Blick in eine Tischlerwerkstatt
Endlich ein Ort, der praxisbezogen auf das Berufsleben vorbereitet
Foto: Markus Nowak
Projekte

Berufsausbildung im ländlichen Litauen

Obwohl eine rekordverdächtige Anzahl junger Menschen in Litauen über einen Universitätsabschluss verfügt, mangelt es an beruflichen Perspektiven. Die Berufsschule „Sodžiaus meistrai“ will Abhilfe schaffen und bietet verschiedene Ausbildungsgänge mitsamt pädagogischer und spiritueller Betreuung an.

Eine akkurat sitzende schwarze Weste und tadellose Bedienung: Dem 18-jährigen Edvintas Buivydovič merkt man kaum an, dass er sich noch in Ausbildung befindet. Seit zwei Jahren absolviert er an der Berufsschule „Sodžiaus meistrai“ eine Ausbildung zum Koch und zur Servicekraft und scheint daran Gefallen zu finden. Gemeinsam mit ungefähr 80 anderen jungen Menschen lernt er an der Berufsschule, die rund eine Autostunde südwestlich von der Hauptstadt Vilnius liegt. Und wie der Großteil seiner Mitauszubildenden hatte auch Edvintas es während seiner Kindheit und Jugend nicht leicht, denn er wuchs auf der Straße und im Waisenhaus auf und wusste vor Ausbildungsbeginn nicht so richtig, was er mit seinem Leben machen solle.

Die Berufsschule wurde 2002 aus einer Initiative einer katholischen Ordensgemeinschaft heraus gegründet und richtete sich anfangs konkret an Straßenkinder. Mittlerweile erfüllt sie eine im ländlichen Raum äußerst wichtige Funktion: Vor allem dort müssen Schulen aufgrund von Schülermangel geschlossen werden und viele wandern, auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben, in westeuropäische Länder aus. „Sodžiaus meistrai“ bietet ihnen mit sechs unterschiedlichen Ausbildungsgängen eine fundierte Vorbereitung auf das berufliche Leben und legt nebenbei Wert auf eine ganzheitliche Erziehung und Tugenden wie Respekt, Toleranz und Solidarität.

Insgesamt können in „Sodžiaus meistrai“ sechs Berufe erlernt werden; auf dem Gelände der Schule gibt es neben einer Schulungsküche sogar eine Keramikwerkstatt sowie Schlafräume und Räume für Freizeitaktivitäten. Das angeschlossene Wohnheim beherbergt rund 20 Schüler und Schülerinnen, die von Sozialarbeitern betreut werden.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Markus Nowak</small>
Insgesamt können in „Sodžiaus meistrai“ sechs Berufe erlernt werden; auf dem Gelände der Schule gibt es neben einer Schulungsküche sogar eine Keramikwerkstatt sowie Schlafräume und Räume für Freizeitaktivitäten. Das angeschlossene Wohnheim beherbergt rund 20 Schüler und Schülerinnen, die von Sozialarbeitern betreut werden.
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Die Berufsschule wurde als Pilotprojekt in Litauen gegründet und stützt sich auf Ausbildungskonzepte aus Frankreich und Deutschland. Die Berufspraxis, die man hier erwirbt, wird auf dem litauischen Arbeitsmarkt dringend benötigt. Dennoch eilt Berufsschulen - noch aus Sowjetzeiten - ein schlechter Ruf voraus.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Markus Nowak</small>
Die Berufsschule wurde als Pilotprojekt in Litauen gegründet und stützt sich auf Ausbildungskonzepte aus Frankreich und Deutschland. Die Berufspraxis, die man hier erwirbt, wird auf dem litauischen Arbeitsmarkt dringend benötigt. Dennoch eilt Berufsschulen - noch aus Sowjetzeiten - ein schlechter Ruf voraus.
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Eine Gruppe angehender Zimmermänner schart sich um Artūras Tankevič (rechts). Die Berufsschüler werden in Gruppen von höchstens 15 Teilnehmern unterrichtet. Je zwei Wochen praxisnaher Unterricht wechseln sich mit zwei Wochen Mitarbeit in einem Unternehmen ab, ähnlich der dualen Ausbildung in Deutschland.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Markus Nowak</small>
Eine Gruppe angehender Zimmermänner schart sich um Artūras Tankevič (rechts). Die Berufsschüler werden in Gruppen von höchstens 15 Teilnehmern unterrichtet. Je zwei Wochen praxisnaher Unterricht wechseln sich mit zwei Wochen Mitarbeit in einem Unternehmen ab, ähnlich der dualen Ausbildung in Deutschland.
Foto: Markus Nowak

Artūras Tankevič ist eine der Lehrkräfte - oder „formateur“, wie er es nennt. Er versteht sich als Gestalter, der nicht nur sein Material, das Holz, sondern auch seine Schüler forme. „In Litauen gibt es zu wenige Spezialisten. Zu wenige gute Zimmermänner“, bemerkt der 33-Jährige. Das liegt zum einen daran, dass viele junge Menschen auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten das Land verlassen. Zum anderen wird die Bildungssituation in der Baltenrepublik den Bedürfnissen der Menschen und des Arbeitsmarktes nicht gerecht. 2017 hatten 58 Prozent der 30- bis 34-Jährigen einen Hochschulabschluss, was Litauen EU-weit zum Spitzenreiter macht. Dennoch hat Litauens Bildungssystem ein eher niedriges Niveau, wie internationale Rankings feststellen.

Die Lehrerinnen und Lehrer an der Berufsschule sind sich jedoch einig: Die guten Plätze in den Rankings sind das eine. Das andere ist die lebenslage Bildung, die Herzensbildung. Stichworte wie „lebenslanges Lernen“ sind in Litauen noch relativ unbekannt. Wenn es „Sodžiaus meistrai“ schafft, dort anzusetzen, kann die Schule tatsächlich einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung der litauischen Gesellschaft leisten.

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Inhalt erstellt: 22.03.2019, zuletzt geändert: 29.03.2019