Osteuropa-Fernsehtipps
25. August 201231. August 2012

Tagesübersicht


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Samstag, 25. August

Mit dem Zug durch Kasachstan und Usbekistan

12:55 Uhr, MDR (43 Minuten)

Film

Kasachstan oder Usbekistan tauchen nur in den Schlagzeilen auf, wenn es um Erdgas oder Erdöl geht, denn diese Bodenschätze besitzen sie reichlich. Über das alltägliche Leben der Menschen in diesen zentralasiatischen Ländern - seit dem Zerfall der Sowjetunion selbstständige, aber autoritär regierte Republiken - wissen wir dagegen wenig. Zu unübersichtlich ist der Flickenteppich der ineinander verschlungenen Staatsgebiete. Doch diese Staaten, die zusammen wesentlich größer als Europa sind, verband einstmals eine der wichtigsten antiken Handelsstraßen: die Seidenstraße.

Heute kann man auf ihren Spuren auch mit der Eisenbahn reisen. Diese Strecke erfreut sich, genauso wie die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn, einer wachsenden Beliebtheit bei Individualtouristen. Vom Moskauer „Kasaner“ Bahnhof kann man durch Mittelasien innerhalb einer Woche nach Peking reisen. In den Zentren der Städte herrscht heute meistens modernes Leben, aber auf den bunten Märkten, in den uralten Basaren und Moscheen überkommt den Besucher unweigerlich das Gefühl, sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit begeben zu haben.

Wie die Beatles den Kreml stürmten

22:45 Uhr, 3sat (60 Minuten)

Dokumentation

Das kulturelle Phänomen der „Beatlemania“ erfasste vor über 40 Jahren auch die Sowjetunion und trug dazu bei, den Kommunismus zu Fall zu bringen. Die sowjetischen Machthaber fürchteten die mit Gitarren „bewaffneten“ Jugendlichen der Rock’n’Roll-Szene. In den frühen 1960er Jahren erklärte Regierungschef Nikita Sergejwitsch Chruschtschow die elektrische Gitarre gar zum „Feind des sowjetischen Volkes“. Man war fest entschlossen, die „Verderbnis“ der Jugend zu verhindern: Polizisten ergriffen langhaarige Jugendliche auf den Straßen und schnitten ihnen die Haare ab. Auch die Musik der Beatles war verboten, die Gruppe erhielt nie die Erlaubnis, in der Sowjetunion aufzutreten. Dennoch wuchs ihre Popularität unaufhörlich.

Unzählige Bands entstanden, die sich wie die Beatles kleideten und ihre Musik spielten. Im ganzen Land kursierten Radiomitschnitte von Radio Luxemburg, die auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden. Trotz oder gerade wegen des harten Vorgehens der Obrigkeit übten die Beatles einen großen Einfluss auf die Gesellschaft und die Haltung der Menschen aus: Millionen junger Leute wurden durch sie zu glühenden Befürwortern der westlichen Kultur und gingen emotional auf Distanz zum Sowjetsystem. So bereiteten die Beatles den kulturellen Weg für den Fall der Berliner Mauer. Die lange russische Liebesaffäre mit den Beatles fand im Sommer 2003 ihre Erfüllung: Paul McCartney spielte auf dem Roten Platz in Moskau vor 100.000 Menschen, viele von ihnen in Tränen aufgelöst.

Für seine Dokumentation „Wie die Beatles den Kreml stürmten“ reiste der britische Filmemacher Leslie Woodhead durch mehrere Länder der ehemaligen Sowjetunion. Über die Auswirkungen der Beatles auf ihr Leben erzählen unter anderem „Russlands ultimativer Beatles-Fan“ Kolja Vasin, die gefeierten Rockmusiker Boris Grebenshikov und Sascha Lipnitzki, der „Beatlemania“-Buchautor Juri Peljuschonok und Russlands stellvertretender Ministerpräsident Sergej Iwanow.

