Glauben in veränderter Welt neu vermitteln

Samstag, 03. September 2011

Glauben in veränderter Welt neu vermitteln

FREISING. Weltweit befinden sich die ländlichen Regionen im Umbruch, und in der Regel sind sie im Vergleich zu den städtischen Zentren benachteiligt; auch in Mittel-, Ost- und Südosteuropa gibt es viele Beispiele dafür, wie der ländliche Raum vernachlässigt worden ist, sich entvölkert hat und jahrhundertealte Traditionen gefährdet oder bereits untergegangen sind. Diesen Befund hat der 15. International Kongress Renovabis von Donnerstag, 1. September, bis (zum heutigen) Samstag, 3. September, zum Thema gemacht, näher beschrieben und nach Möglichkeiten zur Förderung der Lebenskultur einschließlich des kirchlichen Lebens gesucht. 340 Kongressgäste aus 29 Ländern – vorwiegend Mittel-, Ost- und Südosteuropas – interessierten sich dafür auch als Betroffene.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (71 Jahre), der früher maßgeblich in Regierungsämtern und als Präsident des Bayerischen Landtages und ehrenamtlich in der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) den ländlichen Strukturwandel seit den 50er Jahren mitgestaltet hat, sowieder Abgeordnete des Europäischen Parlaments Filip Kaczmarek (45) aus dem polnischen Poznan (Posen) verdeutlichten, dass Wandlungsprozesse dieser Art – zeitlich und räumlich versetzt – wiederkehren. Im Sinne von zivilgesellschaftlichem Engagement und gestaltender Kraft gelte es, verantwortungsvolle Politik mit gut verzweigten Netzwerken zu machen. Solidarisch müssten mit den Menschen vor Ort Konzepte erstellt werden; wobei nach einem hohen Grad von qualifizierter und engagierter Beteiligung zu streben sei. Dann lasse sich der Wandel für den Menschen möglichst menschlich gestalten; dies sei auch eine zutiefst christliche Aufgabe: „Die Christen sind aufgefordert, an solchen Prozessen für eine Gesellschaft, in der christliche Werte als beachtenswürdig anerkannt sind, mitzuwirken“, sagte Glück und weiter: „Es kommt aber auch auf das Selbstbewusstsein der Menschen an, die den ländlichen Raum bewohnen, und dass sie Subjekt der Veränderungen sein können und müssen.“ Kaczmarek betonte die Integrationspolitik der EU, die als hohes politisches Ziel die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen den stärker und schwächer entwickelten Regionen vertritt.

Die Schlaglichter auf die Situation dreier verschiedener ländlicher Räume in Mittel- und Osteuropa, mit denen der Kongress eröffnet wurde bestätigten bei aller Unterschiedlichkeit Tendenzen in Europa, die für den scheinbar unumkehrbaren Wandel der ländlichen Lebensräume steht. Eine Erkenntnis des Renovabis-Kongresses ist sicher die, dass die Kirche in der Seelsorge in diesen Gebieten neue Wege beschreiten muss, um die Menschen vor Ort zu erreichen. Diese Wege können – wie etwa aus Armenien und Russland berichtet wurde – oft weit sein, aber der Einsatz lohne sich, sagten auch Seelsorger aus verschiedenen Ländern, etwa in den Arbeitskreisen des Kongresses: In kleineren Gruppen wurden die Fakten und Folgen des Strukturwandels in der Ukraine erörtert, wurde darüber diskutiert, inwiefern veränderte Strukturen auf die kulturelle Identität des Menschen auswirken. Am Beispiel Bulgariens wurde gezeigt, dass Strukturwandel im ländlichen Raum sowohl Verödung wie auch Neubelebung bedeuten kann. Pastorale Antworten auf strukturelle Veränderungen in West und Ost ermöglichte ein vergleichender Blick nach England, Frankreich und Russland. Wie sich familiäre Krisensituationen im ländlichen Raum ergeben und was sie für die Betroffenen bedeuten, wurde schließlich am Beispielland Rumänien betrachtet und mit Caritas-Mitarbeitern von dort und vor Ort eingesetzten deutschen Freiwilligen-Dienstlern besprochen.

