Fussballtraining Slowenien
Überschüssige Kraft loswerden können die Jungs beim Fußballtraining. In der Großsiedlung ist der Jugendclub eine willkommene Abwechslung.
Quelle: Heiner Heine
24.01.2019 – Projektbeispiel Slowenien

Sicherer Hafen für die Jugend

Mitten in einem sozialen Brennpunkt im slowenischen Celje bietet das Jugendzentrum der Salesianer Don Boscos Kindern und Jugendlichen eine feste Anlaufstelle mit pädagogischen Angeboten. Eine Reportage von Constanze Bandowski.

Aleksander und Ahmed sind wie immer die Ersten im Jugendzentrum der Salesianer Don Bosco in Celje. Die Schultaschen auf den Rücken, trudeln die Knirpse direkt nach der Schule ein und holen sich einen heißen Kakao am Tresen. „Die Süßigkeiten kosten was, aber Wasser und Kakao gibt’s umsonst“, erzählt der achtjährige Aleksander, während er die Hände an seinem Becher wärmt. Sein Kumpel Ahmed, schmal, blond und ebenfalls acht Jahre, schweigt. Er lebt bei seiner Oma in einem der benachbarten Wohnblöcke. „Zuhause ist es langweilig“, erzählt Einzelkind Aleksander. „Hier ist immer was los.“ Und schon flitzen die Beiden raus, um auf dem Hof Skateboard zu fahren.

Mitten in einer Großwohnsiedlung aus jugoslawischen Zeiten betreiben die Salesianer das einzige Jugendzentrum weit und breit.

„Der Bedarf an Freizeit- und Betreuungsangeboten ist groß, weil die meisten Kinder und Jugendlichen sind auf sich selbst gestellt sind“,

weiß Pater Slavko Pajk, der sich mit dem Salesianerorden Don Bosco der präventiven pädagogischen Jugendarbeit verschrieben hat. 2003 gründete er das Zentrum am Stadtrand von Celje. Inzwischen beherbergt das Gelände eine Kindertagesstätte für 75 Ein- bis Sechsjährige, ein Bildungsprojekt für junge Menschen ohne Schulabschluss, eine Pfarrei mit Kapelle, Bibliothek und Bildungsangeboten, die Caritas und die Wohngemeinschaft der sechs Ordensbrüder.

„Kommt, alles ist bereit!“

so lautet der offizielle deutsche Titel des diesjährigen Weltgebetstages, der am 1. März 2019 stattfindet. Über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg engagieren sich christliche Frauen beim Weltgebetstag dafür, dass Frauen und Mädchen überall auf der Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Würde leben können.
2019 steht dabei besonders Slowenien im Blickpunkt. Die Reportage über das Engagement der Salesianer Don Bosco in Celje gibt Einblicke in die Situation vor Ort und zeigt Perspektiven für die Zukunft auf.

Nach der Unabhängigkeit und der Finanzkrise stieg die Arbeitslosigkeit

„In diesem Stadtteil leben viele sozial benachteiligte Familien, die aus den ex-jugoslawischen Teilrepubliken herzogen, weil Celje ein wichtiger Industriestandort war“, so Pater Slavko Pajk. Die Kohleminen von Velenje und das größte Kraftwerk des Landes liegen nur wenige Kilometer entfernt, die jugoslawische Stahlindustrie bot Tausenden sichere Arbeitsplätze. Nach der Unabhängigkeit und der Finanzkrise stieg die Arbeitslosigkeit. Die Caritas versorgt 700 Familien mit Kleidung und Essen, darunter viele Sozialhilfeempfänger mit Migrationshintergrund, slowenische Rentnerinnen und Renter und immer mehr albanische Familien, die auf der Suche nach Arbeit in Celje landen.

„Mein Papa verdient sein Geld irgendwo im Ausland“, sagt Orinda kaugummikauend. Die elfjährige Kosovo-Albanerin wurde in Celje geboren. Mit ihren Geschwistern Orijola, 10, und Oltian, 7, verbringt sie die Nachmittage und Wochenenden im Jugendzentrum. Gemeinsam mit Pater Mitja Franc kickern sie gerade am Fußballtisch. Der jüngste Priester vor Ort ist täglich präsent. „Den Kindern fehlt vor allem Bindung und Herzensbildung“, weiß der 29-Jährige. „Dafür sind wir hier.“ Gemeinsam mit dem Theologen Matjaž Kladnik, dessen Stelle von Renovabis finanziert wird, zwei Langzeitarbeitslosen über ein Beschäftigungsprogramm und 40 freiwilligen Jugendlichen organisiert er hier das Programm.

