Beispiele für Partnerschaften

Partnerschaftliches Engagement kann ganz unterschiediche Formen annehmen. Von der langjährigen Gemeindepartnerschaft über Kontakte zwischen Schulen oder auf Verbandsebene - einige Beispiele haben wir hier zusammengestellt.

Gemeindepartnerschaft Ladbergen – Klezna (2012)

Am Ostersonntag 1979 wurde die Pfarrkirche der Gemeinde St. Johannes der Täufer im montenegrinischen Klezna durch ein Erdbeben zerstört. Die St. Christophorus-Gemeinde in Ladbergen im Münsterland unterstützte Renovabis in den 90er Jahren beim Wiederaufbau der Kirche.
Der erste Besuch einer Delegation aus Ladbergen in Klezna zu Pfingsten 1997 markierte den Beginn einer intensiven Partnerschaft im Sinne einer langfristigen Gemeinschaft im Glauben. Entfernungs-, Sprach- und Wohlstandsbarrieren erwiesen sich als überwindbar, vor allem durch gegenseitige Besuche. So waren im Advent 1999 zwei junge Frauen aus Montenegro in Ladberger Familien; im Sommer 2005 kamen 23 Jugendliche aus Klezna zum Weltjugendtag nach Köln. Im Januar 2009 trafen sich Jugendliche aus beiden Partnergemeinden beim Taizétreffen in Brüssel und im Oktober 2010 reisten Jugendliche einer Firmgruppe nach Klezna. Durch die bewusste Einbeziehung von Jugendlichen hat diese Partnerschaft die Chance auf Zukunft und aktive Beteiligung am „Global Player“ Weltkirche. Zu Ostern 2013 werden sich Jugendliche aus Klezna und Ladbergen mit Jugendlichen aus Israel und Palästina im Heiligen Land zu einem Versöhnungscamp treffen.

Partnerschaft KJG-Diözesanverband Limburg – eRko Slowakei (2009)

Was uns verbindet?

Schon am Flughafen in Hahn beim Abholen unserer slowakischen Freunde beginnt die erste Gruppe das Lied von Zenetti/Reulein zu summen: „Ja gib uns den Geist, deinen guten Geist, mach uns zu Brüdern und Schwestern“, zuerst noch ganz leise und schüchtern. Nach einem großen und herzlichen „Ahoj“ und „Hallo“ beim Wiedersehen nach eineinhalb Jahren, holt Jantschi seine Gitarre und Ono seine Trommel raus. Auch wenn nicht alle deutsch sprechen, erinnern sich doch die, die 2005 beim Weltjugendtag dabei waren noch an das Lied mit den „Brüdern und Schwestern“.

So unterhalten wir kurz danach den gesamten Flughafen mit unseren Liedern. Egal ob slowakische, englische oder deutsche Lieder, hier singt jede/r mit, auch wenn einige vorher felsenfest behauptet haben, sie könnten gar nicht singen. Wir ziehen alle Blicke und auch Verwunderung auf uns: Wer sind diese fröhlichen jungen Menschen, die scheinbar unterschiedlicher Herkunft sind und sich getrauen mitten im Flughafen zu singen und zu tanzen?

Sind die unter Drogen? Da muss doch ein Haken sein? Gleich beginnt sicher eine Schlägerei? Aber da können wir nur lächeln: bestimmt nicht! Im Gegenteil, nie gab es ein friedlicheres Zusammensein zwischen zwei Gruppen.
„Ihr macht uns immer so zufrieden und ausgeglichen!“ hat bei der letzten Begegnung 2006 in Zazriva (Slowakei) eine deutsche Teilnehmerin zu unseren Freunden von eRko gesagt. „Selbst Stress und Streit in unserer deutschen Gruppe ist plötzlich unwichtig und gar nicht mehr da!“ Und das scheinen wir auch auszustrahlen, denn nach jeder Begegnung fragen uns die anderen KJG’lerInnen, was passiert ist, wenn unsere Gruppe die ganze Zeit grinsend, summend und voller Selbstvertrauen durch die Gegend läuft. Was passiert da zwischen uns? Zwei Gruppen, die nach außen hin nicht viel miteinander verbindet: Unsere deutschen KJG’lerInnen, fast alle schon mitten im Berufsleben, mit gesichertem Einkommen, spirituell sehr kritisch und abgeklärt, aus der Verbandsarbeit gewohnt erstmal alles zu hinterfragen, durchzudiskutieren und bis ins Kleinste zu organisieren, in einem Schul- und Gesellschaftssystem groß geworden, in dem jede/r lernt auf die eigene Individualität und seine Vorteile zu pochen …