Reiseskizzen aus Armenien

02:45 Uhr, arte (30 Minuten)

Dokumentationsreihe

In der Dokumentationsreihe zeigen sechs Illustratorinnen und Illustratoren zehn unterschiedliche Reiseländer. Während dieser Reisen abseits der Touristenpfade entstehen Skizzen, Zeichnungen oder Aquarelle, die das jeweilige Land aus einem ganz persönlichen Blickwinkel beschreiben. Bertrand de Miollis hat Armenien, das Land der Steine, besucht. Armenien, das „Land der Steine“, ist das Ziel des Illustrators Bertrand de Miollis. Von der Ararat-Ebene über den Sevan-See und die Hauptstadt Eriwan bis zu den Höhlen von Goris entdeckt der Zuschauer mit den Augen und durch die Zeichnungen des Künstlers ein Land mit abwechslungsreicher Landschaft und interessanten Menschen.

Die Dokumentationsreihe zeigt zehn verschiedene Länder aus der Sicht von sechs Zeichnerinnen und Zeichnern, die ihre Reiseorte und ihre Begegnungen in einem Skizzenbuch festhalten. Die Filme geben neue Einsichten in die Länder, fangen ihre Atmosphäre ein und schaffen Gelegenheit zu vielfältigen Begegnungen. Die beim Erkunden von Landschaften und Städten entstandenen Porträts, Zeichnungen, Aquarelle, Collagen und Mangas verschmelzen mit den gefilmten Bildern und stellen die Orte aus der Perspektive der Künstler dar.

Sonntag, 26. August

Stationen.Dokumentation

10:15 Uhr, BR (45 Minuten)

Kirchturmgeschichten aus Haindorf - Eine Wallfahrt in Böhmen

Zu den schönsten und traditionsreichsten Wallfahrtsorten Böhmens zählt die Marienkirche von Haindorf (Hejnice) im Dreiländereck Tschechien-Deutschland-Polen. 40 Jahre lang lagen Kirche und Kloster während der kommunistischen Zeit darnieder, die Gebäude verrotteten. Doch heute geht es wieder aufwärts - weil es Menschen wie Pfarrer Milos Raban gibt, die sich mit dem Niedergang des lieblichen Landstriches nicht abfinden.

Milos Raban wurde als Sohn eines tschechischen Revierförsters geboren, als gerade die letzten Transporte mit den vertriebenen Sudetendeutschen ihre (und seine) Heimat verließen. Er studierte Theologie, wurde Pfarrer, floh 1968 nach Deutschland und kehrte 1989 zurück. Heute hat der Sechzigjährige die Wallfahrtskirche Haindorf zu einem „Internationalen Zentrum für geistliche Erneuerung“ ausgebaut, das weit über die Landesgrenzen bekannt ist. Das ist auch notwendig, denn die Zahl der Katholiken in seiner Heimat ist verschwindend gering. Anlass zur Versöhnung haben viele: die deutschen Vertriebenen, die inzwischen aus Sachsen und Bayern wieder zur Wallfahrt in die alte Heimat kommen, die benachbarten Polen und die neu angesiedelten Tschechen.

Auch der alte Otto Richter, der nach 1945 in seiner Heimat geblieben ist, Priester werden wollte und nicht durfte, weil er sich weigerte, die Verpflichtungserklärung des Geheimdienstes zu unterschreiben. Wie Pfarrer Milos Raban lässt er sich von der vermeintlichen Aussichtslosigkeit der Verhältnisse nicht entmutigen. Und die „anmutige Muttergottes von Haindorf“ scheint den beiden ihren Segen zu geben - denn die Wallfahrt blüht wie durch ein Wunder neu auf.

Eine Reise durchs Memelland

11:35 Uhr, HR Fernsehen (45 Minuten)

Film

Auf Litauisch heißt die Memel Nemunas. Die Menschen, die hier leben, nennen ihre Heimat auch Kleinlitauen. Der Oberlauf der Memel bildet die Grenze zwischen dem Königsberger Gebiet, dem heute zu Russland gehörenden Teil des ehemaligen Ostpreußens, und Litauen. Im Memeldelta an der Ostsee mündet der Fluss ins Kurische Haff. Am Horizont schimmert die Silhouette der Kurischen Nehrung. Über viele Jahrhunderte war das Memelland eine multikulturelle Grenzlandschaft, in der Deutsche, Litauer, Juden, Russen, Polen und viele andere friedlich zusammen lebten.

