Christoph Fuhrbach fuhr beim "Transcontinental Race 2017" im Renovabis-Trikot.
Christoph Fuhrbach fuhr beim "Transcontinental Race 2017" im Renovabis-Trikot.
Foto: Collage Google Maps / Foto Privat
08.08.2017 – Transcontinental Race 2017

Erlebnisse und Berichte vom Transcontinental Race 2017

Christoph Fuhrbach meldet sich von unterwegs - aktuelle Berichte und Fotos vom längsten Radrennen Europas, dem Transcontinental Race 2017.

4 Fragen vor'm Start

Wieviel Kilo Gepäck haben Sie dabei?

Alles in allem ca. 3 Kilogramm. Die Satteltasche wiegt allein 730 Gramm, dann eine Lenkertasche mit 450 Gramm, Radklamotten (zweites Trikot, zweite Radhose, Windjacke, Armlinge, Beinlinge) wiegen ca. 1 Kilo. Essen - je nachdem, was ich gerade dabei habe: Obst, Brot, Brotaufstrich, Gemüse - durchschnittlich vielleicht auch rund 1 Kilo. Dazu kommen noch zwei Radflaschen, die zusammen max. 1,5 Liter fassen.

Gibt es etwas, was Sie mitnehmen, dass vermutlich nicht jeder andere Fahrer dabeihaben wird?

Ich bin noch ein bisschen mit mir am ringen, werde aber vermutlich die Enzyklika "Laudato Si" von Franziskus über die drängenden ökologischen und sozialen globalen Fragen mitnehmen, auch wenn sie 230 Gramm wiegt. Aber ich habe sie bisher erst zur Hälfte gelesen - und habe auf der Heimreise auf der Fähre und im Zug so viel Zeit, dass ich sie endlich mal komplett und konzentriert durcharbeiten könnte - und gleich noch überlegen kann, was das für mich, auch für mein Bistum Speyer bedeuten könnte und vielleicht auch sollte...

Auf was freuen Sie sich unterwegs am meisten?

Schwer zu beantworten, gibt nicht die eine Sache: freue mich auf tolle Landschaften, auf interessante Begegnungen, auf ein psychisches Hoch nach einem Tief, auf positive Überraschungen, auf den Sonnenaufgang nach durchgefahrener Nacht und ganz besonders auf Treffen mit Menschen. Mehrere Bekannte und Freunde von mir wollen mich unterwegs treffen, was mich sehr freut. Ebenso sieht es so aus, dass ich an ca. drei Orten Projektpartner von Renovabis treffen kann. Auch wenn diese Treffen kurz sein werden, könnten sie Highlights werden, weil es sicher beeindruckende Menschen mit Ausstrahlung sind. Ein besonderer Moment wird auch das Treffen mit meiner Frau in einem Cafe in Wissembourg an der elsässisch-pfälzischen "Grenze" (nur knapp 50km von unserem Wohnort entfernt) in einem Cafe sein.

Wie kann man Sie am besten aus der Ferne unterstützen?

Durch aufmunternde Whatsapp, durch Gebet und inneres Verbundensein, durch eine Spende für die Arbeit von Renovabis auf der Renovabis-Homepage. Und - wenn man/frau an der Route wohnt - durch ein Anfeuern auf der Strecke.

Tag 1-4

Eindrücke vom ersten Renntag

Rennstart war der 28. Juli 2017 um 22.00 Uhr in Geraadsbergen.

Tag 2

30.7.2017, 22.30 Uhr

Es war ein langer sehr guter Tag; am Fernpass allerdings platt; sehr schlappe Oberschenkel; hoher Puls. Später wurde es dann wieder besser. Im Inntal dann heftiges Gewitter mit starkem Regen. Abbruch für heute. Will morgen früh wieder neu starten. Bleibe aber optimistisch.

Tag 3

31.7.2017, ca. 4.20 Uhr

In der Nacht leider viele Schnaken im Zimmer, deshalb nur wenig Schlaf. Zuletzt aber doch noch 3 Stunden. Frühstücke nun und will gegen 5 Uhr wieder starten. Bin selbst gespannt, wie es heute laufen wird

Start in Richtung Kontrollpunkt 2 (Monte Grappa, Italien) von Innsbruck aus.

