HIV/AIDS in Osteuropa
- Überblick
- Aktionsbündnis gegen Aids
- Leitlinien
- Deutsch-Ukrainische Partnerschaftsinitiative zur Bekämpfung von HIV/AIDS
- Filmtipp: Am Rande - Sechs Kapitel über AIDS in der Ukraine
- Kontakt
Überblick
Seit Mitte der 1990er Jahre verbreitet sich HIV/Aids in Mittel- und Osteuropa massiv. Die Neuansteckungsraten liegen derzeit weit über dem westeuropäischen Durchschnitt. Am stärksten betroffen sind Länder der früheren Sowjetunion. Das Virus wird hier vor allem durch intravenösen Drogenkonsum, zunehmend jedoch auch durch hetero- und homosexuellen Geschlechtsverkehr übertragen. Mehr als 80% der Infizierten sind unter 30 Jahre alt. Die Krankheit Aids ist weitgehend tabuisiert und HIV-infizierte Menschen werden oft wie Aussätzige behandelt.
In der Gesellschaft und in der Politik ist das Problem auf Grund vielfältiger anderer Schwierigkeiten nicht prioritär im Blick. Wo Maßnahmen ergriffen werden, beschränken die sich häufig auf isolierte Ansätze. Diese nehmen die Verschränkung zwischen HIV und den ebenfalls epidemischen Krankheiten Tuberkulose, Hepatitis und Sucht nicht in den Blick. Es werden kaum soziale Ursachen analysiert oder die Konsequenzen der aktuellen Ignoranz und Stigmatisierung bedacht.
Die Ortskirchen Mittel- und Osteuropas setzen sich zunehmend mit der HIV/AIDS-Problematik auseinander, so dass diese allmählich ein Feld bewussten kirchlichen Handelns wird. Noch vorhandene Schwierigkeiten resultieren häufig aus fehlendem oder falschem Wissen, sowjetisch geprägten Vorstellungen zur Krankheitskontrolle und mangelnder Erfahrung mit den neuen pastoralen Herausforderungen. Gemeinsam mit Caritas international und dem Missionsärztlichen Institut finanziert Renovabis für den Zeitraum von 2007 bis 2011 eine Beraterin, die kirchliche Partner unterstützt und qualifiziert, Antworten auf die mit HIV/Aids verbundenen Herausforderungen entwickeln zu können. Schon Papst Johannes Paul II. hat immer wieder zum Kampf gegen AIDS aufgerufen und alle in der Seelsorge tätigen Personen ersucht, „den von Aids befallenen Brüdern und Schwestern jede nur mögliche materielle Unterstützung und jeden moralischen und geistlichen Trost zu spenden.“ (Botschaft zum XIII. Welttag der Kranken).
Aktionsbündnis gegen Aids
Renovabis ist Mitglied im Aktionsbündnis gegen Aids und unterstützt die Forderung nach patentfreien Aids-Medikamenten. Millionen Aids-Kranke in Entwicklungs- und Schwellenländern können nicht behandelt werden, weil die neuen, wirksameren Medikamente viel zu teuer sind. Profitorientierte Pharmaunternehmen verhindern durch ihre Patentanträge, dass in Ländern wie Indien Generikamedikamente frei hergestellt werden können und damit der Preis gesenkt wird.
Kampagnenaufruf: Leben vor Pharmaprofit!
Profitorientierte Pharmaunternehmen verhindern, dass in Ländern wie Indien preiswerte Kopien teurer Aids-Medikamente hergestellt werden können. Zum diesjährigen Welt-Aids-Tag am 1. Dezember hat das Aktionsbündnis gegen AIDS mit einer symbolischen Aktion lebenswichtige Aids- Medikamente aus dem Würgegriff der Patente befreit und Medikamentenkapseln in den Berliner Himmel aufsteigen lassen.
Leitlinien für die Förderpraxis von Renovabis
Renovabis arbeitet in dem „Aktionsbündnis gegen AIDS“ mit und engagiert sich insbesondere in dessen „Fachkreis Osteuropa“, der aus Vertretern evangelischer und katholischer Hilfswerke sowie zivilgesellschaftlicher Gruppen besteht. Diese haben ein gemeinsames „Mission Statement“ mit Kriterien zur Projektförderung im Bereich HIV/AIDS erarbeitet, die auch in der Förderpraxis von Renovabis angewendet werden sollen.
