Barroso: Kirche soll Gesellschaften an deren Verantwortung für regionalen Ausbau erinnern

Dienstag, 23. August 2011

Zum 15. Internationalen Kongress Renovabis

FREISING. „Ländliche Räume im Umbruch“ fokussiert der 15. Internationale Kongress Renovabis vom 1. bis zum 3. September 2011 in Freising bei München: Mehr als 320 Fachleute und am Thema Interessierte aus bislang 29 Ländern aus allen Teilen Europas wollen die Herausforderungen für den Osten des Kontinents erörtern. Dabei stehen strukturelle Veränderungen in ländlichen Räumen Mittel- und Osteuropas und deren Auswirkungen auf die Lebens- und Glaubenswelt der Menschen im Fokus. Strukturförderung kommt in erster Linie den Metropolen zugute, nicht der „Provinz“. Dies hat nicht nur für die Natur, sondern auch für die Kultur gravierende Folgen. Weltweit befinden sich die ländlichen Regionen im Umbruch, und in der Regel werden sie im Vergleich zu den städtischen Zentren benachteiligt; auch in Mittel-, Ost- und Südosteuropa gibt es viele Beispiele dafür, wie der ländliche Raum vernachlässigt worden ist, sich entvölkert hat und jahrhundertealte Traditionen gefährdet oder bereits untergegangen sind. Auch die Kirche muss in der Seelsorge neue Wege be-schreiten, um die Menschen zu erreichen, und diese Wege können oft weit und mühselig sein, aber der Einsatz lohnt sich, sagen die Seelsorger vor Ort.

In der Eröffnungs-Pressekonferenz zu diesem dreitägigen Kongress stehen den Medienvertretern Bischof Jerzy Mazur von Elk in Polen (zuvor Irkutsk/ostsibirisches Russland), der polnische Abgeordnete im Europaparlament Dr. Filip Kaczmarek, Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, und der Bischof von Magdeburg, Dr. Gerhard Feige, der auch Aktionsausschussvorsitzender der veranstaltenden Osteuropa-Solidaritätsaktion Renovabis ist, sowie deren Hauptgeschäftsführer Pater Stefan Dartmann SJ zur Verfügung.

Internationale Schlaglichter, Referate und Podien beschreiben und diskutieren beim Renovabis-Kongress die Situation. In Arbeitskreisen werden die Fakten und Folgen des Strukturwandels in der Ukraine erörtert, wird darüber diskutiert, inwiefern sich verändernde Strukturen auf die kulturelle Identität des Menschen auswirken, und wird am Beispiel Bulgarien belegt, dass Strukturwandel im ländlichen Raum sowohl Verödung wie auch Neubelebung umfasst. Pastorale Antworten auf strukturelle Veränderungen in West und Ost ermöglicht der ver-gleichende Blick nach England, Frankreich und Russland. Wie sich familiäre Krisensituationen im ländlichen Raum ergeben und was sie für die Betroffenen bedeuten wird schließlich am Beispielland Rumänien betrachtet und mit Caritas-Mitarbeitern von dort und vor Ort eingesetzten deutschen Freiwilligen-Dienstlern besprochen.


Kurienkardinal Koch

Kurt Kardinal Koch, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, hat für den Heiligen Stuhl Grüße aus Rom übermittelt. Er bedauert den Verlust der angestammten Heimat „von Millionen von Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben“. Andererseits werde der persönliche Kontakt zwischen den Gläubigen unterschiedlicher orthodoxer, katholischer und protestantischer Gemeinden nun konkret: Der ersehnte interkonfessionelle Dialog könne spiritueller Not womöglich abhelfen.

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Kardinal Marx

Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, betont in seiner Grußbotschaft zum Kongress im eigenen landschaftlich so reizvollen Erzbistum die Fortsetzung des Renovabis-Jahresthemas der Menschen anvertrauten Schöpfung und geht auf die verträgliche landwirtschaftliche Nutzung ein: Deren Anspruch sei höher geworden, „insbesondere unter dem umfassenden Kriterium der Nachhaltigkeit. Zugleich nimmt die Bedeutung im Rahmen des Ausbaus der Bioenergie zu.“ Auch sei der ländliche Raum häufig eine Art Vorratsfläche für Verkehrs- und Energieinfrastruktur und Industriestandort und damit oft auf ein Ballungszentrum oder eine größere Stadt hingeordnet. Der Erzbischof zitiert massive Abwanderungsbewegungen aus vielerlei Gründen aus dem ländlichen Raum. Die Herausforderungen, die aus dem komplexen Wandel des ländlichen Raumes entstünden, seien hoch. „Renovabis widmet sich“, so Kardinal Marx, „intensiv seinem Auftrag, mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa solidarisch zu sein und auf deren Situation aufmerksam zu machen.“ Solidarität erweise sich etwa auch dadurch, wenn benachteiligten Menschen Perspektiven für eine positive Entwicklung nicht nur aufgezeigt, sondern durch die Förderung ihrer eigenen Projekte immer wieder auch greifbar würden.

