich durfte einen kleinen Deutschkurs für Interessierte ins Leben rufen, oder bei Katechesen und Jugendtagen mithelfen. Natürlich fielen auch gewöhnliche Arbeiten wie Hausarbeiten oder Holz hacken im Winter an. Besonders interessant und schön war das Erlebnis, bei einem Sommerstrandcamp für arme Kinder und Romas als Betreuer helfen zu dürfen.
Alles in allem war die Arbeit nicht nur abwechslungsreich und spannend, sondern brachte mir zusätzlich eine Vielzahl von Fertigkeiten und Erfahrungen unterschiedlichsten Gebieten, gerade weil Albanien immer wieder für Überraschungen und somit neue Herausforderungen sorgt.
Probleme
Natürlich kam es im Laufe des Jahres auch zu Konflikten und Problemen. So war es nicht immer angenehm, Deutscher zu sein und in manchen Situationen fiel mir dieser Sonderstatus zur Last. Wie zum Beispiel beim Einkaufen von kleinsten Dingen, bei denen der Preis ganz gerne mal um einiges anstieg, sobald der Verkäufer erfuhr, dass ich Deutscher bin.
Man muss dazu erwähnen, dass Deutsche in ganz Albanien einen sehr guten Ruf haben und sehr respektiert und bewundert werden. Das kommt nicht zuletzt durch den deutschen Fußball, die geschätzte Qualität deutscher Artikel und vor allem durch die Autos. Das wohl meist gefahrenste Auto in Albanien heißt Mercedes. Egal ob uralte Modelle, oder neue Luxuslimousinen- Albaner schwören auf ihren Benz. Und so kam es unter anderem vor, dass mich die sonst sehr strenge Polizei trotz meines versehentlich vergessenen Anschnallgurts freundlich weiterfahren ließ, nachdem ich erwähnte, Deutscher zu sein.
Doch musste ich, auch als Deutscher aufpassen was ich gegenüber Albanern sagte und tat. Albaner sind zwar sehr herzlich und offen, aber auch sehr stolz und leicht zu verletzen.
Die Konfliktbewältigung stellt meiner Meinung nach sowieso ein großes Problem dar, da das Aggressionspotenzial sehr hoch ist. Albaner bezeichnen sich auch selbst gern als „gjak i nxehtë“ (heißblütig) und übertreiben dabei nicht im Geringsten. Leider sind, vor allem im Norden Albaniens noch sehr viele Familien im Besitz von Waffen und somit steigt die Gefährlichkeit und das Risiko des schlechten Ausgangs eines Konfliktes. Das kommt jedoch zum Glück immer seltener vor. Ebenso gibt es auch immer noch Familien, die nach dem Kanun, dem traditionellen Gewohnheitsrecht Albaniens leben und handeln, aus dem die Blutrache der wohl bekannteste Aspekt ist und ein passendes Beispiel für schlechte Konfliktklärung darstellt. Allgemein gibt es in Albanien eine Spannung zwischen dem Modernen und dem Traditionellen, in Hinsicht auf vielerlei Dinge. Angefangen bei Mode, Musik und Kunst treffen oft zwei Welten aufeinander. So kann man in der Hauptstadt Tirana im Straßenverkehr durchaus beobachten, wie ein glänzender Hummer mit einem jungen, aufgestylten Fahrer einen alten Eselskarren überholt, in dem ein alter Mann in traditioneller Kleidung und Filzhut sitzt.
Eine der größten Probleme ist meiner Ansicht nach die Korruption, die fast alle Berufssektoren negativ beeinflusst und vor allem das Leben Derer schwer macht, die arm sind, oder nicht von der Korruption profitieren können. Besonders nachteilig wirkt sich dies bei grundlegenden Institutionen, wie dem Gesundheits- und Rechtswesen aus und hat für die Menschen katastrophale Folgen, die auf jene angewiesen sind.