Ausgehend von den bisherigen Erfahrungen lässt sich feststellen, dass vor, neben und mit den verschiedenen konkreten Projekten von Kirche und Caritas Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung in den mittel- und osteuropäischen Ländern angeregt und begleitet werden sollte. Gleichzeitig ist zu beachten, dass das Thema „HIV/AIDS“ nicht isoliert von anderen Problemen im gesundheits- und gesellschaftspolitischen Bereich gesehen werden darf. So liegt eine der zentralen Herauforderungen darin, mit jungen Menschen tragfähige Lebensperspektiven zu entwickeln.
Für Renovabis bieten sich in Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort zunächst folgende Bereiche an, in denen HIV/AIDS thematisiert und einzelne Projekte durchgeführt werden können:
- Bestandsaufnahme der lokalen und überregionalen Situation
- Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung bei Partnerbesuchen und durch Schulungen des Klerus und der pastoralen Mitarbeiter/innen
- Fortbildung von in Seelsorge, Sozialarbeit und Pflege tätigen Personen für den Umgang mit Infizierten und gefährdeten Gruppen (evtl. Thematisierung bereits in der Priesterausbildung)
- HIV- und Drogenpräventionsarbeit im schulischen Bereich und in der Jugendarbeit
- Unterstützung und Beratung bei der Entwicklung von geeigneten Informationsmaterialien, Durchführung von Schulungen usw.
- Betreuung, Beratung (medizinisch, rechtlich, im Umgang mit Behörden etc.)
- Öffnung kirchlicher Angebote für Menschen mit HIV und ihre Angehörigen sowie Förderung ihrer Integration in die Gesellschaft
- häusliche Krankenpflege und der allgemeine Pflegebereich
- Hospizarbeit
- Vernetzung von verschiedenen Akteuren im HIV/AIDS-Bereich.
Deutsch-Ukrainische Partnerschaftsinitiative zur Bekämpfung von HIV/AIDS
Die Ukraine ist laut UNAIDS das Land mit der höchsten HIV-Neuinfektionsrate in Europa. Mehr als ein Prozent der Gesamtbevölkerung sind mit HIV infiziert. 1,4 Prozent der 15-49jährigen leben nach aktuellen Schätzungen der UNAIDS mit dem HI-Virus. Durch die Verbreitung von HIV steigt auch der Anteil von damit einhergehenden Erkrankungen, insbesondere Tuberkulose. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat vor dem Hintergrund dieser Entwicklung die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) beauftragt, unter Bereitstellung ihrer personellen und materiellen Infrastruktur vorhandene HIV/AIDS-Projekte in der Ukraine stärker zu vernetzen und neue Partnerschaften und Vorhaben zu unterstützen.
(Quelle: Deutsch-Ukrainische Partnerschaftsinitiative zur Bekämpfung von HIV/AIDS

Renovabis und die römisch-katholische Caritas (Caritas Spes) in der Ukraine arbeiten an der Qualifizierung von Ehrenamtlichen auf der Pfarreiebene für die Beratung von Suchtkranken und Menschen mit HIV/Aids. Das Projekt wird auch durch Mittel des Bundesministeriums für Gesundheit gefördert.
Filmtipp: „Am Rande - Sechs Kapitel über AIDS in der Ukraine“
„So wollen wir nicht sterben. AIDS in Odessa“ war der erste Dokumentarfilm überhaupt, der die neue AIDS-Epidemie in Osteuropa gezeigt hat. Im Wesentlichen dokumentiert dieser Film die unmenschlichen Lebensumstände der Kranken. Der neue Film von Karsten Hein „Am Rande - Sechs Kapitel über AIDS in der Ukraine“ bietet nun eine Analyse der gesellschaftlichen Ursachen der Epidemie, ihrer sozialen Folgen sowie der Chancen, etwas gegen sie zu tun. (Quelle: http://www.aids-ukraine.com/am-rande/index.html.
Die DAS, die GTZ und Renovabis haben die Produktion dieses Films unterstützt.
Bild aus dem Film: „Am Rande“ von Karsten Hein
Bild aus dem Film: „Am Rande“ von Karsten Hein
Bild aus dem Film: „Am Rande“ von Karsten Hein
Bild aus dem Film: „Am Rande“ von Karsten Hein
Am Rande - Sechs Kapitel über AIDS in der Ukraine. Ein Film von Karsten Hein
(Deutschland, 2006) DVD (Pal), 105 min., deutsch/russisch mit deutschen Untertiteln
- Webseite zum Film mit Pressematerial und Bestellmöglichkeit des Films als DVD.
Kontakt
Leiter Abt. Projektarbeit und Länder
Markus Leimbach
Renovabis, Domberg 27, 85354 Freising
Tel.: (08161) 5309-16, Fax: (08161) 5309-11
Email: ml@renovabis.de