31.7. 2017, 22.30 Uhr

Herzliche Grüße aus einer Pizzeria! Kurz ein paar wesentliche Tagesimpressionen: das Wichtigste: heute nie hoher Puls, nie platt. Müde ja, aber nur die Oberschenkel - und lustigerweise die Arme. Knie weiter gut. Scheine Rennrythmus zu finden. Radwege meist o.k. - Pausen nie sehr lang. Als 12. zum Kontrollpunkt gekommen. War dort unspektakulär. Dann aber ein paar Radler getroffen, schön. V.a. mit dem bis dahin neuntplazierten Niederländer - der verrückterweise nun auch gerade in die Pizzeria kommt! Bin nicht müde, obwohl ich auch heute nur einen Kaffee trank. Daher will ich nun gleich weiter radeln, mal schauen, wie weit. Bin schon in der Poebene, da sind es auch jetzt noch 27 Grad. Beste Bedingungen zum radeln. Und morgen wird es sehr heiß, tagsüber auch viel Verkehr. Übrigens kann ich doch über Arnoldstein fahren, wenn ich einen fast parallel führenden Radweg noch auf italienischer Grenze finde...
Es wird Zeit - noch vorsichtig (das Rennen ist erst zu 32% gefahren) - die Schlagzahl zu erhöhen...

Tag 4

1.8.2017, 20:58 Uhr

Mein Tag heute: in der Nacht bei Mondenschein, fahre ich fast ohne Autoverkehr durch die Po-Ebene. Aus Vernunft lege ich mich kurz nach 2 Uhr doch noch in ein Hotel. Doch nach knapp 90 Minuten bin ich von selbst wieder wach. Nach Sonnenaufgang geht es weiter. Alles gut. Richtung Alpen und Österreich will ich den Alpe-Adria- Radweg nehmen. Nicht leicht zu finden, da kaum ausgeschildert. Irgendwann geht es höher und höher. Irgendwie, wohl falsch. Ja, etliche km und über 500 HM umsonst. Aber herrliche Natur. Es ist heiß inzwischen, für mich zu heiß. Aber es läuft doch recht gut, wundert mich selbst. Als ich bei einer Eispause die Whatsapp lese, weiß ich warum ich das mache: viele der mir wichtigen Menschen verfolgen gebannt das TCR und tauschen sich aus - obwohl sie sich kaum kennen. Auch die mir wichtigen Themen spielen dabei eine große Rolle. Das rührt mich, es bewegt mich sehr. So sehr, dass ich auf dem Rad, als ich daran denke, tiefe Tränen der Freude weine.

Ich bin überrascht, dass ich trotz meinem Umweg noch Neunter bin. Spricht dafür, dass die Anderen noch müder sind. Doch plötzlich beginnen mir meine Knie leicht zu schmerzen, dann etwas stärker. Ich sehe mich gezwungen, vorzeitig eine Unterkunft zu beziehen. Ich glaube nicht, dass die Knie über Nacht eine Wunderheilung erleben. Bin daher vollkommen überfragt, wie es morgen weiter geht. Von baldiger Heimreise über langsames weiterfahren und dafür ausgiebigere Projektbesuche bis zur Wunderheilung und einem Top 5-Platz scheint alles möglich.

Klar ist, dass ich nur aufgeben kann, wenn es medizinisch nicht anders zu verantworten ist. Das ist aber wohl noch nicht der Fall. Ich werde mal morgen mindestens bis Bratislava weiter fahren (versuchen). Sind nur noch läppische 270 km. Und dort steht ja das erste Treffen mit einem Renovabis-Projektpartner auf dem Programm. Ein lohnendes Ziel!

Wie bewegt sich das Feld?

Eine Zeitrafferansicht der Website trackleaders.com vom Start am28. Juli abends bis zum Mittag des 1. August. Christoph Fuhrbach hat die Startnummer 146 und ist derzeit an ca. 9. Stelle.

Tag 5-7

2.8.2017, 6.00 Uhr

Knie sind wieder besser. Wie es auf dem Rad gehen wird, werde ich gleich sehen, wenn ich starte. Bratislava ist nun mein nächstes Teilziel.

