11. Oktober 2012

Kurzbesuch auf dem Domberg

„Ich denke, dass es nicht übertrieben ist, zu sagen, dass alle Katholiken in Russland Renovabis kennen. Sie kennen nicht immer den Namen der Organisation, aber mit der Arbeit, die Sie machen, sind sie gut vertraut“, sagte Oxana Lebedeva, Caritas-Direktorin der Diözese St. Clemens in Saratow im Süden Russlands.

In dieser Woche erhielt Renovabis Besuch aus Russland – eine Gruppe von Caritasverantwortlichen schaute kurz auf dem Freisinger Domberg vorbei. Ende September kamen sie für etwa zwei Wochen nach Deutschland, um die Arbeit verschiedener sozialer Einrichtungen kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen.

Dabei war ihnen auch die Begegnung mit befreundeten Partnern und Förderern wichtig, zu denen Renovabis gehört. Die Gäste nutzten die Gelegenheit, die Geschäftsstelle des Osteuropa-Hilfswerks kennenzulernen und stellten viele Fragen über die Projektförderung. Oxana Lebedeva, Caritasdirektorin der Diözese St. Clemens in Südrussland, hofft, dass die gute Zusammenarbeit mit Renovabis noch lange andauert, denn

„die Caritas in Russland ist eine katholische Organisation, die professionelle Sozialarbeit anbietet. Es ist jedoch wichtig, dass diese Sozialarbeit auch den katholischen Gemeinden bei ihrer Entwicklung zugute kommt.“

Partnerprinzip und Hilfe für alle

Einige Gäste fragten, ob es bestimmte Prioritäten in der Projektförderung gibt, ob die russische Caritas auch offen gegenüber muslimischen Migranten aus Mittelasien sein soll, und wie wir in Deutschland Spenden sammeln. Renovabis-Geschäftsführer Burkhard Haneke und der Abteilungsleiter der Projektabteilung, Martin Lenz, machten deutlich, dass nicht Renovabis die Prioritäten festlege, sondern die Projektpartner selbst sagten, was ihnen wichtig ist und was sie für ihre Arbeit brauchen. Nach dem „Partnerprinzip“ betone Renovabis die Eigenverantwortung des Partners für sein Projekt. Renovabis mache auch nicht eine bestimmte Konfession zur Bedingung der Hilfe: Alle Menschen in Mittel- und Osteuropa, die Hilfe benötigen, sollen sie bekommen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. In Deutschland seien es vor allem Katholiken, die Renovabis mit ihren Spenden unterstützen. Auf die postalischen Spendenaufrufe reagierten meist ältere Spender. Jüngere Menschen würden eher durch Beilagen in Zeitungen, durch das Internet und soziale Medien erreicht.

Unsichtbare Armut in Mittel- und Osteuropa

Als besondere Herausforderung für die Öffentlichkeitsarbeit stellte Haneke die unsichtbare Armut in Mittel- und Osteuropa heraus. Durch die EU-Zugehörigkeit mancher Länder oder durch Reisen in osteuropäische Metropolen wie zur Fußball-Europameisterschaft oder in Urlaubsländer wie Kroatien könnten sich viele Deutsche nicht vorstellen, wie groß das soziale Gefälle und die Armut im östlichen Europa tatsächlich noch sind.