24. August 2012
Unierte Christen in Weißrussland - eine selbstbewusste Minderheit
Renovabis unterstützt mit den griech.-kath. Gläubigen in Weißrussland eine relativ kleine religiöse Gruppe, die sich mit ihrer Arbeit punktuell aber dennoch spürbar für die weißrussische Gesellschaft einsetzt. Kürzlich besuchte uns Archimandrit Sergius, der Apostolische Visitator der Weißrussischen griech.-kath. Kirche. Als langjähriger Projektpartner berichtete er über Probleme und Chancen der Minderheit, sich gesellschaftlich zu engagieren.
„Wir übernehmen auch als Minderheit gesellschaftliche Verantwortung“
Gut vier Fünftel der Christen in Weißrussland gehören offiziell dem Weißrussischen Exarchat der russisch-orthodoxen Kirche an, die übrigen 18 Prozent setzen sich aus Katholiken, Protestanten, Muslimen und Juden zusammen. Mit nur 20.000 Gläubigen sind die griechisch-katholischen Christen eine sehr kleine Minderheit im Land und völlig auf Unterstützung von außen angewiesen. Von den anderen Konfessionen werden sie oft nur eingeschränkt akzeptiert. Zwar hat der Staat die Weißrussische griechisch-katholische Kirche anerkannt, aber eine für Gemeindeaktivitäten notwendige Registrierung haben nur einzelne Gemeinden.
Dabei sieht Archimandrit Sergius die Gläubigen, die zerstreut im ganzen Land leben, schon lange in der weißrussischen Gesellschaft angekommen. Als historisch gewachsene Kirche auf dem Gebiet des heutigen Weißrussland und der Ukraine, entstanden durch die Kirchenunion von Brest im Jahr 1596, hat sie geistliche und kulturelle Schätze angesammelt und zudem die katholische Kirche um die byzantinische Liturgie bereichert. Ihr Oberhaupt ist seit dieser Zeit der Papst in Rom und nicht mehr der Patriarch von Konstantinopel. Dies machte die Beziehungen zur orthodoxen Kirche nicht gerade einfach. Nach der Okkupation Weißrusslands und der Ukraine durch das Russische Imperium (ab 1772) war die Unierte Kirche auch politisch vielen Schwierigkeiten ausgesetzt, 1839 wurde sie verboten. Nach dem Ersten Weltkrieg begann sie erneut mit dem öffentlichen Gemeindeleben. Ab 1944 – abermals verboten – wurde die geistliche Tradition im Untergrund weitergeführt, bis in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder ein öffentliches Bekenntnis möglich wurde.
Doch die griechisch-katholischen Gläubigen fühlen sich in Weißrussland nicht nur zu Hause, sondern gleichsam mitverantwortlich für die Gestaltung der neuen, postkommunistischen Gesellschaft. Für den Archimandrit bedeutet das zunächst „Erinnerung“ im Sinne von Rückbesinnung auf den christlichen karitativen Auftrag in der Sorge um Kranke und Alte, um Bildung und Zusammenhalt. Dazu gehört für ihn auch die Förderung der weißrussischen Sprache und Kultur. „Die Gläubigen nehmen wahr, dass Russisch und Polnisch eher Verwaltungssprachen sind. Darüber hinaus ist das Russische für viele immer noch untrennbar mit der kommunistischen Lebenswelt verbunden“, so der Apostolische Visitator. „Das Weißrussische dagegen bringt sie mit ihrer Geschichte und Kultur in Berührung.“ Weißrussisch zu pflegen und aus der Vernachlässigung zu holen, darin sieht der Archimandrit eine Chance für die Bevölkerung im Land.
Kulturelle Evangelisierung
Der sorgsame Umgang mit Geschichte und Sprache ist ein Aspekt dessen, was er als kulturelle Evangelisierung bezeichnet: Menschenfreundliche, angstfreie und unverkrampfte Räume zu schaffen, in denen ein achtsamer Umgang mit den Mitmenschen vorgelebt wird. Dies erfordert auch Umdenken im Hinblick auf den Kommunismus, als behinderte, kranke und alte Menschen vielfach an den Rand gedrängt, versteckt oder in Heime abgeschoben wurden.
Christen leben Integration vor
Seit einiger Zeit gibt es in der Pfarrei Witebsk einen Klub für behinderte Menschen, wo sich etwa 12 Menschen mit Behinderungen zwei Mal pro Woche treffen. Dort können sie für drei Stunden aus ihrem oft tristen und manchmal durch Ablehnung und Ignoranz gekennzeichneten Alltag entfliehen. In der Umgebung der Pfarrei finden auch katechetische und handwerkliche Kurse statt. Zusammen mit Freiwilligen werden Ausflüge organisiert. Darüber hinaus wollen die Gläubigen mit Aktionen auf Menschen mit Behinderung, auf ihre Wünsche und Probleme aufmerksam machen und Integration vorleben. Mittlerweile hat sich auch die Minsker Pfarrei dieses Angebot zu Eigen gemacht.
Für die soziale und pastorale Arbeit steht Renovabis dem Archimandrit finanziell zur Seite. Damit die begonnenen Ansätze langfristig und aus eigener Kraft weitergeführt werden können, unterstützt Renovabis auch die Ausbildung und Begleitung von Freiwilligen, die sich in den Pfarreien sozial und seelsorgerlich engagieren.
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Artikel, Neuigkeiten und Reportagen
| Beitragsdatum | Titel | Verweis |
|---|---|---|
| 24.08.2012 | Unierte Christen in Weißrussland - eine selbstbewusste Minderheit | Lesen » |
| 19.04.2012 | Besuch aus Weißrussland | Lesen » |
| 21.07.2011 | Kazimierz Kardinal Świątek verstorben | Lesen » |
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Kurzinfo Renovabis
- deutsch: Renovabis stellt sich vor (07/2012)

- english: Renovabis at a glance (07/2012)

- по-русски: Информация о Renovabis (Реновабис) на русском языке (2009)