2.8.2017, 23:45 Uhr

Herzlich grüße ich aus der Slowakei. Bin sehr dankbar, dass ich weiter fahren konnte, sogar recht gut. Allerdings ein bisschen im Schongang, oft mit kleiner Übersetzung. War toll, dass ich Tibor Reimer in Bratislava treffen konnte und ein bisschen was von deren Arbeit vor Ort erleben durfte. Ein idealer Einstieg nach Osteuropa! Wenn Ihr diese und ähnliche Arbeit von Renovabis gut findet, spendet doch eine spürbare Summe auf deren TCR-Link. Auch könnt Ihr potentiell dafür aufgeschlossene Freunde/Innen und Bekannte darauf hinweisen.

Morgen (nur noch rund 50 km fehlen) ist für mich Bergfest. Mal schauen, wie es auf der zweiten Hälfte läuft. Mein Traumziel von 9 Tagen, 23 h und 59 min. habe ich noch nicht endgültig aufgegeben. Müsste nun aber sensationell fahren. Warum aber nicht?

Begegnung in Bratislava

Etwas Hintergrundinfo zu Pater Tibor Reimer:
Tibor Reimer erzählt über seinen Werdegang und das Wendejahr 1989

Tag 6

3.8.2017, 23.47 Uhr

Heute lief es super, bin die Anstiege fast hoch geflogen. Mein Muskelkater in den Oberschenkeln weg, die Kniebeschwerden kaum mehr wahr zu nehmen. Staunte. Genoss das Rennen, die bergige Landschaft, den Wald, die schönen Straßen, ja das Leben. Hatte Freude bei jeder Pedalumdrehung. Dann verfuhr ich mich. Es war ein Umweg von ca. 100 Kilometern. Das Ausmaß davon wurde mir erst nach und nach klar. Hätte eine Landkarte gebraucht. Der Schlussanstieg war sehr hart: dunkel, ganz schlechter Strassenbelag, plötzlich auch noch Wackelkontakt an meinem Vorderlicht. Musste zum Teil gehen. Die Knie taten am Ende dann auch wieder weh. Heftig. Gleichzeitig war ich unterwegs in genialer Gebirgslandschaft, mit Mondenschein. Die Begleiter am Kontrollpunkt waren super freundlich. Nun gilt es, die kommenden Tage gleich gut und dann auch die richtige Strecke zu fahren. Dann müsste ein Top 10-Platz immer noch schaffbar sein. Ab morgen habe ich einen neuen Streckenplan, hoffe, dass der sich wieder hoch laden lässt. Ansonsten muss ich mir wohl Landkarten besorgen.

Tag 7

4.8. 2017, 6.06 Uhr

Heute morgen fühlt es sich zum ersten Mal schwer an, das rechte Knie ist spürbar dicker (beim Gehen aber kaum schmerzhaft). Unterstützung tut mir heute besonders gut. Werde es erst mal langsam angehen.

4.8. 2017, Mitternacht

Meine drei Highlights des Tages:

  • völlig überrraschendes Treffen mit Jozef, den ich vorher gar nicht kannte... (s. Video)
  • dass ich doch noch einigermaßen in die Gänge kam
  • dass ich doch noch einen Ort zum Übernachten fand!!! Von der Polizei geführt..., der Portier vergab mir das letzte Zimmer, das eigentlich gar nicht vergeben werden soll.
    Gute Nacht, bin sehr müde..
    Christoph
    P.s. habe seit 14 Uhr die Route wieder am Garmin in Betrieb, da sollte nun auch die richtige Route für morgen drauf sein

Tag 8-10

7. August 2017, 7:36 Uhr

Ihr Lieben, i. Kürze: alles wieder anders. Heute Nacht werfen Jugendliche Steine auf mich und mein Rad. Ich hatte nur kurzfristig Schmerzen, meine Laufräder sind aber stark beschädigt. Muss zurück nach Caracal ins Radgeschäft. Habe im Straßengraben geschlafen. Heute aber auch sehr hilfsbereite Menschen getroffen. Spannend, wie es weiter gehen wird. Wie es so schön heißt: Gott schreibt auf krummen Zeilen. Ich scheine es gerade besser und tiefer zu verstehen.
Herzlich,
Christoph