Ebenso stecken leider noch Auswirkungen des Kommunismus in vielen Köpfen, der zwar 1990 ein Ende fand und durch eine abgelöst wurde, jedoch trotzdem bis heute noch im Handeln mancher Menschen, aber auch bei Alltäglichkeiten wiederzuerkennen ist. So musste ich einmal bei ca. 35° Grad knapp eine Stunde bei der Post in Tirana anstehen, schwitzen und drängelnde Frauen abwehren. Als ich schließlich endlich an der Reihe war wurde mir gesagt, ich solle mich doch an der Schlange für die Männer anstellen…
Anfangs musste ich mich auch daran gewöhnen, dass des öfteren mal einfach der Strom weg war und es mit einem Schlag dunkel wurde oder der Computer ausging. So kamen im Winter auch mal unvorbereitet gemütliche Abende bei Kerzenschein zustande.
Dann kam der Strom nach einiger Zeit meist auch wieder, jedoch gab es auch Wochen, in denen täglich der Strom über mehrere Stunden abgeschaltet wurde, was mich manchmal wütend machte, da keiner wirklich wusste warum.
Nichts desto trotz überwiegen die schönen Erfahrungen und Erlebnisse, die ich in Albanien hatte, die überwiegend von der Natur, der Landschaft und den Menschen ausgingen. Ich denke, dass die Menschen und die Natur Albaniens in mancher Hinsicht übereinstimmen und in Einklang miteinander sind, wie beispielsweise die Offenheit, Liebenswürdigkeit und Treue, die von beiden Instanzen ausgehen. Aber zum Anderen auch die Unberührtheit, Ursprünglichkeit und Melancholie.
Bizarre, romantische und äußerst verschiedene Bilder prägen die geheimnisvolle Landschaft Albaniens. Für mich als Deutscher machte sie auf meinen kleineren Reisen auch immer einen exotischen Eindruck, da die Vegetation und Tierwelt innerhalb Albaniens sehr unterschiedlich ist. So dominieren im Norden Kiefern- und Laubwälder, es gibt Hasen, Wölfe und in manchen Gebieten Bären, wogegen in südlicheren Gebieten Palmen, Orangenbäume und Melonen wachsen, es Schildkröten und Schlangen gibt. Jedoch muss ich erwähnen, dass Schlangen und Skorpione genauso im Norden vorkommen und ich mit Letzteren auch in meinem Zimmer Bekanntschaft machen durfte.
Eine Besonderheit im Landschaftsbild sind die kleinen Betonbunker, die unter kommunistischem Regime zu hunderttausenden in ganz Albanien aufgebaut wurden und auch heute noch überall wie Pilze in der Natur stehen. Manchmal entstehen sehr ausgefallene und interessante Bilder nur durch diese Betonpilze, wenn diese bunt angemalt, oder als Getreide- und Maiskammer umfunktioniert werden.
Alles in allem ist Albanien und dessen Volk zum einen geheimnisvoll und nicht immer auf den ersten Blick durchschaubar, zum anderen hingegen liebenswürdig, reizend und beeindruckend schön.
In einem Jahr lernte ich es zu lieben und manchmal auch zu hassen. Ich bin zwar froh, wieder in gewohnte und geordnete Verhältnisse zu kommen, lasse jedoch eine Menge liebe und treuherzige Menschen sowie ein wunderschönes Land zurück.
Ich habe viel über ein fremdes Land, dessen Sprache und Kultur gelernt und bin stolz darauf und dankbar dafür, solch ein abenteuerliches, spannendes und interessantes Jahr erlebt zu haben. Diese Zeit wird mir immer in guter Erinnerung bleiben.
Danke an all jene, die mir dies ermöglicht haben.
Johann Beger
Ein Jahr freiwillig helfen in Litauen
Matthias Bellmann arbeitet seit September 2010 in einem litauischen Kinderdorf.