Kinder spielen am Tischkicker
Am Kicker spielen die Geschwister Oltian, Orijola ujnd Orinda (v.l.). Sie gehören zu den Migranten-Familien aus dem Kosovo und sind alle bereits in Slowenien geboren.
Quelle: Heiner Heine
Gitarrenunterricht
Ehrenamtlich gibt Tinkaran (Mitte) am Nachmittag Gitarren- und Schlagzeugunterricht.
Quelle: Heiner Heine

„Für mich ist das Zentrum wie ein zweites Zuhause.“

Im Nebenraum malen Brina und ihr Zwillingsbruder Gašper ein 15 Quadratmeter Plakat für das Stadtfest. „Mich als Freiwillige hier einzubringen ist irgendwie sinnstiftend und befriedigend“, erklärt die 16-jährige Schülerin einer Friseurfachschule. „Außerdem hänge ich gerne mit meinen Freunden ab und das geht sonst nirgendwo.“ Ihr Freund Matevž, 19 Jahre und Student der Forstwirtschaft in Ljubljana, bedient die kleinen Gäste am Tresen. Seine Mutter pendelt täglich in die Hauptstadt, so kann sich Matevž trotz Studium weiter im Jugendzentrum engagieren. „Die meisten Jugendlichen machen nichts für andere. Sie hängen nur am Computer ab oder daddeln auf ihrem Handy herum“, sagt er. „Das ist mir zu langweilig. Für mich ist das Zentrum wie ein zweites Zuhause.“

Im Laufe des Nachmittags kommen immer mehr Freiwillige, Kinder und Jugendliche ins Zentrum. Urban bietet draußen Fußballtraining an, im Musikraum gibt Tinkara Gitarren- und Schlagzeugunterricht. Sozialarbeiter Matjaž spielt mit den Größeren Tischtennis, Ana und Lara tanzen mit den Mädchen Hip-Hop und an den Tischen spielen Urška, Irena und Jaka mit den Kleinen Jenga. Sobald der Turm aus Holzsteinen zusammenbricht, kreischen die Jungen und Mädchen los, um gleich wieder von vorn zu beginnen. Die Hauptamtlichen und Freiwilligen haben die Kinder fest im Blick. Sobald sich ein Streit anbahnt, greift jemand ein. „Es gibt hier ganz klare Regeln“, sagt Pater Mitja Franc. Zum Beispiel slowenisch sprechen und aufräumen, bevor der Laden um 18 Uhr schließt. Aleksander und Ahmed sammeln gewissenhaft den Müll ein, bevor sie sich ihre Ranzen aufsetzen. „Bis morgen“, ruft Aleksander. „Bis morgen“, antwortet der Pater und lacht.

Hintergrundinfo zum Projekt

Das Jugendzentrum der Salesianer in Celje besteht seit 2003. Es befindet sich - in direkter Nachbarschaft von 2 Grundschulen - in einer Siedlung mit Großwohnanlagen, wo viele ärmere, sozial benachteiligte Familien leben, davon viele aus anderen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken. Häufig waren die Väter als Arbeitsmigranten bereits in Slowenien und holten im Zusammenhang des Krieges ihre Familien nach. Aber auch viele albanische, in jüngerer Zeit zugewanderte (Roma-) Familien leben im Viertel. Die Salesianer leisten in ihrem Viertel in Celje einen wichtigen Beitrag dazu, dass sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in ihrer schulischen, sozialen und persönlichen Entwicklung gefördert werden und Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe erhalten. Gleichzeitig ist das Jugendzentrum ein Ort attraktiver, lebendiger Kinder- und Jugendpastoral.

Renovabis unterstützt das Don Bosco Jugendzentrums Celje von 2017 bis 2019 mit € 34.800.

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Inhalt erstellt: 24.01.2019, zuletzt geändert: 12.02.2019