Update, 11:38 Uhr

Ihr Lieben, danke für alle guten Worte. Die größte Delle aus dem Laufrad mit einer Zange (vom Bäcker, der mich am Morgen aufgegabelt und 13 km mit seinem Lieferwagen zu einer Autoreparatur mitgenommen hat) entfernt, den Plattfuß dann in der Autoreparatur geflickt, bin ich dann bis zum Unfallort zurück geradelt (erfordern die TCR-Regeln). Da ich mir aber nicht sicher war, ob es in Caracal wirklich ein Radgeschäft gibt, bin ich bereits dort umgekehrt und nun im rumänisch-bulgarischen Grenzort Bechet, von wo ich dann mit der Fähre über die Donau nach Bulgarien fahren kann. Hier ist ein kleines Radgeschäft. Leider haben sie keinen vernünftigen Zentrierschlüssel. Auch ist der Mann nicht nur Radmechaniker, sondern auch Baufach-Geschäftsleiter und mehr... - aber er versucht nun mit einer Zange zu zentrieren, denn vermutlich ist das nächste Radgeschäft erst in Sofia...
Wenn ich richtig Glück habe, wird es deutlich besser. Schlechter kann es nicht mehr werden / eiern. Im besten Falle komme ich dann heute noch nach Sofia, morgen mach Mazedonien (dort sind noch zwei Projektbesuche möglich) und am Mittwochabend nach Meteora...
Traut sich jemand, einzuschätzen, ob das noch für den 25. Platz reichen würde? Dieser würde mir nach den bisherigen Regeln automatisches Startrecht beim TCR 2018 geben... Herzlich und danke für alle - auch moralische - Unterstützung!
Christoph

P.S.:
Noch eine schöne Geschichte: heute früh warte ich, dass der Automechaniker sein Geschäft öffnet; er war sehr sympathisch; hat mich erst einmal gefragt, ob ich einen Kaffee will. Seine Frau wollte mir dann sogar ein Frühstück machen, ich hatte aber bereits beim Warten genug gefrühstückt; durfte sogar ihr Bad benutzen und konnte mir den Staub von gestern und vom Straßengraben in der Nacht sowie den Dreck vom Rad wieder abwaschen und sonstige Körperpflege betreiben... - war auch eine sehr bereichernde und berührende Begegnung - nun aber gehe ich wieder zum Radhändler...

Update, 12:39 Uhr

Ihr Lieben,
der Mechaniker ist kein Jean-Marie Galot, er hat es aber so hin bekommen, dass ich gut weiter fahren kann. Allerdings geht die nächste Fähre erst in gut eineinhalb Stunden. Von daher werde ich heute wohl nicht mehr nach Sofia kommen, es geht aber weiter. Übrigens denke ich auch schon fast mit Trauer daran, dass sich unsere whatsapp-Gruppe bald wohl auflösen wird (zumindest ihr Anlass geht ja vermutlich noch diese Woche zu Ende...)
Zwei Dinge können einem TCR 2018 noch im Wege stehen: dass es gar keine Auflage gibt, denn die 2017er Auflage wurde zu Ehren des vor 4 Monaten tödlich verunglückten Veranstalters - von ihm Nahestehenden - durchgeführt, der Aufwand ist aber enorm. Und der Veranstalter muss sehen, ob er diesen Aufwand noch einmal stemmen kann oder auch nicht.
Zum Anderen muss in dieser Sache erst noch der "Familienrat" tagen und schauen, ob er mir - wieder einmal - grünes Licht gibt oder sich diesmal auch gegen meine Ideen ausspricht, weil Anderes wichtiger ist...
Herzlich, Euer in zwei Stunden in Bulgarien trotz aller Hindernisse nach wie vor physisch wie auch psychisch wohl behaltene (und beschützte) Christoph

P.S. Dieses angebliche Radrennen stellt sich bei mir immer mehr als Pilger- bzw. Wallfahrt heraus, die in tief gehende Exerzitien münden...