„Labas, Motiejau! -Hallo, Matthias!“, rufen die Kinder schon von weitem. Wenn Matthias Bellmann (18) ins Kinderdorf kommt, schaut er in viele erwartungsvolle Gesichter. Bellmann arbeitet für ein Jahr als Freiwilliger im Kinderdorf „Vaiko Tėviškės Namai“, nahe der litauischen Kleinstadt Marijampolė. Entsendet wurde er von dem katholischen Hilfswerk Renovabis und der Initiative Christen für Europa e.V., die freiwilliges soziales Engagement in Deutschland und in anderen europäischen Ländern fördert.
Im Kinderdorf haben gut 100 Kinder aus problematischen Familien ein neues Zuhause gefunden. „Kinderdorf- das klingt zunächst ganz schön. Der Alltag ist jedoch immer wieder eine neue Herausforderung“, meint Anne Weigel (25). Die aus Rostock stammende Familienpflegerin arbeitet schon seit anderthalb Jahren im Kinderdorf. Sie betreut ein deutsch-litauische Patenprogramm, unterstützt die litauischen Sozialpädagoginnen bei verschiedensten Aktivitäten und steht nun auch Matthias als Ansprechpartnerin zur Seite.
Viele der Kinder leiden an den Folgeerkrankungen des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft, nicht wenige erlitten schwere körperliche und seelische Verletzungen.
Im Kinderdorf haben sie viele Möglichkeiten, zu spielen und zu toben. Aber auch Gartenarbeit steht regelmäßig auf dem Programm. Eine Pflegemutter betreut 10 Kinder. Tagsüber ist noch eine Pflegetante zugegen, die im Haushalt und bei den Hausaufgaben hilft. Neben den alltäglichen Verrichtungen wie Waschen, Kochen und Saubermachen bleibt da kaum Zeit für individuelle Förderung. Deshalb sind Nachmittagsangebote immer sehr beliebt. „Die Kinder lassen sich für alles begeistern, sind aufgeschlossen und interessiert“, meint Bellmann. Zu seinen Aufgaben gehören Hausaufgabenbetreuung, Deutsch-Unterricht, Bastelaktivitäten, Ausflüge, aber auch Bürotätigkeiten. Ein Freiwilliger ist eine große Hilfe für das Kinderdorf. „Die Kinder haben mich schon in ihr Herz geschlossen“, sagt Bellmann. „ In der ersten Zeit war es schwierig, da ich die Sprache kaum verstand, aber die Kinder bemühen sich, mir jeden Tag neue Wörter beizubringen.“
Dass in den Kindern ein enormes Potential steckt, davon ist Matthias überzeugt. Viktorija beispielsweise spricht ausgezeichnet Deutsch, Laura ist litauische Meisterin in Karate. Um alle Kinder individuell fördern zu können fehlt es jedoch an gut ausgebildetem Personal und vor allem an Geld. „Ohne die Hilfe ausländischer Freunde und Stiftungen wäre unser Kinderdorf nicht dort, wo es heute ist“, meint Direktor Vytautas Šulinskas (51). Eine italienische Diözese half beim Aufbau der Häuser, der deutsche Verein „Kinderdörfer in Litauen e.V.“ ermöglichte die Einrichtung eines Internetanschlusses, eine norwegische Stiftung unterstützte dieses Jahr die Außenrenovierung aller Gebäude.
Nachdenklich schaut Šulinskas aus dem Fenster seines Büros auf ein leer stehendes Haus. Hier sollen ältere Jugendliche künftig eigenständig wohnen, um besser auf das Berufsleben und ihre Selbständigkeit vorbereitet zu werden. Ein ehrgeiziges, ein innovatives Projekt. Doch auch dessen Realisierung ist von der Finanzierung abhängig. Hohe Arbeitslosigkeit, Armut, Abwanderung- die sozialen Schwierigkeiten Litauens sind immens. Allein kann das Land seine Probleme nicht lösen. Der Freiwilligendienst ist nur ein kleiner Schritt, aber dennoch ein gutes Beispiel für konkrete, gelingende Kooperation in einem zusammenwachsenden Europa.