Die Memel hat die Menschen in der Grenzregion zu allen Zeiten geprägt, die Menschen hier hatten schon immer ein ganz besonders enges Verhältnis zu diesem Fluss, zur Landschaft, durch die er fließt, zur Natur überhaupt. Die filmische Reise durchs Memelland beginnt in Smalininkai (Schmalliningken), führt an der Memel entlang nach Rusne (Ruß) am Memeldelta. Weitere Stationen sind Silute (Heydekrug), die Kurische Nehrung und Klaipeda, das früher einmal Memel hieß.

Das Fernsehteam von Wolfgang Wegner hat bei seiner filmischen Reise Menschen getroffen, die unterschiedlicher nicht sein können: Eine alte Frau, deren Familie seit Jahrhunderten im Memelland lebt, erzählt von ihrer Kindheit. Der Hof in Bitenai, auf dem ihr Sohn Mindaugas 200 Milchkühe hält, ist schon 200 Jahre alt. Der junge Bauer mit deutschen Vorfahren ist im Nebenberuf Hundeführer bei der Litauischen Grenzpolizei. Junge Leute aus der Abschluss-Klasse des Gymnasiums von Silute sind begeisterte Mitglieder des Theaterensembles ihrer Schule und wollen einmal Journalisten werden. So berichten sie über Kleines und Großes, Bemerkenswertes und Typisches in ihrer Heimat - über eine neue litauische Folkloregruppe in Rusne etwa oder über das Schicksal einer Frau in Klaipeda, eines so genannten Wolfskindes. Auf der Kurischen Nehrung, die zu den europäischen Sehnsuchts-Landschaften gehört, lernt das Fernsehteam einen deutschen Rechtsanwalt kennen, der beschlossen hat, hier zusammen mit seiner litauischen Frau Wurzeln zu schlagen. In der evangelischen Kirche von Nida (Nidden) läutet er an jedem Sonntag die Kirchenglocken. In Klaipeda, heute Litauens Tor zur Welt, endet die Reise durch das Memelland. Sein prosperierender Hafen ist Teil einer Sonderwirtschaftszone, deren Boom eng mit der Mitgliedschaft in der Europäischen Union verbunden ist.

Der Traumpfad von München nach Prag

15:00 Uhr, BR (45 Minuten)

Von der Donau zur Moldau

Ausgangspunkt für den „Traumpfad von München nach Prag“ ist die Mariensäule in München; das Ziel der Veitsdom auf dem Hradschin in Prag. Dazwischen liegen 450 Kilometer Wanderweg für Florian und Carmen. Die lange Strecke birgt viele Herausforderungen, wenn es gilt, sich über die Gipfel des Bayerischen Waldes zu quälen oder sich in den dichten böhmischen Wäldern zurechtzufinden.

Die beiden haben tagsüber auf ihrem Weg viel zu sehen bekommen, zunächst an der Isar entlang, schließlich durch den Bayerischen Wald über die böhmische Grenze, vorbei an alten Klöstern, Burgen und Schlössern, dann an der Moldau entlang bis nach Prag. So besuchen sie beispielsweise Landshut, die Burg Trausnitz, den Stausee in Altheim, Dingolfing, Landau, den wachsenden Fels in Usterling, Deggendorf, Kirchberg im Bayerischen Wald, den Lallinger Winkel, Spiegelau, einen Glaskünstler im Bayerischen Wald, sie sind auf dem Lusen, im Tierfreigehege Neuschönau, krabbeln in ein Schrazlloch bei Eppenschlag oder steigen auf den Dreisessel.

Der lange Weg führt sie durch eine der reichsten Kulturlandschaften in der Mitte Europas. Auf dieser Strecke sind sie auch vielen interessanten Menschen begegnet und haben viel über den alten, einst gemeinsamen Siedlungsraum von Tschechen und Deutschen erfahren.

Leipzig, Paris, Berlin - Drei Dörfer in Russland

16:05 Uhr, MDR (25 Minuten)

Dokumentation

Russland hat ein klein Paris, genauer gesagt sogar zwei. Im Südural, nahe der kasachischen Grenze, gibt es russische Dörfer mit den klangvollen Namen Leipzig und Paris. Vor 170 Jahren wurden die Siedlungen „Grenzposten 29“ beziehungsweise „Grenzposten 4“ getauft. Diese Ortsnamen fanden die dort angesiedelten Kosaken verständlicherweise langweilig. Weil sie im Krieg gegen Napoleon eine entscheidende Rolle gespielt hatten, tauften sie ihre Heimat in Leipzig und Paris um. Auch ein kleines Berlin existiert in der Nähe. Mit ihren berühmten Namensgebern in Europa haben die sibirischen Dörfer aber kaum etwas gemeinsam.