Tag 8

5. August, 22:43

Liebe FreundInnen, bin noch in Medias. Vorhin sprach mich auf dem Rad jemand an,ob ich Christoph bin. Er kannte mich von der TCR-Webseite und bietet allen, die durch seinen Ort kommen an, ein Stück mit zu fahren. Bin dann mit Flavius Pizza essen gegangen. Seine Frau Laura kam dazu. Bin nun bei beiden zuhause. Sie haben mir ganz viel angeboten, von Wäsche waschen bis übernachten. Total schön. Ich fahre nun aber weiter Richtung Transfarasan, fühle mich sehr gut. Waren 42 Grad heute.
In Cluj-Napoca konnte ich noch den Diözesanökonom Christian Teglas treffen, mit ihm sprechen und auch wieder ein kurzes Video machen.
Euch allen herzliche Grüße,
Christoph

Tag 9

6. August, 15:29

Liebe FreundInnen
Habe doch noch bei Flavius und Laura übernachtet, war noch sehr schön. Heute dann aber noch vor Sonnenaufgang los und nun an Kontrolle 4. Super netter Empfang. Sehr schöne Gegend hier. Auf dem Anstieg kam mir der Gedanke, dass ich nun noch ein sportliches Glanzlicht setzen will: die schnellste Zeit aller Teilnehmenden von hier zu den Meteora-Klöstern... Top 10-Platz insgesamt dann auch, bin jetzt eh schon Elfter, trotz all meiner Stopps und Umwege...
Frühstücke nun und fahre dann weiter.
Euch allen einen guten Sonntag!
Christoph

Tag 11-13

8. August 2017, 10.00 Uhr

(Wenn das Video zu leise ist, bitte die Lautstärke der Boxen etwas höher drehen)

Update, 8. August 2017, 12.28 Uhr

Ihr Lieben,
kurzes Update von mir: war nun in vier Radläden (bei den Meisten sind die Mechaniker gerade in Urlaub); einer hat es nun aber gemacht und gut gemacht - das fahren ist nun dem Rennradfahren wieder sehr ähnlich; das Hinterrad wird es bis Meteora nun noch schaffen, muss dann aber bald ausgetauscht werden.
Dazu geht es auch mir nicht so gut, tue mir (sehr ungewohnt) schwer beim radeln, macht - was ich kaum kenne - gar keine Freude. Musste mich auch gestern Abend mehrfach übergeben und bin müde. Ich glaube, dass ich mir was eingefangen habe. Denn solche Zustände kenne ich nur, wenn ich krank bin. Immerhin: Fieber habe ich nicht... Wegen meiner Schlappheit und wegen der schon wieder sehr fortgeschrittenen Zeit werde ich es heute wohl nicht mehr nach Strumica schaffen, habe den dortigen Projektpartner entsprechend informiert. Bis Mazedonien will ich heute aber schon noch kommen.
Die große Menge an Hindernissen empfinde ich als sehr ungewöhnlich, ich kenne das jedenfalls nicht... Bin aktuell froh, wenn ich sie endlich alle übersprungen habe.
Herzlich,
Christoph

Tag 12

9. August 2017, 4:48 Uhr

Ihr Lieben,
war gestern am Abend nicht mehr in der Lage noch was Sinnvolles zu tippen. Wie ihr gesehen habt, kam ich kaum voran. Jede Pedalumdrehung fiel mir schwer. Fand ständig einem Grund, eine kurze oder längere Pause zu machen. Sportlich gesehen ist dieses Transcontinental für mich ein Desaster. Muss nun mit dieser Erfahrung umgehen lernen. Das Eingebettet sein in das unendlich viel Grössere eines 'Guten Lebens für Alle' samt unseres mich bewegenden Austausch helfen mir auch sehr dabei. Ich hoffe sehr, dass es mir heute wieder deutlich besser gehen wird, habe nun immerhin 7 Stunden tief am Stück geschlafen. Freue mich auch wieder auf das, was heute kommen mag: komme heute zum ersten Mal in meinen Leben nach Mazedonien und - wenn alles klappt - kann ich noch zwei Projektpartner von Renovabis treffen.
DANKE für Eure ungebrochen große Unterstützung!!! Sie tut mir sehr gut und bedeutet mir sehr viel.
Seid herzlich gegrüßt!
Christoph

