Schild an der "grünen Grenze" von Litauen nach Belarus, Juli 2021
Schild an der "grünen Grenze" von Litauen nach Belarus, Juli 2021
Quelle: Markus Nowak
25.08.2021 – Illegale Grenzübertritte

„Menschlichkeit steht im Vordergrund“

Die litauische Caritas setzt sich für Migrantinnen und Migranten ein, die – aus Belarus kommend – die grüne Grenze nach Litauen illegal überquert haben und nun auf Asyl hoffen. Auch die Situation an der polnischen Ostgrenze ist angespannt, polnische Bischöfe bitten um Solidarität.

Seit Anfang des Jahres sind mehrere 1000 Menschen illegal über die grüne Grenze von Belarus nach Litauen gelangt. Das Land hat kaum Erfahrungen mit einer solchen Situation und setzt nun die Armee an der Grenze ein. Die Migranten werden festgenommen und in provisorischen Unterkünften (Zelte und Container) untergebracht. Die Situation ist angespannt. Für die Menschen, die nun auf unbestimmte Zeit in Lagern leben müssen, setzt sich auch die litauische Caritas, langjähriger Projektpartner von Renovabis, ein.

Auf ihrer Homepage wendet sich die Caritas Litauen an die Menschen im Land und schildert die Situation der Migranten unter dem Titel „Menschlichkeit steht im Vordergrund. Helfen Sie mit, sich um die Grundbedürfnisse der am stärksten gefährdeten Flüchtlinge zu kümmern!“

„Wir sind derzeit mit einer besonderen Situation konfrontiert - eine große Zahl von Migranten aus verschiedenen Ländern überquert die litauische Grenze. Wussten Sie, dass fast ein Drittel der in Litauen ankommenden Migranten Frauen sind und etwa ein Viertel minderjährig ist? Unter ihnen befinden sich auch viele schutzbedürftige Menschen: Frauen mit Kindern, Schwangere, unbegleitete Minderjährige und Menschen mit Behinderungen, die unsere Hilfe benötigen. Die Neuankömmlinge kommen aus mindestens 23 Ländern, die meisten von ihnen aus dem Irak (rund 2.800 Personen)." (Quelle: caritas.lt)

Kardinal besuchte Auffanglager

Kardinal Bačkis, emeritierter Erzbischof von Vilnius, hat Auffanglager an der Grenze besucht. In einem Interview mit VaticanNews berichtet er:

„Ich habe nur mit einigen Migranten sprechen können – aber sie haben mir schwierige Geschichten erzählt. Ich erinnere mich an eine Familie: eine jesidische Familie aus dem Nordirak, wo sie stark verfolgt wurde. Als der Papst im Irak war, hat er die Jesiden besonders erwähnt. Sie haben alles verloren, ihr Zuhause... Sie wollen über Litauen nach Europa gelangen. Mit einem Wort, all diese Menschen wollen ein besseres Leben, sie wollen in Westeuropa ein neues Leben beginnen.“

Die litauische Caritas bringt den Migranten Kleidung, in vielen Pfarreien wird für die Gäste an der Grenze gesammelt. Es gebe viel guten Willen, sagt Bačkis. Doch eigentlich wünscht er sich die ganze Gesellschaft Litauens offener und einfühlsamer. (Quelle: vaticannews.va).

Die litauische Grenze wird in den kommenden Monaten durch einen Grenzzaun geschützt.
Lesen Sie auch die Reportage „Lukaschenkos Rache“ von Markus Nowak: deutschlandfunkkultur.de

Anti-Migrationsplakate in Litauen
Anti-Migrationsplakate in Litauen
Quelle: Markus Nowak
Aufnahmelager für Migranten im litauischen Rudininkai, Juli 2021
Aufnahmelager für Migranten im litauischen Rudininkai, Juli 2021
Quelle: Markus Nowak

„Gleichgültigkeit ist keine echte christliche Haltung"

Auch Polen sichert nun seine Grenze nach Weißrussland mit einem Grenzzaun und 900 Soldaten. Besonders tragisch ist die Situation einer Gruppe von Afghanen, die seit zwei Wochen im Wald an der polnisch-belarussischen Grenze festsitzen. Die polnischen Behörden verweigern ihnen die Einreise, belarussische Soldaten verhindern eine Rückkehr nach Belarus. 24 Menschen müssen auf einer Fläche von 30 Quadratmetern im Freien ausharren.
Die Migrationskommission der Polnischen Bischofskonferenz hat sich vor einigen Tagen in einer Pressemitteilung zur Situation geäußert und auf die besorgniserregende Lage an der Ostgrenze aufmerksam gemacht:

„Gleichgültigkeit ist keine echte christliche Haltung. Lassen Sie uns die Vorstellungskraft der Barmherzigkeit entfachen, die es uns ermöglicht, (...) die Mission des barmherzigen Samariters zu erfüllen. Menschen guten Willens - unabhängig von der Religion - bitten wir um Solidarität mit den Kriegsflüchtlingen, die zu uns kommen, Menschen, die verfolgt werden oder unter Armut leiden.“

Auch hier setzt sich die polnische Caritas für Geflüchtete ein, die Bischöfe bitten um ihre Unterstützung:

„Wir bitten Menschen guten Willens, sich der Kampagne "Afghanistan" der Caritas Polska anzuschließen und beim Sammeln von Geldern zu unterstützen, um Menschen, die auf der Flucht und auf der Suche nach einer Unterkunft sind, am effektivsten zu helfen. Wir bitten alle Gläubigen, für Flüchtlinge und Migranten zu beten. Beten wir ständig für die Beseitigung der Ursachen von Migration, Kriegen und sozialer Ungerechtigkeit, Verfolgung und Hunger. Beten wir auch für uns selbst, damit wir in uns und in unseren Gemeinschaften eine umsichtige, verantwortungsvolle Gastfreundschaft und Brüderlichkeit wecken.“

Quellen: episkopat.pl und vaticannews.va

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Inhalt erstellt: 25.08.2021, zuletzt geändert: 26.08.2021

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