Gruppenbild der katholischen Bischöfe in Belarus
Die katholischen Bischöfe in Belarus, v.l.n.r.: Bischof Yuri Kasabutsky, Weihbischof der Erzdiözese Minsk-Mogilev; Bischof Kazimir Velikaselets, Weihbischof der Diözese Pinsk, Bischof Jozef Staniewski, Weihbischof der Diözese Grodno; Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz, Metropolit von Minsk und Mogilev; Bischof Oleg Butkevich, Bischof von Witebsk; Bischof Alexander Kashkevich, Bischof der Diözese Grodno; Bischof Antoni Dziamianka, Bischof der Diözese Pinsk; Bischof Alexander Jaszewski SDB, Weihbischof der Erzdiözese Minsk-Mogilev
Quelle: Alexandra Shchiglinskaya / Catholic.by
26.11.2020 – Kirche in Belarus

Bischöfe von Belarus bitten um Solidarität und Gebet

Appell der katholischen Bischöfe von Belarus an die Katholiken und an alle Menschen guten Willens zur gegenseitigen Unterstützung und Solidarität und zum Gebet für eine rasche und friedliche Lösung der Krise.

Appell der katholischen Bischöfe von Belarus

Bereits vier Monate lang befindet sich unser Heimatland Belarus in einer zuvor noch nie dagewesenen gesellschaftlichen und politischen Krise, die sich leider immer weiter zuspitzt. Die Gewalt hört nicht auf, es wird weiterhin Blut vergossen, die Gesellschaft ist gespalten. Das verheißt nichts Gutes für eine glückliche Zukunft, denn, wie Christus sagte, ein in sich geteiltes Haus wird nicht bestehen (vgl. Mt 12,25).
Es ist kaum zu glauben, dass dies in unserem friedlichen Land geschieht, das für seine Toleranz und Harmonie zwischen Menschen verschiedener Glaubensrichtungen und Nationalitäten bekannt ist.

Die katholische Kirche, die sich vom Evangelium und ihrer darauf beruhenden Soziallehre leiten lässt, spricht sich gegen Gewalt, Gesetzlosigkeit, Ungerechtigkeit und Unrecht aus und verurteilt diese. Die Kirche ruft zur friedlichen Lösung von Problemen durch Dialog im Geiste der Gottes- und Nächstenliebe in Übereinstimmung mit den göttlichen und menschlichen Gesetzen auf.

Wir, die katholischen Bischöfe von Belarus, schließen uns der Ansprache von Papst Franziskus im Anschluss an das Angelus-Gebet am 13. September 2020 an. Darin rief der Papst dazu auf, auf die Stimme der Mitbürger zu hören und ihren legitimen Bestrebungen entgegenzukommen und die volle Achtung der Menschenrechte und bürgerlichen Freiheiten zu gewährleisten.
Dabei möchten wir betonen, dass der Hauptauftrag der Kirche darin besteht, das Evangelium um des Aufbaus des Reiches Gottes willen zu verkünden, das sich nicht von den Prinzipien dieser Welt leiten lässt und keinen Anspruch auf irdische Macht erhebt. Daher erfüllt die Kirche keine staatlichen Aufgaben und kann von niemandem für politische Zwecke genutzt werden.

In dieser schicksalhaften Zeit in der Geschichte unseres Heimatlandes müssen wir, wie der Heilige Apostel Paulus lehrte, die Lasten des anderen tragen (vgl. Gal 6,2), uns gegenseitig unterstützen und solidarisch sein, um ein geeintes Belarus aufzubauen und kein geteiltes.
Wir appellieren an die Katholiken und an alle Menschen guten Willens, weiterhin für eine rasche und friedliche Lösung der Krise zu beten, denn gesegnet sind die Friedensstifter und diejenigen, die nach Gerechtigkeit hungern, wie Christus sagt. Möge das Gute das Böse überwinden.

Friede und Heil Dir, unserem Heimatland Belarus!

Die katholischen Bischöfe von Belarus
Minsk, 25. November 2020

Text auf weißrussischer Sprache:

Обращение католических епископов Беларуси

Наше отечество Беларусь уже четвёртый месяц находится в невиданном доселе общественно-политическом кризисе, который, к сожалению, усугубляется. Насилие не прекращается, продолжает проливаться кровь, общество разделено. Это не предвещает ему счастливого будущего, поскольку, как говорил Христос, дом, разделившийся сам в себе, не устоит (ср. Мф 12, 25).
Трудно поверить, что такое происходит в нашей миролюбивой стране, известной своей терпимостью и согласием между людьми разных вероисповеданий и национальностей.
Католическая Церковь, руководствуясь Евангелием и основанном на нём социальным учением, высказывается против насилия, беззакония, несправедливости и неправды и осуждает их. Церковь призывает к мирному разрешению возникших проблем путём диалога в духе любви к Богу и ближнему, с соблюдением Божиих и человеческих законов.
Мы, католические епископы Беларуси, присоединяемся к обращению Папы Франциска, адресованному им после молитвы «Angelus» 13 сентября 2020 г. государственной власти. В нём Понтифик призвал прислушаться к голосу сограждан и пойти навстречу их законным стремлениям, обеспечив полное соблюдение прав человека и гражданских свобод.
При этом мы хотим подчеркнуть, что основная цель Церкви — провозглашать Евангелие ради построения Царства Божия, которое не руководствуется принципами этого мира и не претендует на земную власть. Поэтому Церковь не исполняет государственных функций и не может никем быть использована в политических целях.
В это судьбоносное время истории нашего отечества, как учил святой апостол Павел, мы должны носить бремена друг друга (ср. Гал 6, 2), оказывать взаимную поддержку и солидарность для построения единой, а не разделённой Беларуси.
Мы обращаемся к католикам и ко всем людям доброй воли с призывом продолжать возносить свои молитвы о скорейшем и мирном разрешении кризиса, ибо блаженны миротворцы и жаждущие справедливости, как говорит Христос. Добро да победит зло.
Мир и добро тебе, наше отечество Беларусь!

Католические епископы Беларуси
Минск, 25 ноября 2020 г.

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Inhalt erstellt: 26.11.2020, zuletzt geändert: 26.11.2020