16. Dezember 2011

Weihnachtsbräuche in Mittel- und Osteuropa: Georgien und Bosnien und Herzegowina

In christlichen Ländern auf der ganzen Welt wird alljährlich die Geburt Jesu gefeiert. Die Advents- und Weihnachtsbräuche unterscheiden sich jedoch je nach Region enorm. Wir haben Renovabis-Stipendiatinnen und Stipendiaten gefragt, wie Weihnachten in Mittel- und Osteuropa begangen wird. Marine Peradze aus Georgien und Dragiša Jerkić aus Bosnien und Herzegowina erzählen von den Weihnachtsfeierlichkeiten in ihren Heimatländern.

Georgien

Marine Peradze, KAAD-Renovabis-Stipendiatin

Sawizi, Tschitschilaki und Alilo

In Georgien beginnt das Weihnachtsfest am 7. Januar. Viele orthodoxe Kirchen, dazu gehört auch die Georgische, begehen ihre Feste nach dem Julianischen Kalender. Darum wird Weihanchten dort 13 Tage später als in den Westkirchen gefeiert (entspricht dem 25. Dezember im Gregorianischen Kalender). Das Fest beginnt um Mitternacht mit einer Messe. Für viele Menschen endet damit die sechswöchige orthodoxe Weihnachstfastenzeit. Denn traditionell wird in der Weihnachtsfastenzeit in Georgien auf Fleisch und Milchprodukte verzichtet. Am Weihnachtstag versammelt sich dann die ganze Familie um die „supra“, die reichlich gedeckte Festtafel. Fehlen darf dabei auf keinen Fall „Saziwi“, ein georgisches Fleischgericht mit Walnussoße.

Die Walnuss findet man aber nicht nur im Essen, sie ist auch Teil eines anderen wichtigen Weihnachtsbrauchs: In Georgien werden nämlich keine Tannen oder Fichten als Weihnachtsbäume aufgestellt. Stattdessen findet man sogenannte Tschitschilaki, kleine Bäume aus gehobeltem Walnussholz, zumeinst mit nur wenigen Beeren geschmückt. Am Vorabend des orthodoxen Dreikönigfestes werden traditionellerweise diese Tschitschilaki verbrannt und mit ihnen symbolisch der gesamte Kummer des vergangenen Jahres.

Im ganzen Land lebt außerdem der uralte Weihnachtsbrauch des „Alilo“. Man trifft sich zum zum Alilo auf der Straße, wo Kinder von älteren Menschen beschenkt werden. Ursprünglich ist Alilo der Name eines alten georgischen Weihnachtsliedes. Vor einigen Jahrhunderten entwickelte sich daraus die Tradition, am Heiligen Abend singend von Haus zu Haus zu ziehen und Spenden für Bedürftige zu sammeln. Nach Ende der Sowjetzeit wurde dieser Brauch im Zuge der Rückbesinnung auf die christlichen Wurzeln wiederbelebt und wird heute mit festlichen Umzügen am orthodoxen Weihnachtsfest begangen.

Bosnien und Herzegowina

Dragiša Jerkić, Renovabis-Stipendiat

Der Hl. Nikolaus, die Eiche, und das traditionelle Česnica

Das serbisch-orthodoxe Weihnachtsfest wird auch nach dem julianischen Kalender 13 Tage später als zum Beispiel das römisch-katholische Weihnachten gefeiert. Genauso wie in Georgien ist die Adventszeit eine sechswöchige Fastenzeit, in der auf Fleich und Milchprodukte verzichtet wird. Der Nikolaustag spielt in Serbien im Advent eine sehr große Rolle und wird feierlich begangen, denn jeder serbische Familie hat einen Familienpatron und der Hl. Nikolaus ist einer der häufigsten.

Die orthodoxen Christen in den Balkanländern Serbien, Mazedonien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina kaufen am Heiligen Abend traditionellerweise Äste mit Eichenlaub, die das Feuerholz im Stall von Bethlehem symbolisieren. Die Häuser werden mit Eichenzweigen statt mit einem Weihnachtsbaum dekoriert. Außerdem gibt es einen besonderen kulinarischen Brauch: In der Weihnachtsnacht wird traditionell Česnica, ein spezielles Weihnachtsbrot, hergestellt. Darin ist eine Münze eingebacken. Wer dieses Geldstück beim Brotbrechen erwischt, dem winkt im kommenden Jahr Glück, so die Überlieferung.

Inhalt erstellt: 16. Dezember 2011, zuletzt geändert: 22. Dezember 2011