21. Dezember 2011
Weihnachtsbräuche in der Ukraine
Ein Diduch in Lviv, Ukraine. Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Diduch-Lviv.jpgIn der Ukraine feiern die griechisch-katholische sowie die orthodoxe Kirche das Weihnachtsfest nach dem julianischen Kalender. Der erste Weihnachtsfeiertag fällt also auf den 7. Januar. Aber nicht nur der Tag des Festes ist ein anderer als in Deutschland, auch die Weihnachtsbräuche variieren. Die Renovabis-Stipendiatin Schwester Jelena Herasym hat für uns zusammengefasst, wie Weihnachten in der Ukraine gefeiert wird.
Ukraine
Sr. Jelena Herasym, Renovabis-Stipendiatin
In der Ukraine gibt es traditionell keine Adventszeit im eigentlichen Sinn. Vielmehr werden die sechs Wochen vor Heilig Abend „Weihnachtliche Fastenzeit“ genannt. Besondere Bräuche oder Traditionen wie wir sie in Deutschland kennen, z.B. das Anzünden der Adventskerzen oder das tägliche Öffnen eines Adventskalendes, werden in der Ukraine nicht gepflegt.
Kutia, Süßspeise aus Weizen, Honig, Mohn, Rosinen und Nüssen. Quelle: http://pl.wikipedia.org/w/index.php?title=Plik:Koljivo_from_wheat.jpg&filetimestamp=20060106185248Die eigentliche Feier der Geburt Jesu Christi beginnt erst am Vorabend des Weihnachtsfestes, also am 6. Januar, denn Weihnachten wird in der Ukraine nach dem julianischen Kalender gefeiert. Mit diesem Tag halten auch die ukrainischen Weihnachtsbräuche Einzug: An Heilig Abend, dem letzten Fastentag, werden 12 Fastenspeisen aufgetischt. Die Zahl soll an die 12 Apostel erinnern. Tatsächlich ist dafür jedoch ein sehr alter vorchristlicher Brauch Vorbild, laut dessen die zwölf Speisen die Monate des Jahres symbolisieren. Auf keinen Fall fehlen darf dabei Kutia, eine Süßspeise aus Weizen, Honig, Mohn, Rosinen und Nüssen. Außerdem werden sehr oft Varenyky gekocht, Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen. In Familien mit jungen unverheirateten Frauen und Männern versteckt man gerne eine Nuss in einer Teigtasche. Der glückliche Finder wird - so heißt es - im kommenden Jahr Hochzeit feiern.
Varenyky, ukrainische Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen. Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Varenyky_%281%29.jpgAber nicht nur traditionelle Speisen kennzeichnen eine typische ukrainische Weihnachtsfeier, auch auf die weihnachtliche Dekoration kommt es an. Dem Tisch, auf dem die Familie das Weihnachtessen einnimmt, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Unter die Tischdecke wir nämlich Heu gelegt, um an den Stall in dem Jesus Christi geboren wurde, zu erinnern.
Ein weiterer wichtiger Brauch ist das Aufstellen eines „Diduch“. Darunter versteht man ein Bündel Getreide, das zu einer Art „Baum“ gebunden wird. Symbolisch will man sich damit für eine gute Ernte bedanken. Oftmals stellen die Familien ihren Diduch direkt neben eine Ikone. In einigen Städten, z.B. in Lviv, pflegt man, einen Diduch öffentlich im Zentrum aufzustellen und mit bunten Bändern zu schmücken (s. Foto oben).
Der wichtigste Weihnachtsbrauch ist jedoch „Koliaduwaty“, das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern. Anders als in Deutschland werden weihnachtliche Lieder aber nicht nur mit den Angehörigen gesungen, sondern überall: Ganze Gruppen treffen sich auf den Straßen und ziehen gemeinsam von Haus zu Haus, um mit ihren Liedern symbolisch die Nachricht über die Geburt Christi zu verkünden. In die Weihnachtsfeierlichkeiten ist in der Ukraine also nicht nur der engste Familienkreis eingebunden: Das Fest der Geburt Christi wird gemeinsam, zum Beispiel im Verbund der Dorfgemeinschaft oder mit den Nachbarn im Hochhaus - begangen.
Infos zur Ukraine
- Länderinfo Ukraine
- Artikel: Bohdan Prots: Europas unbekannte Urwälder in Transkarpatien (Zeitschrift OWEP 2010)
- Projekt: Qualifizierung von Ehrenamtlichen für die Beratung von Suchtkranken und Menschen mit HIV/Aids (2008)
- Projekt zum Anhören: Suppenküchen in der Ukraine und in Weißrussland (2009)
- 7 Fragen an Dr. Dzvinka Chaykivska, gr.-kath. Caritas der Ukraine
Jahresbericht 2011 erschienen: Informieren Sie sich über die Arbeit von Renovabis im aktuellen Jahresbericht.
Aktuelles Spendenprojekt
Salesianerpater Witold Szulczynski SDB, Direktor der Caritas Georgia, hört zu und spendet Trost.Renovabis fördert den Betrieb von Suppenküchen in Georgien und sichert somit die Versorgung von alten und bedürftigen Menschen. Das Projekt können Sie mit Ihrer Spende unterstützen. Suppenküchen für notleidende Menschen in Georgien
Aktuelles
Die Beiträge in „Aktuelles“ sind nach Themen sortiert. Je größer ein Wort ist, umso mehr Beiträge finden sie zu diesem Thema.






@renovabis schreibt:
Alle Fotos anzeigen