P. Hans Zollner SJ referierte während einer Fachkonferenz zum Thema Kinderschutz an Katholischen Schulen in Ungarn.
Als Experte zum Thema war P. Hans Zollner SJ vom „Center for Child Protection“ der Gregoriana in Rom eingeladen.
Foto: Zita Merényi
06.06.2019 – Konferenz

Konferenz zum Kinderschutz an Katholischen Schulen in Ungarn

Kinderschutz an Katholischen Schulen in Ungarn – um dieses wichtige Thema ging es bei einer Fachkonferenz in Budapest, die das Katholische und das Ignatianische Pädagogische Institut mit Unterstützung von Renovabis am 24. Mai 2019 veranstaltet hatten.

Rund 200 Schulleiter und Schulleiterinnen und weitere pädagogische Fachkräfte von katholischen Schulen aus ganz Ungarn waren der Einladung gefolgt.
Thema war Kinderschutz im Schulbereich im weiteren Sinne, d.h. nicht nur Schutz vor sexuellem Missbrauch - auch wenn bei der Konferenz darauf ein besonderes Augenmerk lag -, sondern auch allen anderen Formen von psychischer und physischer Gewalt, Drogenprävention, Schutz vor Phänomenen wie Cyber-Mobbing, etc.

Als Experte und für die internationale Perspektive war P. Hans Zollner SJ vom „Center for Child Protection“ der Gregoriana in Rom eingeladen. Den zweiten Hauptvortrag hielt der Erzabt von Pannonhalma, P. Cirill Hortóbagy OSB, gemeinsam mit dem Schulleiter des dortigen großen Internats, P. Albin Juhász-Laczik OSB. Sie berichteten aus der Praxis, wie sie an ihrer Schule in Pannonhalma ein umfassendes Kinderschutzkonzept entwickelt und umgesetzt haben, z.B. dass es dort nicht nur einen Beauftragten für das Thema, sondern eine dreiköpfige „Schutzgruppe“ gibt, was die Chance erhöht, dass Opfer eine Person davon sympathisch finden und sich ihr anvertrauen. Wichtig sei es außerdem, auch bei diesem Thema konsequent die Schülerschaft miteinzubeziehen, und natürlich ein klar geregeltes und transparentes Verfahren zum Umgang mit Verdachtsfällen zu haben.

Rund 200 Schulleiterinnen und Schulleiter, sowie weitere pädagogische Fachkräfte von katholischen Schulen aus ganz Ungarn nahmen an der Konferenz teil.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Zita Merényi</small>
Rund 200 Schulleiterinnen und Schulleiter, sowie weitere pädagogische Fachkräfte von katholischen Schulen aus ganz Ungarn nahmen an der Konferenz teil.
Foto: Zita Merényi

An die Hauptvorträge im Plenum schloss sich nachmittags die Arbeit in Kleingruppen an. In insgesamt 12 Workshops wurden „Best Practice“-Beispiele von verschiedenen Schulen in Ungarn, sowohl zum Umgang mit evtl. auftretenden Fällen, als auch für die Prävention vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht.
Die Konferenz als solche war nicht öffentlich, die Veranstalter hatten aber zu einer Pressekonferenz mit den Hauptrednern geladen, die ebenfalls auf breites Interesse stieß. P. Hans Zollner erklärte hier auf Nachfrage der Journalisten, zwar kein Experte für Ungarn zu sein, machte aber nochmals deutlich, dass die Dunkelziffer in Bezug auf sexuellen Missbrauch allgemein hoch ist und dass dieser grundsätzlich in allen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten auftreten kann.

P. Cirill Hortóbagy OSP reflektierte bei der Pressekonferenz auch die Rolle der Medien: Einerseits hätten Schulen natürlich Angst um ihren guten Ruf, wenn Fälle auftreten und dies in die Öffentlichkeit getragen wird, andererseits ermutige dies Opfer, sich zu melden und Missbrauch anzuzeigen, es habe also auch sein Gutes, könne sogar für die Schulen selbst positiv sein, wenn sie öffentlich zeigten, wie sie aus Fehlern lernten, sich der Herausforderung stellen und Konzepte für Kinderschutz entwickeln. Damit appellierte der Erzabt von Pannonhalma, der als solcher zugleich Mitglied der Ungarische Bischofskonferenz ist, für einen offenen, sensiblen und als Institutionen auch offensiven Umgang mit dem Thema Kinderschutz.
Renovabis unterstützt bereits seit 2016 eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema, in der sieben Ordensgemeinschaften im Erziehungsbereich aktiv sind, die Ordenshochschule „Sapientia“ in Budapest und das „Katholische Pädagogische Institut“ der Bischofskonferenz vertreten sind. Die jetzige Konferenz war in vielen Punkten ein Resultat der Zusammenarbeit in dieser Arbeitsgruppe.

Inhalt erstellt: 02.07.2019, zuletzt geändert: 02.07.2019