Priester und ein Laie zünden eine Kerze an.
"Wo der Glauben verkündigt wird, wo gemeinsam Liturgie gefeiert wird und wo der Dienst am Nächsten nicht vernachlässigt wird, da ist die Kirche lebendig“, sagt Pater Andreas Waltermann.
Foto: privat
01.02.2017 – Seelsorger im Portrait

Pater Andreas Waltermann OFMCap

Pater Andreas Waltermann ist Kapuziner und als Pfarrer in den nordöstlichen Bergregionen des Bistums Sape in Albanien tätig. Er begeistert Menschen wieder für den Glauben.

Die Spuren der kommunistischen Vergangenheit in Albanien sind auch heute noch sichtbar. „Die Wurzeln des religiösen Lebens wurden vielfach abgeschnitten und die Sehnsucht auf Gott hin oft verschüttet“, berichtet Bruder Andreas. Der Kapuziner ist für drei Pfarreien, unter anderem im Dorf Fushë-Arrës, im Nordosten des Landes zuständig und lebt seit vielen Jahren in Albanien.

Jede Form von Religiosität wurde strikt verfolgt und hart bestraft

Das Land wurde 1967 offiziell zum ersten atheistischen Staat ausgerufen, jede Form von Religiosität wurde strikt verfolgt und hart bestraft. Vor allem die Generation im Alter von 35 bis 65 Jahren stehe dem christlichen Glauben, aber auch ganz generell einer religiösen Orientierung sehr skeptisch gegenüber, sagt Waltermann. In der Schule ist der Religionsunterricht nicht erlaubt, deshalb ist es für den Kapuziner wichtig, außerschulische Angebote zu schaffen. Er fährt oft selbst in die kleineren Dörfer und bietet neben dem Gottesdienst Religionsunterricht an. Einmal pro Woche kommen auch die Eltern der Kindergartenkinder aus der Pfarrei zur Katechese. Mittlerweile gebe es einen guten Stamm an ehrenamtlichen Katechisten in Fushë-Arrës, erzählt der Kapuzinerpater.

Für ihn ist es wichtig, diese Angebote am Leben zu erhalten, denn dort „wo der Glauben verkündigt wird, wo gemeinsam Liturgie gefeiert wird und wo der Dienst am Nächsten nicht vernachlässigt wird, da ist die Kirche lebendig“. Besonders lebendig geht es dabei im Sommer in Fushë-Arrës und den Dörfern der Umgebung zu. Viele der Angebote richten sich an Jugendliche und Kinder. Neben der klassischen Katechese werden dann biblische Texte auch mal szenisch oder spielerisch umgesetzt. Zu den speziell gestalteten Jugendtagen kommen aus der Umgebung bis zu 170 Jugendliche.
Besonders lebendig geht es im Sommer in Fushë-Arrës und den Dörfern der Umgebung zu. Zu den Jugendtagen kommen bis zu 170 Teilnehmer.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei über 60 Prozent

Ein wichtiger Teil der pastoralen Arbeit in der Bergregion sind die regelmäßigen Besuche in den Familien, Haussegnungen und Krankenbesuche. Dabei werden immer wieder die aktuellen Probleme der Region sichtbar. Vielerorts herrscht große Armut, die Arbeitslosigkeit liegt bei über 60 Prozent und durch den Bau einer neuen Autobahn ist die Region um Fushë-Arrës weitgehend vom Durchgangsverkehr abgeschnitten. Viele Läden, Lokale und Tankstellen mussten geschlossen werden. Die einzigen Arbeitgeber in der Region sind Kupferscheide und Kupferminen. Aber die Beschäftigungsverhältnisse sind häufig schlecht und die Umweltverschmutzung, die der Scheideprozess verursacht, wird die Region noch lange in Mitleidenschaft ziehen.

„Wir können an den extremen Armutssituationen mancher Familien hier einfach nicht vorbeigehen.“

Viele Familien verlassen die Bergregion und ziehen in die großen Städte. Manche versuchen auch nach Griechenland oder Italien auszuwandern, aber durch die wirtschaftliche Lage dort kehrten viele mit leeren Händen von dort wieder zurück. In der vernachlässigten Region ist für viele nun die Kirche der einzige Hoffnungsträger. „Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt momentan auf dem sozialen Handeln“, erzählt Waltermann. „Wir können an den extremen Armutssituationen mancher Familien hier einfach nicht vorbeigehen.“

In den kommenden Jahren wird Unterstützung weiterhin notwendig bleiben. Geplant sind unter anderem die Weiterführung von Ausbildungsbeihilfen, landwirtschaftlichen Projekten und existentieller Hilfen für arme Familien, kranke und behinderte Menschen. In dem Dorf Kryezi soll ein Kirchturm gebaut werden und die gerissene Glocke muss repariert werden. Im Dorf Lumzi fehlt es an einem geeigneten Wasserreservoir zur Bewässerung der Felder, berichtet Waltermann.

Mittlerweile sind die wichtigsten kirchlichen Strukturen in der Region aufgebaut, jetzt geht es ihm darum, in den Gemeinden die Wurzeln des Glaubens zu vertiefen. Ohne Unterstützung und Hilfe aus Deutschland wird er seine wichtigen Aufgaben aber kaum erfüllen können.

Inhalt erstellt: 01.02.2017, zuletzt geändert: 24.08.2017