9. August 2017, 22:05 Uhr

Ihr Lieben,
noch einen Nachtgruß.
Hatte einen vollen Tag. Radfahren machte wieder Freude, trotz 40 Grad - und fiel mir wieder leicht. Interessante und unterschiedliche Impressionen von Mazedonien. Zwei Projektbesuche, ganz verschieden. Mit Ace habe ich eben noch lange über die EU gesprochen. Er sieht in der EU die Perspektive für Mazedonien wie für alle Balkanländer. Nicht des Geldes wegen, sondern wegen der gemeinsamen Familie und Werte. Die Balkanländer bräuchten (bis auf Slowenien) alle noch Unterstützung im Aufbau der Demokratie und von staatlichen Organisationen.
Zwischen den beiden Projektbesuchen sah ich zum ersten Mal seit über drei Tagen wieder einen TCR-Fahrer: Sönke, der mich kurz vor dem ersten Kontrollpunkt über höre und mir seine Schlafstrategie erzählte: eine Nacht nur gut eine Stunde auf einer Parkbank, in der anderen Nacht dann im einem richtigen Bett. In der Slowakei riss ihm der Schalthebel. Er will die letzte Nacht durch fahren

Hätte ich eigentlich auch gerne gemacht, aber zum einen werde ich nun doch müde, zum anderen war für mich schon ein Hotelbett bestellt... Deshalb werde ich nun ein paar Stunden schlafen, dann aber noch vor Sonnenaufgang starten. Habe dann wohl einigen Rückstand auf Platz 25 aufzuholen. Mal schauen, ob das noch reicht.
Noch ein Schmankerl zum Schluss: auf dem Rad erzählt mir Sönke, dass er heute Mittag einen Platz zum kurzen Schlaf gesucht hat: ein schattiges Plätzchen, mit ein paar Bäumen außenrum. Auf einmal wird er geweckt und gefragt, ob er der Christoph sei. Es war der Pfarrer von Strumica, Trajkov, der mich auch in etwa zu dieser Zeit erwartete. Und Sönke war im Pfarrgarten gelandet...

Tag 13

10. August 2017, 2:20 Uhr

Danke liebe whatsapp-Gruppe,
dass Du mich daran "erinnerst", dass die Welt sich weiter dreht. Ich denke öfter daran, hatte mir aber so gut wie keine Zeit seit dem Start am 28.7. nehmen können, die Weltnachrichten ernsthaft wahr zu nehmen. Ich empfände es daher als einen echten freundschaftlichen Dienst, wenn mir jede/r, die/ der sich von dieser Idee angesprochen fühlt., mir seine/ihre bewegendste Weltnachricht der letzten beiden Wochen schreibt. Dann wäre auch ich wieder einigermaßen "auf dem Laufenden". Danke!
Christoph

P.s. die allermeisten fahren beim TCR die letzte Nacht durch, so bin ich nun auch aus den Top 25 raus gefallen; ich habe über 3 Stunden tief und erholsamen geschlafen. Frühstücke nun und mache mich dann gegen 3 Uhr auf die letzten ca. 260 km bis zu den Meteora-Klöstern - zunächst nach ca. 8 km über die Grenze nach Griechenland; das weltbekannte Flüchtlingslager in Idomeni ist nach Auskunft der Renovabis-Partner inzwischen aufgelöst, dort gäbe es also gar Nichts mehr zu sehen... - wenn ich mich nicht verfahre, sollte ich am (frühen?) Nachmittag ins Ziel kommen, vermutlich auch noch unter den ersten 25...
Einen guten Tag Euch allen, gerne voller Dankbarkeit und Freude!
Christoph

Impressionen von letzten Tag des Rennens

Zwei kaputte Reifen und meine Zieleinfahrt

Hintergrund-Infos

Interview mit Christoph Fuhrbach

Teaser zum 5. Transcontinental Race

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Ziel erreicht

Herzlichen Glückwunsch!

Christoph Fuhrbach ist angekommen: am 10. August erreichte er Meteora in Griechenland. Die knapp 4000 km lange Strecke legte er im Renovabis-Trikot zurück, um für ein solidarisches Europa zu werben.
Im Renovabis-Trikot

Transcontinental Race 2017

3.844 Kilometer, von Belgien nach Griechenland - Christoph Fuhrbach fährt das längste Radrennen Europas im Renovabis-Trikot und kommt dabei durch Projektländer wie die Slowakei, Rumänien und Mazedonien.
Helfen in Osteuropa

Renovabis in Kürze

In 29 Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas ist Renovabis tätig: von Albanien bis Weißrussland, von Estland bis Tadschikistan.