Schlesische Bäderreise

16:30 Uhr, MDR (45 Minuten)

Film

Schlesien ist die bäderreichste Region Europas. In kaum einer anderen Landschaft wurde in den vergangenen 250 Jahren so viel in Heilwasser gebadet, nirgendwo trank man mehr Wasser aus Gesundbrunnen. Hunderttausende Kurgäste aus aller Welt zog es nach Schlesien. Bad Kudowa, Bad Warmbrunn, Bad Flinsberg, Bad Landeck mehr als dreißig Bäder machten Schlesiens Kurorte berühmt.

Das Kuren im mondänen Bad Salzbrunn war einst kostspieliger als in Baden Baden. Kaiser, Könige und Zaren kamen, Friedrich der Große kurierte 1765 im Thermalwasser von Bad Landeck seine Gicht. Der König kam als Schwerkranker, kaum fähig, seine Füße zum Laufen zu gebrauchen. Er verließ Bad Landeck leichtfüßigen Schrittes.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges endet die Karriere der schlesischen Bäderwelt. Sie wurde von sowjetischen Truppen vereinnahmt oder von der neuen polnischen Staatsmacht als kulturelles Erbe missachtet und dem Untergang preisgegeben. Zum Fall des Eisernen Vorhangs 1989 waren die Thermalbäder Schlesiens verfallen und vergessen.

Die Bäderlandschaft wird nun liebevoll und mit großem Aufwand von polnischen Spezialisten in ihrer ursprünglichen Gestalt restauriert. In der Bewahrung der facettenreichen deutschen Geschichte sieht die junge Generation in Polen eine Chance für ihre Zukunft und ihre Ankunft in einem vereinten Europa. Das alles geschieht in rasantem Tempo. Vor allem: Viele Deutsche kehren zurück, in alte Landschaften, in eine neue Lebenswelt. Auch historische Wunden heilen heute in den altehrwürdigen Kurbädern.

Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

19:40 Uhr, 3sat (20 Minuten)

Dokumentation

Am Rande des Böhmerwaldes, nahe der Stadt Budweis, liegt das mittelalterliche Krumau, auf Tschechisch: Ceský Krumlov. Von Adalbert Stifter bewundert, von Rainer Maria Rilke besungen und von Egon Schiele gemalt, hat die Stadt, die 1253 erstmals urkundlich erwähnt wird, ihren historischen Charakter bis heute bewahrt. Umschlossen von der Moldau und überragt von einer der größten Burganlagen Mitteleuropas, bietet Krumau ein einzigartiges architektonisches Ensemble aus Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko. Drei mächtige Herrschergeschlechter, die Rosenberger, die Eggenberger und zuletzt die Schwarzenberger, haben Burg und Stadt geprägt. Zu den größten Sehenswürdigkeiten des UNESCO-Weltkulturerbes zählen der Maskensaal im Schloss und das Barocktheater. Die Dokumentation aus der Reihe „Schätze der Welt - Erbe der Menschheit“ führt ins tschechische Krumau.

Wildes Russland

21:00 Uhr, MDR (45 Minuten)

Der Ural

Die zweite Folge führt den Zuschauer in den Ural. Geheimnisvolle Steinmonumente markieren die Grenze zwischen Europa und Asien: Auf einem Felsplateau des nördlichen Ural-Gebirges ragen die „Sieben starken Männer“ bis zu 50 Meter in den Himmel. Den Einheimischen gilt „Manpupuner“ als Ort, an dem sich die Geister versammeln. Die Ausläufer des Urals erstrecken sich von der Küste des Nordpolarmeers über 2.000 Kilometer bis an die kasachische Grenze.

Dichte Nadelwälder bedecken die Hänge und laufen sanft in der angrenzenden Steppenlandschaft aus. Hungrige Wölfe durchstreifen den Wald auf der Suche nach Beute, stets auf der Hut vor Bären. Die sind die unangefochtenen Herrscher im Wald. Die größte Wildnis Europas versorgt die Bären nicht nur mit Beutetieren, sondern auch mit Beeren und Honig. Um an den süßen Saft zu gelangen, müssen sie sich mit kämpferischen Bienen anlegen. Ein paar Stiche machen ihnen nichts aus, und so klettern sie geschickt auf die höchsten Bäume, um die von den Menschen der Region Baschkortostan aufgehängten Bienenkörbe herunterzureißen.