Leben wie vor 100 Jahren
Lisa Gamerschlag (19) lebt seit September 2010 als Freiwillige in Rumänien, wo sie in einem Kinderheim mitarbeitet.

Nyárádremete, Rumänien. „Als ich im Herbst hier ankam, hatte ich zunächst das Gefühl 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt zu werden. Auf den Straßen fahren mehr Pferdekarren als Autos, zum Kochen benutzen wir den Holzofen, warmes Wasser gibt es ausschließlich überm Holzfeuer und für die Kinder stehen Plumpsklos im Garten zur Verfügung“ fasst Lisa Gamerschlag ihren ersten Eindruck von Rumänien zusammen.
Schon seit etwa drei Monaten lebt die Renovabis-Freiwillige in Rumänien, in einem kleinen Dorf namens Nyárádremete – oder Eremitu, das ist der rumänische, aber nur selten geläufige Name. Sie wohnt dort im ungarisch-sprachigen Teil Rumäniens und absolviert gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kinderbetreuung für Bedürftige.
Neuer Alltag in Rumänien
„Ich muss schon zugeben, dass mich diese Umstellung an das Leben hier wirklich etwas Zeit gekostet hat, aber mittlerweile habe ich mich größtenteils an den Alltag hier gewöhnt. Es ist einfach ein unglaublich schönes Gefühl, morgens aufzustehen und sich über die lachenden Kindergesichter zu freuen, die mich anstrahlen und sich über jedes neue Spiel oder einfach nur über ein Märchen freuen“, reflektiert Lisa über ihr neues Leben in Rumänien.
In dem Kinderheim „Szovata“ werden jeden Tag etwa 35 Kinder im Alter von vier bis 1 Jahren betreut. Die Erzieherinnen und die Freiwillige spielen mit ihnen, malen, betreuen Hausaufgaben und versorgen die Kinder in erster Linie mit Essen. „Denn obwohl Rumänien ein EU-Land ist, gibt es in vielen Familien Probleme bei der Nahrungsversorgung. Zudem leben viele der von uns betreuten Kinder in zerrütteten Familienverhältnissen, manchmal fehlen Vater oder Mutter, bzw. sind die Eltern nicht im Stande, sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern“ berichtet Lisa über die Verhältnisse vor Ort.
Arbeit im Kinderheim
Der Freiwilligen gefällt es besonders, dass die Hausaufgabenbetreuung am richtigen Punkt ansetzt. So betreuen sie in dem Kinderheim „Szovata“ Kinder, die in die dritte Klasse gehen und weder lesen noch schreiben können, andere können kaum rechnen. Mit der vierjährigen Bianca lernt Lisa gerade sprechen, weil sie es zu Hause nicht gelernt hat. Da die Einrichtung nur durch Spenden finanziert wird, ist sie auf Hilfe von außerhalb angewiesen, damit zum Einen „das täglich Brot“, zum Anderen aber auch Dinge wie Lernmaterial oder Ausflüge finanzieren werden können.
„Ich bin sehr gespannt, was mich in diesem Jahr alles erwarten wird, auch wenn der Freiwilligendienst nicht immer nur schöne Erfahrungen mit sich bringt, denke ich, dass mir die Erlebnisse noch mein ganzes Leben lang in Erinnerung bleiben werden“ resümiert Lisa ihren bisherigen Auslandseinsatz, den sie dank Renovabis und der Initiative Christen für Europa leisten kann.
Kontakt
Eure Ansprechpartnerin rund um das Thema Freiwilligendienst ist Verena Geißler.
Freiwilligendienste

Verena Geißler
Renovabis, Domberg 27, 85354 Freising
Tel.: (08161) 5309-81, Fax: (08161) 5309-44
E-Mail: vg@renovabis.de