Unsere slowakischen Freunde von eRko, die meisten noch im Studium oder sogar in der Schule, ohne gesichertes Einkommen und finanzielle Rücklagen, in einem Staats- und Schulsystem groß geworden, in dem es nicht angesagt war seine Meinung offen zu äußern, spirituelles Leben lief oftmals im „Untergrund“ ab, religiöse Traditionen werden bewusst gelebt, Familien und Gruppenzusammengehörigkeit sehr hoch gehalten, aus der Verbandsarbeit gewohnt vieles spontan und den Gegebenheiten angepasst zu organisieren, …

Lange gab es Diskussionen in unserem KJG-Diözesanverband, ob die während des WJT 2005 geknüpften Beziehungen für eine Partnerschaft ausreichen. „Wir sind doch viel zu unterschiedlich, gerade auch im Bezug auf Spiritualität!“ „Warum gerade Slowakei? Es gibt doch viel attraktivere Länder, außerdem sprechen wir doch gar kein slowakisch!“ Gegensätze ziehen sich an. Das trifft bestimmt auch bei uns zu. „Wir können ganz viel voneinander lernen!“ meinte eine Teilnehmerin.“ Aber sind es nur die Gegensätze, die uns aneinander faszinieren und dazu geführt haben, dass wir nun seit vier Jahren eine Partnersschaft haben, die von Jahr zu Jahr größere Früchte trägt in unseren Verbänden?

„Das kann man nicht erklären, das muss man einfach miterleben. Irgendwie springt da ein Funke über und es ist plötzlich eine ganz große Herzlichkeit, Offenheit, Begeisterung in unserer Gruppe“, meinte ein Teilnehmer nach unserer letzten Begegnung im April 2008 in Limburg und Würzburg. „Danke guter Gott, dass du uns zu Brüdern und Schwestern machst! Weil wir alle an einen Gott glauben und uns der Geist verbindet!“ so hat bei der letzten Begegnung ein slowakischer Teilnehmer beim Abendimpuls gebetet. „Hört sich ja etwas fromm an“, haben wir Deutschen uns gedacht. „Wir sind doch gar nicht so gläubig, wie die Slowaken.“ Aber letztlich mussten wir alle zugeben, es stimmt. Und deshalb werden wir sicher auch in diesem Jahr bei der geplanten Begegnung im April in Bratislava/Partizanske wieder singen:

Ja gib uns den Geist, deinen guten Geist,
mach uns zu Brüdern und Schwestern.
Die Wunder von damals müssen’s nicht sein,
auch nicht die Formen von gestern,
nur lass uns zusammen Gemeinde sein,
eins so wie Brüder und Schwestern.
(Text: L. Zenetti)

Seit wann gibt es diese Partnerschaft?

Seit den Tagen der Begegnung vor dem Weltjugendtag im August 2005, wo wir die slowakische Gruppe von eRko zu uns einluden. Wir verbrachten damals fünf Tage im Hildegardishof (Jugendbildungshaus des Bistums Limburgs) im Westerwald mit einer Gruppe von 40 slowakischen und 15 deutschen TeilnehmerInnen.

Wodurch kam der Kontakt zustande?

Holger Witting unser KjG-Bundesleiter stellte den Kontakt zu der Slowakischen Gruppe für uns über die internationale Organisation „fimcap“ her, in der beide Gruppen Mitglied sind. Der Name „fimcap“ steht für „Fédération“ Internationale des Mouvements de Jeunesse Catholique d ‘Action Paroissiale „. Dieser „internationale Zusammenschluss von katholischen, auf Pfarreiebene organisierten Jugendbewegungen“ bietet seinen Mitgliedsverbänden vielfältige Möglichkeiten zur interkulturellen Begegnung und politischen Meinungsbildung. Derzeit besteht die fimcap aus 32 Organisationen in 28 Ländern.

Welche Ziele hatten die bisherigen Begegnungen?

  • Einüben von Einfühlungsvermögen, Sozialkompetenzen, eigene Fähígkeiten und Neigungen erkennen und einbringen
  • Verhaltensweisen, geschlechtsspezifische, spirituelle Einstellungen und Vorurteile auf Grund kultureller Herkunft reflektieren
  • Andere kulturelle Denk- und Lebensweisen, sowie spirituelle Hintergründe kennen und verstehen lernen
  • Diskussion über unterschiedliche gesellschaftliche Systeme und Erläuterung und Ausprobieren von demokratischen Strukturen, um die Funktionsweise von Jugendverbandsarbeit zu erläutern
  • Bewusstsein für gesellschaftliche und globale Zusammenhänge schaffen
  • Motivation zur Übernahme von sozialer Verantwortung in globalen und nationalen Gesellschaften
  • Auseinandersetzung mit entwicklungspolitischen Fragen
  • Die Internationalität von Verbandsarbeit, vor allem der Organisation „fimcap“ erfahrbar machen
  • Aufbau einer Partnerschaft

Wie wurden die Ziele erreicht?

