31. Juli 2012
Filmtipp: Die Gejagten - Ferien von der Blutrache
Blutrache als Sühne für Ehrverletzungen - das alte Gewohnheitsrecht aus den Bergen Nordalbaniens findet auch heute noch Anwendung. Sr. Christina Färber, Projektpartnerin von Renovabis, setzt sich seit Jahren gegen Blutrache ein und unterstützt Jugendliche, die Angst um ihr Leben haben müssen. Diese Jugendlichen, die sonst nicht das Haus verlassen, haben es mit Sr. Christina im März 2012 gewagt, nach Deutschland zu reisen und Gleichaltrigen von ihrem Alltag zu erzählen. Der Regisseur Marc Wiese hat die Reise, die Renovabis finanziell unterstützt hat, begleitet und einen Film darüber gedreht: „Die Gejagten - Ferien von der Blutrache“.
Aus Angst ins Haus gesperrt
Christian, Elsa und die anderen sind nur auf den ersten Blick ganz normale Teenager. Sie verbindet ein schreckliches Schicksal. Zuhause in Albanien sind sie dem archaischen Ritual der Blutrache verfallen. Sie büßen für Verbrechen, die sie selbst nicht begangen haben und die oft schon viele Jahre zurückliegen. Eine schlimme Verfehlung eines Verwandten - ein Mord, eine
Ehrverletzung - hat auch ihr Leben zerstört. Außerhalb ihrer Wohnung sind sie Gejagte und müssen befürchten, vom „Rächer“ der verfeindeten Familie getötet zu werden. So wie Christian. Vor 16 Jahren mordeten sein Vater und sein Onkel und raubten ihm an diesem Tag die Freiheit.
„Wenn ich zu Hause auf die Straße gehe, bin ich tot. Dann erschießen die Rächer mich“, sagt der schlaksige Teenager.
Das Ritual der Blutrache bestimmt das Leben der Menschen in Nordalbanien. Tausende können ihre Häuser aus Angst nicht mehr verlassen. Ihnen droht der Tod, sobald sie über die Türschwelle treten. Schwester Christina Färber, eine deutsche Ordensfrau, stemmt sich gegen das albanische Gewohnheitsrecht Kanun - den jahrhundertealten Kodex von Ehre und Rache. Sie versucht das fast Unmögliche: Verfeindete Familien sollen auf ihre Rache verzichten und sich versöhnen. Nur selten hat sie Erfolg. „Ich habe schon so viele Menschen mit einer Kugel im Kopf auf dem Boden liegen sehen“, sagt sie. Im Frühjahr 2012 reist eine Gruppe albanischer Jugendlicher gemeinsam mit Schwester Kristina durch Deutschland. Für Silvana, Christian, Elsa und Artit sind es die ersten Tage in Freiheit seit vielen Jahren - Ferien von der Blutrache. Zwei Wochen lang wollen sie den Menschen hier von ihrem Leben erzählen. Es sind unglaubliche Geschichten archaischer Gewalt.
Der Autor Marc Wiese hat bereits 2007 mit den Jugendlichen und mit Schwester Christina in Albanien gedreht. Dabei entstand für die ARD der preisgekrönten Dokumentarfilm „Kanun“ (90 Min.). Sein neuester Film startet wiederum in Albanien und beschreibt ausführlich die grausame Zwangslage der von der Blutrache betroffenen Familien. Er begleitet die Reisevorbereitungen, die Zweifel und Ängste der Jugendlichen und wagt mit ihnen das „Coming Out“ im wahrsten Wortsinn nach Jahren der Isolation. Ein bewegender Film über junge Menschen, deren Familien nach den archaischen Gesetzen von Ehre und Rache leben und töten - mitten in Europa.
Die Gejagten - Ferien von der Blutrache
Mittwoch, 1. August 2012, 23:30 Uhr (45 Minuten) ARD
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- deutsch: Renovabis stellt sich vor (07/2012)

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- по-русски: Информация о Renovabis (Реновабис) на русском языке (2009)