Der Ural ist auch die Heimat von Elchen - die großen Tiere finden auch dann noch Nahrung, wenn andere Tiere tief im Schnee versinken. Erstmalig wurde gefilmt, wie Gruppen von Elchen am Ende des Winters große Flüsse durchschwimmen, um zu neuen Nahrungsgründen zu gelangen. Hohle Baumstämme dienen dem Uralkauz als Bruthöhle, zumindest solange die Küken es darin noch aushalten. Mit acht Wochen sind sie zwar noch nicht flügge, erklettern aber schon umliegende Bäume. Die vielen Bäche des Urals bieten ideale Bedingungen für zwei andere Tiere: Europäische Nerze sind geschickte Fischer und andernorts selten geworden. Der Desman, ein Verwandter des Maulwurfs, den es nur in Russland gibt, taucht lieber nach Schnecken. Seine lange Nase benutzt er dabei als Schnorchel.

Kinder in Ostpreußen

23:40 Uhr, MDR Fernsehen (90 Minuten)

Film

Der Film erzählt die Geschichte einer Landschaft Ostpreußens und seiner Bewohner. Ostpreußen ist eine geschichtsträchtige Gegend: Während der europäischen Kriege wurde es immer wieder neuen Herrschern unterworfen, zerteilt und neu gegliedert. Die Vertreibungen, Ansiedlungen, Umsiedlungen und Plünderungen des letzten Jahrhunderts spiegeln sich in der Architektur und in den Biografien der Ansässigen wider.

Einst lebten hier Deutsche, Polen, Litauer und Juden nebeneinander und miteinander, jeder seine Nationalität, jeder seine Religion. Dazu kommt die besonders exponierte Lage: Das nördliche Ostpreußen um Kaliningrad ist eine russische Exklave zwischen den EU-Staaten Polen und Litauen. Volker Koepp erschließt sich mit „Holunderblüte“ einen neuen Ansatz. Diesmal möchte er die ihm vertraute Kulturlandschaft in ihren Auflösungserscheinungen über den ganz gegenwärtigen Blick der Kinder erzählen. Geboren in den 90ern, als es schon keine Sowjetunion mehr gab, sondern in Russland, sind den Kindern und Jugendlichen die Umrisse des ehemaligen Ostpreußens nur noch aus Schulbüchern bekannt. Die Gegenwart vieler Kinder ist geprägt von Perspektivlosigkeit und Verarmung. Die Eltern haben oft keine Arbeit und der Alkohol spielt eine große Rolle. Der Film wird als Reise strukturiert, die von Ort zu Ort führt und zu der auch zufällige Begegnungen gehören.

„Holunderblüte“ ist auch eine wiederholte Befragung der Themen von Volker Koepp, die nichts an Bedeutung verloren haben. Fragen nach Identität, Heimat und Erinnerung und wie sich dies auf die Befindlichkeit der Bewohner auswirkt, wie Geschichte sich in Geschichten erfassen lässt, das ist immer wieder das Universelle an Koepps Filmen. So wie Ostpreußen ein versunkenes Land ist, so interpretiert Volker Koepp auch Kindheit als ein entschwundenes Land. Aus dieser Parallelisierung entwickelt er sein poetisches Zentrum, aus dem heraus die einzelnen Geschichten erzählt werden.

Dienstag, 28. August

Slowenien Magazin

01:20 Uhr, 3sat (25 Minuten)

Magazin

In Kooperation mit dem slowenischen Fernsehen berichtet das österreichische Magazin über Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur Sloweniens.