Dass die ländlichen Regionen der Länder im Osten Europas von einer „galoppierenden Entwicklung mit erheblichen Umbrüchen“ geprägt sind, die sich auch auf die Lebens- und Glaubenswelt der Menschen auswirkt, ist auch für Pater Stefan Dartmann (54) unübersehbar. Der Jesuit und Hauptgeschäftsführer von Renovabis verweist darauf, dass religionssoziologische und vor allem pastoraltheologische Erkenntnisse es nahe legten, die Methoden der Seelsorge und überhaupt das gesamte kirchliche Leben immer wieder an die sich rasch verändernden soziokulturellen Lebensgewohnheiten anzupassen. Dabei betont Dartmann, dass neue pastorale Herausforderungen „neue Formen der Evangelisation“ erfordern. Es gehe darum, den „Glauben in einer veränderten Welt nicht nur zu bewahren, sondern ganz neu zu entdecken“. Das werde in ländlichen Gebieten gelegentlich wohl auch nicht ohne eine Art von „Abschied von der gewohnten Gestalt der Kirche“ erlebt werden. Dartmann hält mit Blick auf die veränderten Realitäten einen Rückgriff auf alte Konzepte und Strukturen nicht für zielführend. Kirche müsse sich stets neu in den veränderten Milieus verwurzeln. Ein gutes Kommunikationsklima sei dafür unentbehrlich. Die Pastoral müsse „dem Menschen nachgehen“ bzw. aktiv auf die Menschen zugehen.

In ähnlicher Weise äußerte sich auch Bischof Jerzy Mazur (58) von Ełk in Nord-Ost-Polen. Der Bischof gehört dem Orden der Steyler Missionare an und ist ein Mann der Weltkirche durch und durch. Er sammelte Erfahrungen als junger Pater in Ghana in Westafrika, später arbeitete er in Weißrussland, dann sechs Jahre im ostsibirischen Irktusk. Seit 2003 leitet er nun die Diözese Ełk. Als zentrale Aufgabe aller Christen sieht er die „Neu-Evangelisation“ an, die aber vom sozial-karitativen handeln nicht zu trennen sei. Umgekehrt müssten auch alle sozialen Bemühungen und notwendigen Hilfen durch „ein Angebot der von Nächstenliebe geprägten Seelsorge begleitet“ sein. Dies sei eine apostolische Aufgabe der ganzen Kirche mit Priestern und gut ausgebildeten Laien – Seite an Seite. Gerade den Geistlichen Gemeinschaften komme dabei eine inspirierende Rolle zu.

Jahresbericht 2011 erschienen: Informieren Sie sich über die Arbeit von Renovabis im aktuellen Jahresbericht.

@renovabis schreibt:

Programmtipp Katholikentag, ab 11 Uhr: Podium zum Thema "Leben mit HIV und #Aids - weltweit und ganz nah", Reiss-Engelhorn-Museen. #kt12
vor 5 Tage 1 Stunde
RT @lerenovabis: Schöne diözesane Aktionseröffnung in Ffm. Danke ans Hedwigs-Team. Spannende Diskussion und Kuchen satt! #Renovabis...
vor 1 Woche 3 Tage
Renovabis ist auf Facebook

Aktuelles Spendenprojekt

Salesianerpater Witold Szulczynski SDB, Direktor der Caritas Georgia, hört zu und spendet Trost.Salesianerpater Witold Szulczynski SDB, Direktor der Caritas Georgia, hört zu und spendet Trost.Renovabis fördert den Betrieb von Suppenküchen in Georgien und sichert somit die Versorgung von alten und bedürftigen Menschen. Das Projekt können Sie mit Ihrer Spende unterstützen. Suppenküchen für notleidende Menschen in Georgien