Mit Hilfe unterschiedlicher Methoden wie Planspielen, Diskussionsrunden, gemeinsamer Besuch beim Bischof von Limburg, Stadtführung in Frankfurt zum Thema „Arm und Reich“, Besuch von Museen in Deutschland und der Slowakei, Wanderungen in beiden Ländern, Besuch von Verbandsgruppenstunden, Filmworkshop zum Thema „gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und der Slowakei“, gemeinsames Musizieren, Gottesdienste …

Wie es weitergehen kann?

Nach der letzten Begegnung in Deutschland waren sich alle teilnehmenden KJG’lerInnen einig: wir wollen die Partnerschaft aufrecht erhalten und vertiefen. Deshalb wollen wir 2009 wieder in die Slowakei fahren. Kurz darauf folgte auch die Einladung! So werden wir mit einer Delegation von ca. 12 Deutschen (Jugendliche, Junge Erwachsene) in der Woche nach Ostern nach Bratislava und Partisanske reisen. Das Vorbereitungsteam von eRko, aber auch unser KJG-Team ist schon eifrig am Planen. Und so freuen wir uns schon jetzt auf ein Wiedersehen mit unseren „Brüdern und Schwestern“. Möge es noch viele solche Begegnungen in den nächsten Jahren geben.

KJG-Arbeitskreis Begegnung mit eRko, DV Limburg Vorbereitungsteam Begegnung – eRko Slowakei

Bericht über die Partnerschaft KJG Limburg / eRko Slowakei (5 Seiten) (4.1 MB)


„Freundeskreis Elektrėnai“, St. Albert, Freiburg (2009)

„15 Jahre sind vergangen, seit die litauische Pfarrgemeinde St. Marien-Königin-der-Märtyrer in Elektrėnai und die Gemeinde St. Albert in Freiburg auf Vermittlung von Renovabis in Partnerschaft einander verbunden sind. Vieles hat sich in den 15 Jahren seit 1994 verändert.

Zu Beginn stand Litauen noch unter dem Eindruck des Zusammenbruchs der Sowjetunion. Materielle Unterstützung wie beispielsweise Kleidertransporte waren damals hilfreich, auch die finanzielle Unterstützung des neu gegründeten Tageszentrums für Kinder aus sozial benachteiligten Familien war hoch willkommen.

Die positive Energie aus der neu gewonnenen Freiheit führte in Litauen zu einer überall wahrnehmbaren Aufbruchstimmung und zu einem starken wirtschaftlichen Aufschwung. Nun ist Litauen schon seit einigen Jahren in die EU aufgenommen und die Unterschiede in materieller Hinsicht zwischen unseren beiden Ländern werden kleiner – nicht aber das Interesse aneinander.

Weiterentwicklung der Partnerschaft - Austausch zwischen Jugendlichen

  • 2008_Sommer_Partnerschaft_Elektrenai_Jugendchor_Besuch
  • 2008_Sommer_Partnerschaft_Elektrenai_litauischer_Abend
  • 200905_Partnerschaft_ Jugend_Ankunft_in_Elektrenai
  • 200905_Partnerschaft_Preis_GoEast
  • 2009_Partnerschaft_Jugendchor_Elektrenai_in_StAlbert

So hat sich die Partnerschaft auch konzeptionell an die veränderten Verhältnisse angepasst. Nicht mehr die materielle Unterstützung steht im Mittelpunkt, sondern der Austausch und die Begegnung. Ganz besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die Partnerschaft inzwischen in der „nächsten Generation“ angekommen ist: seit 2008 gibt es einen intensiven Austausch zwischen den Jugendlichen beider Gemeinden. Erleichtert wird dieser durch die Weltsprache Englisch, die von der Jugend in beiden Ländern gesprochen wird. Es ist erfreulich zu sehen, dass sich die Jugendlichen „etwas zu sagen haben“ und schnell über den „small talk“ hinaus kommen. Mit der Einbeziehung der Jugend – dies haben auch unsere Partner so geäußert – wurde auf dem schon bestehenden Fundament, eine neue Qualität in der Entwicklung der Partnerschaft erreicht.“


Kontakt

Partnerschaften und Dialog, Freiwilligendienst

Thomas Müller-Boehr,
Renovabis, Domberg 27, 85354 Freising
Tel.: (08161) 5309-46, Fax: (08161) 5309-44
E-Mail: mb@renovabis.de

Sachbearbeitung Partnerschaften

Irmgard Fenderl
Renovabis, Domberg 27,
85354 Freising
Tel.: (08161) 5309-51,
Fax: (08161) 5309-44
E-Mail: fe@renovabis.de