Pfarrer Dr. Christian Hartl, Renovabis-Hauptgeschäftsführer, ist seit Juli 2019 Sprecher der MARMICK.
Pfarrer Dr. Christian Hartl, Renovabis-Hauptgeschäftsführer, ist seit Juli 2019 Sprecher der MARMICK.
Foto: Lisa Bahnmüller / Renovabis
16.08.2019 – Interview

„Mehr Solidarität für weniger Elend auf der Welt“

Die katholischen Hilfswerke in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es sich weiter für Solidarität weltweit einzusetzen, betont der frisch gewählte MARMICK-Sprecher und Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Dr. Christian Hartl im Interview.

Die katholischen Hilfswerke in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen. Nicht nur eine neue Welle von Nationalismus macht der weltkirchlichen Arbeit zu schaffen, auch die Krise der Kirche in Deutschland erfordert Kreativität und Mut. Umso wichtiger ist es den Hilfswerken der MARMICK, also Misereor, Adveniat, Renovabis, Missio, Caritas international und dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, sich weiter für Solidarität weltweit einzusetzen, betont der frisch gewählte Sprecher und Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Dr. Christian Hartl im Interview.

Pfarrer Hartl, im Juli wurden Sie zum neuen MARMICK-Sprecher gewählt. Wie gehen Sie diese neue Aufgabe an?
Die Aufgabe des Sprechers geht in zwei Richtungen. Zum Einen nach innen: Es gilt, die Leitungskonferenz der MARMICK vorzubereiten und die Umsetzung der Beschlüsse der Hilfswerke zu gewährleisten. Andererseits muss ich als Sprecher der MARMICK-Werke auch nach außen kommunizieren. Sprecher sein heißt, das auszusprechen, was innerhalb unserer Konferenz vereinbart worden ist. Und der Sprecher ist Ansprechpartner bei Themen, die uns alle gemeinsam betreffen. Als Sprecher werde ich freilich von einer Sprechergruppe unterstützt. Mit mir gewählt wurden auch einer der Geschäftsführer von Misereor, Thomas Antkowiak, und der Geschäftsführer von Adveniat, Stephan Jentgens. Am Montag haben wir uns getroffen und vereinbart, wie wir die Zusammenarbeit gestalten wollen und welche Herausforderungen es gibt.
Welche Herausforderungen gibt es?
In einer Zeit, in der ein US-Präsident sagt: „Unsere Nation zuerst“ – und andere meinen, das nachsagen zu müssen – da ist Solidarität keine Selbstverständlichkeit mehr. Uns wird es darum gehen, den Solidaritätsgedanken weiter stark zu machen. Ein zweiter Punkt: Die Situation der Kirche in Deutschland ist nicht einfach; wir erleben derzeit eine Glaubwürdigkeitskrise. Wir dürfen in dieser Krise aber auch erleben, dass das Engagement der Werke und die weltkirchliche Arbeit in der Öffentlichkeit sehr geschätzt werden. Das ist eine große Chance. Eine dritte Herausforderung liegt auf der Gemeindeebene: Durch das Zusammenlegen von Pfarreien drohen weltkirchlichen Anliegen unter den Tisch zu fallen. Wir müssen sehen, wie weltkirchliches Engagement auf der Gemeindeebene gesichert bleibt.
Sie sagen, dass das weltkirchliche Engagement der Werke in der Öffentlichkeit sehr geschätzt wird. Haben Sie den Eindruck, dass es zivilgesellschaftlich mehr Sensibilität für diese Themen gibt?
Es gibt sehr erfreuliche Entwicklungen, die wir beobachten. Ich greife nur das Beispiel „Fridays for Future“ heraus. Vor zwei, drei Jahren hätte man noch nicht gedacht, dass eine ganze Generation aufsteht und sagt: „Wir müssen uns für unsere Umwelt einsetzen.“ Durch Papst Franziskus und seine Umwelt-Enzyklika „Laudato si'“ wurde die Verantwortung für die Schöpfung bereits stark gemacht und die Hilfswerke haben sie in vielen Bildungsveranstaltungen thematisiert.
Die Ausrichtung und Länderschwerpunkte der Hilfswerke sind sehr verschieden. Was sind Gemeinsamkeiten, die Sie herausstellen wollen? Und wie kann das durch das gemeinsame Jahresthema Frieden im nächsten Jahr gelingen?
Ein Kollege hat es neulich auf den Punkt gebracht: Es geht uns um mehr Solidarität für weniger Elend auf der Welt. Und es geht um faire Rahmenbedingungen für ein gutes Leben für alle Menschen weltweit. Das gemeinsame Friedensthema der Hilfswerke 2020 ist ein Experiment, das wir wagen. Ein Thema, das alle Werke und auch die Diözesanstellen permanent im Blick haben, wird aufgegriffen und aus der Perspektive verschiedener Länder durchbuchstabiert. Wir von Renovabis etwa wollen die Ukraine ins Blickfeld rücken. Dort ist seit mehr als fünf Jahren Krieg und die Sehnsucht nach Frieden ist groß. Andere Werke werden andere Länder in den Fokus nehmen.
Inwiefern wird das Friedensthema der Hilfswerke im kommenden Jahr helfen, mit einer Stimme zu sprechen? Wie kam es überhaupt zu dieser gemeinsamen Themenwahl?
Der Ausgangspunkt für das gemeinsame Friedensthema war die Rückmeldung aus den Pfarrgemeinden, dass es schwierig ist, wenn das Jahr über von den Hilfswerken viele sehr unterschiedliche Themen angesprochen werden. Das war früher einfacher, denn da gab es noch in jeder Pfarrgemeinde einen Missionskreis, der sich den Aktionsthemen gewidmet hat. Das ist heute vielfach nicht mehr gewährleistet. Jetzt aber ergibt sich aus der Not eine Chance: Es kann von Vorteil sein, wenn man sich auf ein Thema verständigt, das von allen dann unterschiedlich akzentuiert wird.
Ist es dann auch sinnvoll, sich noch ökumenischer auszurichten? Sind neue, engere Kooperationen etwa mit Werken der evangelischen Kirche geplant?
Grundsätzlich ist uns natürlich jede Kooperation willkommen! Eine große Chance bietet der Ökumenische Kirchentag im Mai 2021. Da ist schon vereinbart, dass es ein „weltkirchliches Dorf“ geben wird. Da werden wir gemeinsam präsent sein, gemeinsame Angebote sind in Planung. Vereinzelt gibt es aber auch bestehende ökumenische Kooperationen etwa von Misereor und Brot für die Welt.
Welche neuen Akzente wollen Sie als Sprecher der MARMICK setzen?
Es ist nicht die Aufgabe des Sprechers, neue Schwerpunkte zu wählen. Was aber immer schon in der MARMICK sehr wichtig war und was ich stets positiv erlebt habe, das ist die enge und unkomplizierte Zusammenarbeit unter uns. Dass es einen offenen Austausch gibt und die Kommunikation möglichst unkompliziert vonstatten geht, das möchte ich fördern, so gut es mir möglich ist.

Lesen Sie das komplette Interview auch auf weltkirche.katholisch.de

Das Interview führte Claudia Zeisel von weltkirche.katholisch.de

Inhalt erstellt: 16.08.2019, zuletzt geändert: 19.08.2019