Bischof Clemens Pickel
Bischof Clemens Pickel ist ein langjähriger Partner von Renovabis, der immer wieder auch im Kontext von Pfingstaktionen über seine Arbeit in der Diaspora berichtet hat, wie hier in Dresden 2014.
Quelle: Rafael Ledschbor
19.02.2020 – Partnerbesuch

„Ein Bistum viermal so groß wie Deutschland“

Ein langjähriger Projektpartner zu Besuch in Freising: Bischof Clemens Pickel aus Saratow an der Wolga kam zu Gesprächen in die Renovabis-Geschäftsstelle und berichtete im Rahmen des wöchentlichen Jour Fixe über die pastoralen Herausforderungen seiner Arbeit in Russland.

Seit fast 30 Jahren, mehr als sein halbes Leben, ist Clemens Pickel nun in Russland als Seelsorger tätig, seit 2002 ist er Bischof im südrussischen Bistum „St. Clemens“ mit Sitz in Saratow. Spricht man ihn auf seine Sorgen an, so nennt er die großen Entfernungen und geringe Anzahl der Priester. 44 Priester gibt es im Bistum. Weil es so groß ist, kommen damit statistisch elf Priester auf eine Fläche so groß wie Deutschland - eine absolute Diaspora-Situation. Nur drei der Priester sind Russen, die übrigen kommen mehrheitlich aus Polen, sowie aus der gesamten „katholischen Welt“ – von Lateinamerika bis Asien.
Dennoch sieht Bischof Pickel auch viele Hoffnungszeichen. Die Menschen hatten im Kommunisten 70 Jahre lang Glauben und Gemeinde ohne Priester gelebt, weil diese erschossen oder in den Gulag verschleppt wurden. Die Öffnung vor 30 Jahren machte die Wiederbelebung und Neugründung katholischer Gemeinden erst möglich. Oft, so Bischof Pickel, sei der Glaube schon drei Generationen lang verschüttet, junge Leute hätten Eltern und Großeltern, die nicht gläubig seien. Und dennoch kämen Menschen zu den Priestern mit der Bitte, sie beten zu lehren. So etwas höre man im Westen nur noch selten. Das gebe Hoffnung.

Ich wünsche mir mehr echtes Interesse für Russland und seine Menschen.

Was wünscht er sich von Renovabis und von Deutschland? Spontan gibt er zur Antwort „Mehr echtes Interesse für Russland und seine Menschen“. Man könne auf den Osten nicht durch die gleiche weltkirchliche Brille wie auf den Süden der Welthalbkugel schauen. Die Katholiken in Russland sind auch in Zukunft auf Solidarität aus Deutschland angewiesen. Wichtig ist nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch eine Verbindung in spiritueller Hinsicht: durch das Gebet und durch den direkten Kontakt zwischen katholischen Gemeinden in Deutschland und Russland.

Inhalt erstellt: 19.02.2020, zuletzt geändert: 19.02.2020