26. Juli 2012

Jugendliche aus Wunstorf berichten aus Bosnien - Teil 2

Unterwegs in Bosnien - Teil 2: Seit dem vergangenen Freitag ist eine Gruppe Jugendlicher aus Wunstorf im Rahmen des „GoEast“-Programms im Bistum Banja Luka zu Gast und berichtet für Renovabis direkt aus Bosnien. Bei ihrer Reise stehen nicht nur Besichtigungen auf dem Programm - die Jugendlichen packen auch selbst mit an.

Die Partnerschaft zwischen der St. Bonifatius Gemeinde in Wunstorf und der Pfarrei St.Peter und Paul in Simici hat bereits eine lange Geschichte. Lesen Sie mehr zu den Hintergründen der Partnerschaft und den ersten Teil des Reiseberichts.

Eindrücke und Bilder der Teilnehmer

Dienstag, 24.07.

Es war der zweite Tag, an dem wir auf der Schafsfarm arbeiten wollten. Nach 80 Minuten beschwerlicher Fahrt, auf der wir ziemlich durchgeschüttelt wurden, kamen wir auf der Farm an. Wir wurden wieder herzlich begrüßt. Vor der Arbeit schauten wir uns das Wohnhaus an, das während des Krieges, nachdem die Familie geflohen war, völlig ausgeraubt wurde. Selbst die Fliesen im Bad wurden abgetrennt, die Elektroleitungen aus den Wänden gerissen und die Fenster herausgebrochen. Dann ging es direkt in den Wald, um das Holz, das wir am Tag zuvor aufgestapelt hatten, auf den Anhänger eines alten Treckers zu verladen. Vor dem Haus wurde es dann abgeladen (siehe Bild).

Die Schafe und Ziegen leisteten uns bei der Arbeit Gesellschaft. Für eine unerwartete Pause sorgte der Regen. Es wurde aber weiter gearbeitet, bis alles vor dem Haus angekommen war. Über die Wiesen und Felder ging es für alle zurück zum Haus. Wie am Vortag wurden wir von der Frau des Hauses bewirtet. Alle lobten besonders das Kartoffelpüree und die gefüllten Paprika. Beim Abschied wurden wir alle eingeladen, im kommenden Jahr wieder zu kommen. „Dann aber für drei oder besser vier Wochen“, rief uns die Frau noch zu. Nach einer Pause in Banja Luka erlebten wir die Stadt mit ganz anderen Augen!

Mittwoch,25.07.

Am Mittwoch bestand unsere Aufgabe darin, vormittags in der Suppenküche zu helfen. Eine Einrichtung für bedürftige Familien, die von einem Pfarrer einer Pfarrgemeinde seit vielen Jahren betrieben wird. „Wie es hier in Bosnien so üblich ist“, machen die Männer einfach keine Küchenarbeit. Somit wurden die Jungen aus unserer Gruppe zum Säubern der Küchenlampen eingeteilt. Die Mädchen mussten die Schränke und den Treppenaufgang reinigen (siehe Bild).

Doch keiner von uns durfte bei der Zubereitung des Essens unmittelbar helfen. Wir wissen nicht warum. Am Ende haben alle noch geholfen, die Portionsträger zu befüllen und ins Auto zu verladen, damit sie ein Student in die Wohnungen zu den bedürftigen Personen fahren konnte (siehe Bild).

Rund drei Stunden war einer von uns mit unterwegs, um die Verteilung der Speisen mitzuerleben. In Banja Luka selbst und im weiteren Umkreis wurden die 50 Mahlzeiten auf diesem Wege verteilt. Oftmals auch in Häusern, in denen man es nicht vermutet hätte. Teilweise hatte der Student sogar die Haus- oder Wohnungsschlüssel bei sich, um das Essen abgegeben zu können. Es waren Ehepaare mit einem Hof, Alleinstehende mit Kindern und – was sich hinterher herausstellte, auch zwei Familien darunter, für dir wir als Firmbewerber ein Jahr zuvor Aktionen durchgeführt haben, um mit dem Erlös die Speisung zu finanzieren. Oftmals waren weite Anfahrten zum nächsten Haus die Bedingung. Es waren Wohnungen in Häusern modernerer Wohnviertel sowie in ärmeren.

Nach seiner Rückkehr hieß unser gemeinsames Ziel Radio Maria in Banja Luka. Nach klaren Informationen über die Ziele und den Zweck des Senders im Bistum Banja Luka, wurden wir „spontan“ zu einer Live-Sendung eingeladen. Mehrere von uns, gemeinsam mit Winfried Gburek, unserem Leiter, nahmen im Sendestudio Platz. Die gestellten Fragen zu dem Grund unserer Reise in das Land Bosnien-Herzegowina wurden zunächst ins Deutsche übersetzt und dann von uns beantwortet. Die halbstündige Sendung war geschafft (siehe Bild). Der Moderator und der Techniker waren begeistert über unsere Beiträge – und wir auch.

Dann ging es unter Anleitung von Jugendlichen aus Banja Luka weiter in die Innenstadt, zum historischen und theologischen „Bummel“ durch die Stadt (siehe Bild). Dabei erörterten wir Fragen so ganz aus dem Leben, wie: Heiratet man hier auch in Weiß? Besonders beeindruckt waren wir vom Bau und vom Leben in der „Schule für Europa“ in Banja Luka, die von der Katholischen Kirche getragen und geleitet wird. Auch hier wurden wir wieder einmal besonders herzlich aufgenommen (siehe Bild).

Der Tag fand einen besonderen Abschluss in der doppelten Begegnung mit Jugendlichen aus Banja Luka und dem Diözesanbischof Dr. Franjo Komarica und weiteren Gästen.

Neben dem gemeinsamen Essen und Singen stand die Unterhaltung im Vordergrund. Bischof Komarica brachte hierbei seinen besonderen Dank uns gegenüber zum Ausdruck, dass wir den „Mut aufgebracht haben, sich dem Land zu widmen, von dem zu wenig Kenntnis nehmen“. Ein wiederum durchweg aufschlussreicher und interessanter Tag fand seinen Abschluss mit den besten Segenswünschen des Oberhirten aus Banja Luka, für die folgenden Tage, auf die wir uns schon freuen.

Lesen Sie auch:

Die Hintergründe der langjährigen Partnerschaft und der erste Teil des Reiseberichts