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Bischof Pickel

Der Ordinanrius der südrussischen Diözese Sankt Clemens in Saratow an der Wolga, der aus Deutschland stammende Bischof Clemens Pickel, kommt indes mit dem Kongresstitel nicht klar: „Ländliche Räume im Umbruch“ klingt ihm zu sehr nach positivem „Aufbruch“, während sein Alltag ihm eher „Zusammenbruch“ vermittle – „in endlosen Räumen“. Die durch Renovabis unterstützte Seelsorge und Sozialarbeit hätten „gleichzeitig eine zu große und zu kleine Aufgabe“ zu stemmen: „zu groß, weil Hilfswerke dem Staat nicht seine Daseinsfürsorge um die Bürger abnehmen dürfen“, so der Bischof. Und der kümmere sich „weniger als wenig“ darum. „Zu klein“ sei indes das Wirken der Hilfswerke in Russland wegen des Einzelfall-Charakters der Projekte. Einzelfällen zu begegnen und hier Abhilfe zu schaffen, bewirke – wenn nicht doch durch das gute Beispiel – selten strukturelle Verbesserung.

Bischof Pickel: 744 Zeichen


Bischof Schindehütte

Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unterstreicht Auslandsbischof Martin Schindehütte die Bedeutung des Themas: Die Kirchen seien in der Lage, gerade im ländlichen Raum die Menschen vor Ort zu sehen. Schindehütte: „Sie bemerken, welche Ideen in ihnen stecken, und sie sehen deren Notwendigkeit für neue Entwicklungen.“ Sie ermöglichten einen tiefer reichenden Blick und stellten sich den theologischen Fragen, die das Menschsein in seinem Innersten berühren. „Die Kirchen können integrierend wirken, auch Milieus übergreifen und zwischen Tradiertem und Neuem vermitteln, weil sie den Menschen und die Herausforderungen des menschlichen Zusammenlebens nicht nur organisatorisch, sondern auch seelsorgerlich erfassen können“, so Bischof Schindehütte, Leiter der Hauptabteilung für Ökumene und Auslandsarbeit im Kirchenamt der EKD. Mit dieser Thematik setze sich die EKD derzeit für Deutschland auseinander und schätze die für Europa angestoßene Diskussion durch Renovabis.

Bischof Schindehütte: 854 Zeichen


Metropolit Augoustinos

Metropolit Augoustinos, der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, berichtet mit Blick auf seine griechischen Landsleute von einer „hervorragend geglückten Integration der ehe-mals sich perspektivlos wähnenden Gemüsebauern, Tabakpflückerinnen und Viehzüchter, die in den 60-er Jahren den bundesdeutschen Aufschwung am Fließband mitgestaltet haben.“ „Mitgestaltet“, und dies erwähne er „nicht ohne Stolz“, habe die Griechisch-Orthodoxe Metropolie auch das Sich-Bewähren auf fremdem Terrain in dieser zunächst „fremden Welt“. Denn immer sei Kirche von solchen Prozessen betroffen; und: Die Beziehung zu ihr wandele sich.

Metropolit Augoustinos: 563 Zeichen


José Manuel Barroso

José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, will den Menschen im ländlichen Raum – wie er Renovabis anlässlich des Kongresses schrieb – „eine verlässliche Perspektive für die Zukunft sichern“. Dies sei keine ausschließlich landwirtschaftliche, sondern vielmehr eine soziale Frage. „Weil uns schließlich die ländlichen Gebiete Europas viel zu geben haben, müssen wir etwas dafür tun“, schreibt Barroso. „Sie versorgen uns mit Rohstoffen und sind Orte der Ruhe und Erholung - wenn wir sie erhalten.“ Als „Grüne Lungen“ unterstützten ländliche Gebiete den „Kampf gegen den Klimawandel“. „Die traditionelle Verteilung der Rollen zwischen Stadt und Land gilt nicht mehr überall“, schreibt der Präsident der EU-Kommission. Weil ländliche und urbane Gebiete sich auf der Karte abwechselten, seien sie voneinander abhängig und müssten viel enger als früher zusammenarbeiten, um ihre nachhaltige Entwicklung zu sichern. Die Herausforderungen in Mittel- und Osteuropa würden neben politisch strategischen Gedanken „von einer Politik der Verantwortung“ geleitet. Barroso: „Der Kirche kommt daher die herausragende Bedeutung zu, die Gesellschaften an diese Politik der Verantwortung zu erinnern“.