Russlands Küsten - Russlands Sehnsucht

13:15 Uhr, 3sat (45 Minuten)

Die Straße der Eisberge

Mit Dirk Sager auf der Nord-Ost-Passage Die Erschließung der Eismeerküste und damit des nördlichen Seewegs ist ein alter russischer Traum, der, als er der Verwirklichung nahe schien, begraben wurde: Mit dem Ende der Sowjetunion erlahmte die Kraft des Riesenreiches. Es fehlte an Geld, die Flotte der Atom-Eisbrecher zu betreiben. Die Menschen flüchteten aus den nördlichen Hafenstädten, weil die Regierung ihre Versorgung nicht mehr aufrecht erhalten konnte. Auch die Kriegsmarine musste ihre ehrgeizigen Pläne zur Seite legen. Seitdem aber im Norden neue Erdölfelder entdeckt wurden, lebt der Mythos vom Sieg über Sturm, Eis und Frost wieder auf. Der erste Teil der dreiteiligen Dokumentation „Russlands Küsten - Russlands Sehnsucht“ führt entlang der 9.000 Kilometer langen Küste am Polarmeer. Die weiteren Teile der Reihe „Russlands Küsten - Russlands Sehnsucht“ zeigt 3sat im Anschluss, ab 14.00 Uhr.

Der Nationalpark Kiskunság in Ungarn

13:15 Uhr, MDR (45 Minuten)

Film

Schon vor über tausend Jahren sind die Graurinder, Zackelschafe und Wollschweine vermutlich mit den Ungarn unter Fürst Arpad in die Große Tiefebene gekommen. Heute gibt es die uralten Haustierrassen nur noch zwischen Donau und Theiß. Die zuverlässigen und anspruchslosen Noniuspferde, die sich als Kutschpferde ebenso eignen wie zum Springreiten, in der Dressur oder Reittouristik, gelangten erst später aus Frankreich nach Ungarn. Über Jahrhunderte haben Bauern, Hirten und diese Haustiere in der Kiskunság, wie man die Ebene zwischen den beiden Strömen nennt, eine einzigartige Kulturlandschaft geschaffen.

Die traditionellen Haustierrassen zu erhalten, gehört zu den Aufgaben des 1975 gegründeten Kiskunság-Nationalparks. Er umfasst mehrere unterschiedlich große Schutzgebiete. Rund 76 000 Hektar ist dieser „Mosaik-Nationalpark“ insgesamt groß. Im einstigen Überflutungsgebiet der Donau prägen flache Seen und salzhaltige Steppen die Landschaft - ein Refugium für Großtrappen, die zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Erde zählen. Im April beginnen sie ihre imposanten Balzrituale.

Ein Flugsandgebiet mit Dünen, Restwälder und die Sandsteppe von Bugac schließen sich an. In dieser Puszta-Landschaft weiden Graurinder, suchen Ziesel nach Nahrung. Am Rand der Steppe versorgen Rotfußfalken ihre Jungen. Hauptattraktion für die Besucher des Nationalparks sind die Reiterdarbietungen der Csikos, der tollkühnen Pferdehirten. Im Süden der Tiefebene erstreckt sich ein Lößrücken über die Sümpfe und Moore der Donauniederung. In seine Steilhänge hat der Bienenfresser, ein kleiner farbenprächtiger Vogel, Bruthöhlen gegraben.

Russlands Küsten - Russlands Sehnsucht

14:00 Uhr, 3sat (45 Minuten)

Durch Feuer und Eis

Mit Dietmar Schumann im vergessenen Osten Für das berühmte Institut für Vulkanologie auf der Halbinsel Kamtschatka hat Moskau nur wenige Rubel übrig. Längere Touren zu den Vulkanen sind nicht möglich, deshalb wartet der Vulkanologe Sergej Chabunaja jedes Jahr, wenn der Schnee schmilzt, auf Touristen, Wissenschaftler oder Journalisten aus dem Ausland, die er auf die Vulkane begleiten kann. Ohne Investitionen aus den USA, Japan und Südkorea wäre die tägliche Not der Russen an der Pazifikküste noch größer. Im küstennahen Meeresboden vor der Insel Sachalin beuten multinationale Konzerne die riesigen Erdölvorkommen aus, ohne Rücksicht auf die Tierwelt. Ziel des zweiten Teils der dreiteiligen Reihe „Russlands Küsten - Russlands Sehnsucht“ ist die russische Pazifikküste. Die Reise führt von Kamtschatka über die Insel Sachalin bis auf die Kurilen.

