Glaubensverkündigung in ökumenischem Miteinander

Samstag, 01. September 2012

16. Internationaler Kongress Renovabis in Freising

FREISING. Der 16. Internationale Kongress Renovabis stand mit dem Thema „Heute den Glauben entdecken – Neue Wege der Evangelisierung in Europa“ bereits ganz im Zeichen des von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen „Jahres des Glaubens“. Die rund 370 Teilnehmer aus 30 Ländern Europas diskutierten über die Situation der Kirche in Europa und die Probleme der Glaubenswei-tergabe in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft. Am letzten Kongresstag ging es vor allem um Fragen der Ökumene im Zusammenhang der Neuevangelisierung.

„Was ist die Krankheit und was ist die Therapie?“ – Diese Frage, im Hinblick auf die zunehmende Säkularisierung in Europa, begleitete die rund 370 Teilnehmer während des dreitägigen Kongresses. Pater Stefan Dartmann SJ, Hauptgeschäftsführer von Renovabis, machte bereits in seiner Begrüßung klar, dass einer gelingenden Neuevangelisierung zwangsläufig die aufmerksame und aufrichtige Analyse der aktuellen Situation vorausgehen müsse. Die Referate und Arbeitskreise, die beim 16. Internationalen Kongress Renovabis vorgestellt und diskutiert wurden, vermittelten lebendige Einblicke in die Situation und die Perspektiven der Kirchen im Osten Europas.

Der letzte Kongresstag beschäftigte sich mit der ökumenischen Dimension heutiger Glaubensverkündigung. Dabei waren sich die katholischen, evangelischen und orthodoxen Diskussionsteilnehmer einig, dass es wichtig sei, „ein gemeinsames Glaubenswort an die Welt“ (Evgeny Pilipenko, Moskau) zu richten. Voraussetzung dafür sei aber ein ökumenisches Miteinander, das jene „Gemeinschaft, Einheit und Harmonie“ (Rev. Andrew Onuferko, Ottawa) wieder herstelle, die Christus von seiner Kirche gewollt habe. Frère Georg Kubina bezeichnete die „Erfahrungen des geteilten Lebens“, die junge Menschen verschiedener Konfessionen in Taizé machten, als „sichtbare Hoffnungszeichen der Einheit“. Weihbischof Gzegorz Ryś (Krakau) unterstrich, dass entscheidend für das ökumenische Verhältnis sei, „aufeinander zu hören“. Der gemeinsamen Glaubensweitergabe müsse eine „Evangelisation nach innen“ vorausgehen: aus der echten Überzeugung des Glaubens erwachse erst eine überzeugende „Evangelisation nach außen“. Barbara Rudolph, Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche im Rheinland, ermunterte zu einem „Aufbruch zur missionarischen Ökumene“. Die (noch) getrennten Kirchen und Konfessionen sollten versuchen, „in versöhnter Verschiedenheit das Evangelium zu verkünden.“

Im Abschlussreferat des Kongresses stellte der emeritierte Bischof von Rotterdam, Adrian van Luyn, klar, dass ein wichtiges Prinzip innerhalb der Kirche der Dialog sein und auch bleiben müsse. Das sei nur möglich, „wenn der konkrete Kontext, die konkrete Kultur, in die hinein gesprochen wird, auch ernst genommen wird.“ Die Kirche solle andererseits ihre im Glauben grundgelegte Sichtweise auf Mensch und Welt „ohne falsche Bescheidenheit als Sinn-volles und Not-wendendes Modell von Weltdeutung und -verständnis“ in diesen Dialog einbringen.

Jede Neuevangelisierung brauche vor allem „vom Geist ergriffene Menschen“ – mit diesem Wort verabschiedete Renovabis-Hauptgeschäftsführer P. Stefan Dartmann die Kongressteilnehmer. Bei allen Überlegungen zu „Neuen Wegen der Evangelisierung in Europa“ werde uns – so Dartmann – die „Anstrengung des persönlichen Weges nicht erspart bleiben, nämlich selber in der Welt Zeugnis für unseren Glauben abzulegen“.