Die ukrainische Flagge
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ein Verbot von Versammlungen von mehr als zehn Personen angeordnet. Dazu gehören auch Gottesdienste.
18.03.2020 – Corona-Krise

Einschränkungen auch in der Ukraine

Die ukrainische Regierung schränkt wegen der Corona-Pandemie das öffentliche Leben massiv ein, auch Gottesdienste sind betroffen. Die aktuelle Lage im Schwerpunkt-Land der Renovabis-Pfingstaktion und ein Interview mit dem Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk.

Die Ukraine ist in diesem Jahr Schwerpunkt-Land der Renovabis-Pfingstaktion. Seit sechs Jahren herrscht im Osten des Landes Krieg - nun kommt die Corona-Pandemie dazu. Die aktuelle Lage: Landesweit wird der Zug- und Flugverkehr sowie der Transport mit U-Bahnen verboten, informierte Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj. Im öffentlichen Personennahverkehr dürften nur noch jeweils höchstens 20 Personen in Bussen und Straßenbahnen fahren. Seit 17. März 2020 sind Geschäfte und Cafes sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen geschlossen. Davon ausgenommen sind Lebensmittelläden, Apotheken und Tankstellen. Restaurants und Cafes stehe es nur noch offen, Bürgern Speisen auf Bestellung nach Hause zu liefern. Zudem ordnete der Präsident ein Verbot von Versammlungen von mehr als zehn Personen an. Dazu gehörten auch Gottesdienste. Er forderte die Geistlichen aller Kirchen auf, „die Gefahr für die Gesundheit und das Leben von Menschen zu verstehen“. „Ich empfehle allen zu Hause zu bleiben, bis auf den notwendigen Einkauf von Nahrung und Arzneimitteln“, so Selenskyj. (Quelle: KNA)

Sich der eigenen Verantwortung für die Gesundheit aller bewusst werden

Das Oberhaupt der Griechisch-Katholischen Kirche der Ukraine, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, schildert im Gespräch mit Radio Vatikan die derzeitige Lage:

„Auch in der Ukraine werden Sondermaßnahmen ergriffen, es wird überlegt, den Notstand auszurufen. In diesen schwierigen Zeiten versuchen wir als Kirche vor allem, den Leuten zu helfen, sich ihrer eigenen Verantwortung für die Gesundheit aller bewusst zu werden – im privaten wie öffentlichen Bereich. Wir bemühen uns auch, den Menschen beizustehen, die der Pandemie besonders ausgeliefert sind und fördern neue Formen der christlichen Solidarität – sowohl um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, als auch um für Hilfsbedürftige da zu sein.“

Im Vergleich zu anderen Europäischen Ländern scheint die Verbreitung des Corona-Virus in der Ukraine nicht sehr weit fortgeschritten zu sein. Doch Großerzbischof Schewtschuk denkt auch an den Krieg im Osten des Landes:

„Zurzeit können wir das wahrscheinlich noch nicht begreifen, aber die Leute im Kriegsgebiet sind mit Blick auf die Gesundheitsversorgung jetzt noch gefährdeter. In den Konfliktgebieten sind fast nur alte Leute geblieben, alle, die ihre Heimat nicht verlassen konnten. Und sie sind nun besonders gefährdet. Wir versuchen daher, mögliche staatliche Hilfen für diese Menschen zu bekommen. Außerdem wollen wir mit Hilfe unserer kirchlichen Einrichtungen ein Sozialhilfe-Netzwerk aufbauen, besonders mit der Caritas, damit die besonders Bedürftigen angemessene Hilfe bekommen.“

In der griechisch-katholischen Kirche werde in diesen Tagen daher auch besonders alter und einsamer Menschen gedacht:

„Sie stehen im Mittelpunkt unserer Gebete und unseres Sozialdienstes. Wir rufen auch unsere Gläubigen auf, sich um Alleinstehende zu kümmern, etwa indem sie Nachbarn Hilfe beim einkaufen anbieten oder auch einfach nur mal anklopfen, und nachfragen – wie geht es dir? Unterm Strich: Die christliche Solidarität wandelt ihre Form in Zeiten des Coronavirus, aber sie erlischt nicht!“

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Inhalt erstellt: 18.03.2020, zuletzt geändert: 25.03.2020