Russlands Küsten - Russlands Sehnsucht

14:45 Uhr, 3sat (45 Minuten)

Die Riviera der Roten Zaren

Mit Anne Gellinek am Schwarzen Meer Für den Aufstieg des russischen Reichs zur Weltmacht war ihre Eroberung ein Meilenstein, heute zeigt sie die Zerrissenheit der nachsowjetischen Unordnung: die Schwarzmeerküste. Jahrhundertelang umkämpft, verkörpert die Küste alles, was Russland nicht ist: Palmen, tropische Vegetation, Freiheit - ein Paradies für Zaren, Sowjetbürger und „neue Russen“. Bis jetzt ist die Nordküste des Schwarzen Meeres ein Objekt nicht endender russischer Sehnsüchte, auch wenn Odessa und die Krim heute Teil der unabhängigen Ukraine sind und das kaukasische Ufer zu Georgien gehört. Der Hafen Sewastopol ist nach wie vor Ankerplatz der Schwarzmeerflotte - nur, dass es nach ihrer Teilung jetzt zwei Flotten gibt: die ukrainische und die russische. Unweit von dort tummeln sich die letzten Kampfdelfine Europas. Nur zwei der Meeressäuger werden noch aktiv trainiert, um feindliche Taucher zu töten oder das Schwarze Meer nach Minen abzusuchen.

Der letzte Teil der dreiteiligen Reihe „Russlands Küsten - Russlands Sehnsucht“ stellt die „Riviera der Roten Zaren“ vor.

Mittwoch, 29. August

Sommer ‘39

11:20 Uhr, arte (90 Minuten)

Dokumentarfilm

Oberflächlich gesehen, war die Welt in weiten Teilen Europas im Sommer 1939 noch in Ordnung. Es war ungewöhnlich warm. Viele Menschen genossen das schöne Wetter und ignorierten Politik und böse Vorhersagen. Doch es war ein Leben am Rande des Abgrunds. Der Dokumentarfilm zeigt den Alltag im Europa dieser Monate: einen Alltag, den es kurze Zeit später nicht mehr geben sollte, und das alles in einem Europa, das in dieser Form aufhören sollte, zu existieren.

Der Sommer 1939 war heiß. An den Stränden Europas herrschte Hochbetrieb. Die Menschen wollten leben und lieben, arbeiten und sich amüsieren. Es war der vorerst letzte Sommer in Friedenszeiten. An seinem Ende stand der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Was war das für ein Sommer? Ein Sommer der Liebe und Sorglosigkeit oder ein Sommer der Angst? Wie lebten die Menschen im krisengeschüttelten Europa in diesen Monaten, als die ersten Vorzeichen des kommenden Schreckens nicht mehr zu übersehen waren? Es kann kein einheitliches Bild von diesem Sommer 1939 geben. So unterschiedlich, wie die politischen Systeme Europas, so unterschiedlich, wie Menschen Ereignisse erleben und einordnen, so unterschiedlich sind auch die Erinnerungen der Menschen an diese Zeit. So erinnert sich der britische Komiker Denis Norden an einen unpolitischen Sommer, in dem er „nichts als Mädchen und Musik im Kopf“ gehabt habe. In Polen hingegen erlebte der spätere Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki einen ganz anderen Sommer.

Mit Hilfe hochkarätiger Zeitzeugen aus ganz Europa zeichnet der Dokumentarfilm ein Stück europäische Zeitgeschichte am Vorabend der Katastrophe nach.

Der Dokumentarfilm zeigt ungewöhnliches Archivmaterial aus dem Alltag von 1939 und rekapituliert den verhängnisvollen Verlauf von Hitlers Kriegspolitik. Für den Film wurden prominente Zeitzeugen aus ganz Europa interviewt, die den Sommer 1939 im Alter zwischen zehn und 29 Jahren erlebt haben. Zu Wort kommen unter anderen die Journalisten Pierre Daix und Traudl Lessing, die Schriftsteller Madeleine Riffaud, Pavel Kohout und der 2011 verstorbene Arzt und dichter Hans Keilson, der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, die Regisseure Andrzej Wajda, und der 2010 verstorbene Mario Monicelli, die im Juni 2012 verstorbene Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich-Nielsen, der TV-Komiker Denis Norden, die Chemikerin Elena Strum und der Politiker und Historiker Wladyslaw Bartoszewski.

