17.05.2013

"Das Leben teilen": Podiumsgespräch zur Situation von Menschen mit Behinderung

Um die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung bei uns und in Mittel- und Osteuropa ging es bei einem Podiumsgespräch im Medienzentrum der Verlagsgruppe Passau. Eingeladen hatten dazu das Bistum Passau, die Passauer Neue Presse und Renovabis. Prominenter Gast auf dem Podium war der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Alois Glück.

Er bewertete positiv, dass es in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland einen „fast unglaublichen Bewusstseinswandel“ bezüglich der gesellschaftlichen Akzeptanz von Menschen mit Behinderung gegeben habe. Menschen mit und ohne Behinderung begegneten sich immer mehr „auf Augenhöhe“. Von der fürsorglichen Betreuung behinderter Menschen sei man zur Förderung von deren individuellen Fähigkeiten übergegangen und versuche ihnen ein selbständiges Leben zu ermöglichen.

Wie das Podiumsgespräch zeigte, ist man diesbezüglich auch in den mittel und osteuropäischen Ländern auf einem guten Weg. Allerdings ist dies – wie Vertreterinnen sozial-karitativer Einrichtungen aus Rumänien, Ungarn und der Tschechischen Republik darlegten – erst seit dem „Fall des Eisernen Vorhangs“ möglich. Denn während der Zeit des Kommunismus wurden Menschen mit Behinderung dort vielerorts als „unproduktiver Teil“ aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Heute sei die Integration behinderter Menschen als wichtige Herausforderung des Staates, der Kirchen und gesellschaftlicher Organisationen anerkannt. Allerdings gebe es – gerade angesichts nach wie vor schwieriger wirtschaftlicher und sozialer Rahmenbedingungen – noch viel Handlungsbedarf.

Ein Thema des Podiumsgesprächs war schließlich auch die Inklusions-Debatte. Dass Inklusion von Menschen mit Behinderung im Allgemeinen ein erstrebenswertes Ziel sei, war dabei unbestritten. Wichtig sei es jedoch, stets beim einzelnen Menschen anzusetzen, seine individuellen Bedürfnisse, Kompetenzen und Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch Grenzen und Schwierigkeiten zu sehen und ihn dementsprechend adäquat zu unterstützen. Täte man dies nicht – so Caritasdirektor Dr. Wolfgang Kues – könne ein gutgemeinter inklusiver Ansatz am Ende eher zur Exklusion führen.

Inhalt erstellt: 17. Mai 2013, zuletzt geändert: 26. Juli 2013