Ehemaliges Straflager Spac in Albanien
Das ehemalige Straf- und Arbeitslager im albanischen Spac. Während der Herrschaft der Kommunisten wurden hier Abertausende Menschen misshandelt, gefoltert und getötet. Mittlerweile drohen die Ruinen des ehemaligen Lagers zu verfallen und die Aufarbeitung gerät immer wieder ins Stocken.
03.09.2018 – Albanien

„Für die Zukunft ist Wahrheit unabdingbar“

Im albanischen Straf- und Arbeitslager Spac sind während der Herrschaft der Kommunisten Abertausende Menschen misshandelt und getötet worden. Junge Menschen besuchen mit Unterstützung von Renovabis diesen Ort der Erinnerung - mit dabei: Weltkirche-Bischof Ludwig Schick.

Die „Straße der Tränen“, diese 7 Kilometer lange Straße mussten Angehörige zum abgelegenen Arbeitslager gehen, um ihre Verwandten in Gefangenschaft für 10 Minuten sehen zu dürfen. Beim Sommercamp im albanischen Spac wurde nun ein entsprechendes Straßenschild enthüllt. Was nach einem formalen Akt klingt, ist für die Überlebenden und die Hinterbliebenen ein wichtiges Zeichen, dass ihr Leid und die menschenverachtenden Gräueltaten wahrgenommen werden. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn die Ruinen des ehemaligen Lagers drohen zu verfallen und die Aufarbeitung gerät immer wieder ins Stocken. Renovabis unterstützt die Partner vor Ort bei der Erhaltung des ehemaligen Gefangenenlagers als Erinnerungsort und hat auch das diesjährige Sommercamp gefördert.

Über die Hintergründe und die Eindrücke des Treffens an diesem wichtigen Ort der Erinnerung haben wir mit Weltkirche-Bischof Ludwig Schick gesprochen.

Herr Erzbischof, Sie bereisen gerade Albanien und sind nach Spac gefahren. Was ist das für ein Ort?

Spac ist ein ehemaliges Straf- und Arbeitslager. Es liegt sehr isoliert in den Bergen, an einer Kupfermine. Während des Kommunismus wurde in Spac viele Priester und Ordensleute inhaftiert, gequält und hingerichtet.

Wie sieht es dort heute aus?

Die Ruinen des Lagers verfallen. Heute geht es darum, die Geschichte der Verfolgung vor dem Vergessen zu bewahren und den Opfern ein Gesicht zu geben. Die katholische Kirche in Albanien und ihre Kommission Justitia et Pax haben die Initiative ergriffen: Spac soll erhalten bleiben und ein Erinnerungsort werden, der zum Nachdenken anregt über Heil und Unheil in der Geschichte, über das, was Menschen anderen Menschen im Namen von Ideologien antun können und das, was der Humanität dient.

Spac soll erhalten werden und das Sommercamp an dem Sie teilgenommen und mitgearbeitet haben ist ein Beitrag dazu. Was haben Sie dabei erfahren?

Beim Arbeiten habe ich über die Menschen nachgedacht, die an diesem Ort körperlich und seelisch gequält und für die Bergwerksarbeit versklavt wurden. Aber ich habe mich auch gefragt, wen die kommunistische Ideologie mehr entmenschlicht hat: die Gefangenen oder die Gefängniswärter. Ich kam zu dem Schluss: Die Gefängniswärter, denn ohne dass ein Mensch die von Gott gegebene Menschlichkeit vergisst, kann er seinen Mitmenschen nicht so etwas antun.

Eine andere Erkenntnis habe ich mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Sommercamps geteilt: Arbeiten gehört zur Natur und zur Würde des Menschen. Menschen haben ein Recht auf Arbeit, sie macht Freude, gibt dem Leben Sinn und stärkt die Gemeinschaft. Die Voraussetzung, ist natürlich, dass die Arbeit freiwillig und entsprechend der eigenen Kräfte und Begabungen getan und angemessen entlohnt wird. Erzwungene Arbeit, ohne Rücksicht auf die Freiheit und die Fähigkeiten des Einzelnen und ohne Entlohnung, ist entwürdigend und widerspricht den Menschenrechten.

Welche Rolle kann die Kirche im Prozess um Aufarbeitung, Versöhnung und Wiedergutmachung einnehmen?

Besonders die dunklen Zeiten der Geschichte müssen angeschaut werden, damit sie nicht als Hemmschuh oder gar Fallstrick für die Zukunft werden. Die Menschen haben in Albanien unter dem kommunistisch atheistischen Totalitarismus furchtbar gelitten. Die Gesellschaft ist auch heute gespalten. Es herrscht viel Misstrauen, die Menschen sind vielfach gelähmt, weil die Verbrechen besonders unter dem Regime von Enver Hoxha nicht aufgearbeitet sind. Es herrscht auch viel Hoffnungslosigkeit, besonders unter den jungen Menschen, die die einzige Lösung in der Auswanderung sehen, was die Nation schwächt. Für die Zukunft ist Wahrheit über die Vergangenheit unabdingbar. Die Schuldigen an den Menschheitsverbrechen müssen sich stellen. Sie müssen Reue zeigen und Wiedergutmachung für die Opfer leisten. Die Opfer können an Versöhnung und Frieden mitwirken indem sie Vergebung gewähren.

Als deutsche Kirche mit Renovabis und der Maximilian-Kolbe-Stiftung möchten wir der Kirche in Albanien helfen für ihre Nation, die Unheilsgeschichte aufzuarbeiten und zur Heilsgeschichte in Zukunft beizutragen.

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Inhalt erstellt: 03.09.2018, zuletzt geändert: 21.09.2018