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Dr. Angela Merkel

Die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Angela Merkel, stellt aus Anlass des Kongresses den Einsatz der Kirchen, insbesondere durch das ehrenamtliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger heraus. Angesichts starker und unterschiedlicher Veränderungen der Lebensbedingungen in den ländlichen Räumen Mittel- und Osteuropas schrieb sie in ihrem Grußwort: „Dieser Wandel und seine Folgen verlangen nach einer nachhaltigen Gestaltung, bei der alle gesellschaftlichen Kräfte gefragt sind; und die Kirchen leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den sozialen Zusammenhalt. Merkel lobt: „Die Arbeit von Renovabis ist dabei ein vorbildliches Beispiel gelebter Verantwortung über Grenzen von Staaten und Kulturen hinweg.“

Merkel: 633 Zeichen


Horst Seehofer

Einer der Schlüssel für die Lösung der grundsätzlichen Probleme des ländlichen Raumes liegt für den Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, Horst Seehofer, in der Wahrnehmung von Metropolregionen und Provinz als gleichberechtigten Partnern. Das hat er in seine Kongress-Grüße an alle Teilnehmer des 15. Internationalen Kongresses Renovabis hinein geschrieben. „Der ländliche Raum hat nur dort Zukunftschancen, wo seine Entwicklung durch die gemeinsame Initiative aller Kräfte vor Ort verantwortungsbewusst und engagiert gefördert wird.“ Die Stärkung der demokratischen Mitwirkungsrechte sei die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung der ländlichen Regionen in ganz Europa, so Seehofer.

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Winfried Kretschmann

„Die Auswirkungen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs in der Zeit nach der Wende betreffen die bis dahin von der Landwirtschaft geprägten Regionen in besonders dramatischer Weise“, weiß auch Baden-Württemberg Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Er bezeichnet es als „außerordentlich verdienstvoll, dass sich Renovabis diesem Prozess und seinen Folgen für die Menschen stellt und nach Perspektiven für eine positive Entwicklung der betroffenen Regionen sucht. Das ist die Voraussetzung dafür, dass konkrete solidarische Hilfen zielgenau und bedarfsgerecht realisiert werden können.

Kretschmann: 528 Zeichen


In ähnlicher Weise haben sich noch weitere Vertreter des Öffentlichen Lebens geäußert. Wir werden sie gesammelt in der Kongress-Publikation dokumentieren. Der Internationale Kongress Renovabis, erstmals 1997 von der Solidaritätsaktion Renovabis veranstaltet, dient der Information und Diskussion über wichtige Ent-wicklungen in Kirche und Gesellschaft im Osten Europas, darüber hinaus aber auch über Themen von gesamteuropäischer Bedeutung. Durch die Teilnahme von zahlreichen Gästen aus allen Teilen Europas hat sich der Kongress zu einem wichtigen Forum des Dialogs zwischen Ost und West entwickelt.

Jahresbericht 2011 erschienen: Informieren Sie sich über die Arbeit von Renovabis im aktuellen Jahresbericht.

@renovabis schreibt:

Programmtipp Katholikentag, ab 11 Uhr: Podium zum Thema "Leben mit HIV und #Aids - weltweit und ganz nah", Reiss-Engelhorn-Museen. #kt12
vor 5 Tage 1 Stunde
RT @lerenovabis: Schöne diözesane Aktionseröffnung in Ffm. Danke ans Hedwigs-Team. Spannende Diskussion und Kuchen satt! #Renovabis...
vor 1 Woche 3 Tage
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Salesianerpater Witold Szulczynski SDB, Direktor der Caritas Georgia, hört zu und spendet Trost.Salesianerpater Witold Szulczynski SDB, Direktor der Caritas Georgia, hört zu und spendet Trost.Renovabis fördert den Betrieb von Suppenküchen in Georgien und sichert somit die Versorgung von alten und bedürftigen Menschen. Das Projekt können Sie mit Ihrer Spende unterstützen. Suppenküchen für notleidende Menschen in Georgien