Das schwimmende Krankenhaus von Sibirien

05:35 Uhr, 3sat (30 Minuten)

Dokumentation

Russlands Weiten sind vor allem im Sommer, wenn die Straßen im Matsch versinken, unwegsam. Zu den abgelegenen Dörfern entlang des Flusses Ob und seiner Nebenarme gelangen Ärzte dann nur per Schiff. Seit fünf Jahren schickt die Regionalregierung von Khanty-Mansiysk das Krankenhausschiff „Nikolaij Pirogow“ in ihre tiefste Provinz, ausgestattet mit einem OP-Saal, Ultraschall- und Röntgengeräten und Ärzten verschiedener Fachrichtungen. In den kleinsten Dörfern wird ein bis zwei Tage Station gemacht, sehnsüchtig von den Menschen erwartet, denn das schwimmende Krankenhaus kommt nur einmal im Jahr vorbei.

Britta Hilpert ist für ihre Dokumentation „Das schwimmende Krankenhaus von Sibirien“ sechs Tage auf dem Krankenhausschiff unterwegs und berichtet vom Nomadenleben der Ärzte und der Mannschaft.

Donnerstag, 30. August

Bilderbuch - Rund um Stettin

14:15 Uhr, NDR (45 Minuten)

Film

Die Metropole Pommerns hat in ihrer jahrhundertelangen Geschichte alles erlebt, was eine Stadt nur erleben kann: märchenhaften Reichtum und große Not. Die Pest, Belagerungen, Eroberungen und ihre fast völlige Zerstörung. Sie war polnisch, preußisch, schwedisch, deutsch und ist heute wieder polnisch. Seit Polen im Dezember 2007 dem Schengener Abkommen beigetreten ist, hat Stettin auch sein altes Hinterland westlich der Grenze wieder in greifbarer Nähe. Keine Grenzkontrollen, keine bürokratischen oder politischen Hindernisse stehen dem täglichen kleinen Grenzverkehr und dem Zusammenwachsen der Region entgegen.

Viele sehen in Stettin - heute Szczecin - das zukünftige Zentrum der gesamten Gegend. Der Stettiner Hafen war die Quelle des Reichtums. Und er könnte es wieder werden. Nach Danzig ist er der zweitgrößte Seehafen Polens. Der Architekt Grzegorz Ferber will das Stettiner Hafengebiet als hochklassige Wohnlage und attraktiven Standort für Unternehmen neu gestalten. Und gerade für die jungen Stettiner gelten die alten Feindbilder nicht mehr. Bartosz Morylewski übersetzt in seiner Freizeit alte, deutsche Briefe, die vor Jahrhunderten in Stettin geschrieben wurden. Bartosz gehört zu einer Gruppe junger Stettiner, die die preußisch-deutsche Vergangenheit ihrer Stadt erkunden und für die kommenden Generationen lebendig halten wollen.

Britta Hilpert ist für ihre Dokumentation „Das schwimmende Krankenhaus von Sibirien“ sechs Tage auf dem Krankenhausschiff unterwegs und berichtet vom Nomadenleben der Ärzte und der Mannschaft.

Freitag, 31. August

Kirchen, Klöster, Fürstenhöfe: Die Transromanica

12:40 Uhr, 3sat (20 Minuten)

Dokumentation

Vor nahezu 1.000 Jahren, in der Romanik, sind viele der schönsten Sakralbauten Europas entstanden. Die „Europäische Kulturstraße“ Transromanica, ein Projekt, das bis 2006 von der EU gefördert wurde und seit 2007 als Verein fortgeführt wird, will die großen Baudenkmäler der Romanik europaweit kulturtouristisch vernetzen. Acht Länder sind durch diese Initiative bereits zu Partnern geworden. Kärnten ist als einziges österreichisches Bundesland maßgeblich beteiligt. Die Epoche der Romanik hat dort viele Spuren hinterlassen: vom Dom zu Gurk und dem Stift St. Paul bis zu Bauwerken in Friesach, Millstatt und Maria Wörth. Die Schauplätze der slowenischen Partner sind Koper, Sticna und Ptuj, das ehemalige Pettau. Der Film „Kirchen, Klöster, Fürstenhöfe: Die Transromanica“ zeigt die romanischen Zentren in Kärnten und Slowenien sowie ihre Nutzung.

Britta Hilpert ist für ihre Dokumentation „Das schwimmende Krankenhaus von Sibirien“ sechs Tage auf dem Krankenhausschiff unterwegs und berichtet vom Nomadenleben der Ärzte und der Mannschaft.