Fotos

Das Fahrrad

Das Fahrrad im Zug auf dem Weg nach Geraardsbergen, Belgien<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Christoph Fuhrbach</small>
Das Fahrrad im Zug auf dem Weg nach Geraardsbergen, Belgien
Foto: Christoph Fuhrbach
Vor dem Start des Transcontinental Race 2017 müssen alle Formalitäten geklärt werden.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: privat</small>
Vor dem Start des Transcontinental Race 2017 müssen alle Formalitäten geklärt werden.
Foto: privat

Tag 2 und 3

Mit diesem GPS-Sender wird der aktuelle Standort aufgezeichnet. Damit kann jeder nachvollziehen, wo sich die Fahrer gerade befinden.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: privat</small>
Mit diesem GPS-Sender wird der aktuelle Standort aufgezeichnet. Damit kann jeder nachvollziehen, wo sich die Fahrer gerade befinden.
Foto: privat
Der erste Abschnitt ist geschafft. Chistoph Fuhrbach (Mitte) ist am Kontrollpunkt in Schloss Lichtenstein angekommen.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: privat</small>
Der erste Abschnitt ist geschafft. Chistoph Fuhrbach (Mitte) ist am Kontrollpunkt in Schloss Lichtenstein angekommen.
Foto: privat
Montagmorgen: Es ist kurz vor 10 Uhr. Mittlerweile ist Christoph Fuhrbach in Italien angekommen.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Screenshot Webseite "Trackleaders.com"</small>
Montagmorgen: Es ist kurz vor 10 Uhr. Mittlerweile ist Christoph Fuhrbach in Italien angekommen.
Foto: Screenshot Webseite "Trackleaders.com"
Am dritten Tag um 5.48 Uhr in der Nähe von Innsbruck. Heute stehen die Alpen auf dem Programm.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: privat</small>
Am dritten Tag um 5.48 Uhr in der Nähe von Innsbruck. Heute stehen die Alpen auf dem Programm.
Foto: privat

Impressionen aus der Slowakei

Christoph Fuhrbach hat Bratislava erreicht und war zu Gast beim Fußballverein der Salesianer "SDM Domino".<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: privat</small>
Christoph Fuhrbach hat Bratislava erreicht und war zu Gast beim Fußballverein der Salesianer "SDM Domino".
Foto: privat
Dort traf er den Salesianerpater Tibor Reimer, der sich seit vielen Jahren für den Verein einsetzt.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: privat</small>
Dort traf er den Salesianerpater Tibor Reimer, der sich seit vielen Jahren für den Verein einsetzt.
Foto: privat

Der dritte Kontrollpunkt lag in der Hohen Tatra

Hohe Tatra (Nähe der polnisch-slowakischen Grenze)<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Marek 'Maky' Molnár</small>
Hohe Tatra (Nähe der polnisch-slowakischen Grenze)
Foto: Marek 'Maky' Molnár
Hohe Tatra im Herbstlicht (von Polen aus)<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Marek 'Maky' Molnár</small>
Hohe Tatra im Herbstlicht (von Polen aus)
Foto: Marek 'Maky' Molnár

Christoph Fuhrbach in Mazedonien

Christoph Fuhrbach auf Stippvisite in Strumica, hier mit Pfarrer Georgi Trajkov.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: privat</small>
Christoph Fuhrbach auf Stippvisite in Strumica, hier mit Pfarrer Georgi Trajkov.
Foto: privat
Christoph Fuhrbach vor dem "Mutter Theresa"-Zentrum in Gevgelja mit dem Direktor des Zentrums Ace Ristovski (rechts) und einem Priester mit Familie.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: privat</small>
Christoph Fuhrbach vor dem "Mutter Theresa"-Zentrum in Gevgelja mit dem Direktor des Zentrums Ace Ristovski (rechts) und einem Priester mit Familie.
Foto: privat
Inhalt erstellt: 28.07.2017, zuletzt geändert: 11.08.2017