Collage: Flagge der Ukraine, Matrioschka-Puppe mit Mundschutz
Symbolbild Coronavirus in der Ukraine: Auch in der Ukraine führt die Corona-Krise zu massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens.
Quelle: Collage mit Fotos von Evgeni Tcherkasski, Pixabay und Shamil Khakirov, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
08.04.2020 – Corona-Krise

Massive Einschränkungen, fehlende Schutzausrüstungen - und ein kleiner Hoffnungsschimmer

Wie geht es den Menschen in der Ukraine inmitten der Corona-Pandemie? Wie leben sie derzeit, Anfang April, kurz vor Ostern? Lesen Sie dazu eine Momentaufnahme von Anita Prokopovych, Mitarbeiterin der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche in Lwiw..

Eine Momentaufnahme nach der ersten Aprilwoche

Von Anita Prokopovych, Mitarbeiterin der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche in Lviv/Lemberg

"Laut offiziell veröffentlichter Statistik sind in der Ukraine heute (am 7. April 2020) 1.462 Menschen mit Covid-19 infiziert und davon 45 gestorben. Die meisten Infizierten gibt es in der Hauptstadt Kiew und in den Gebieten Czernowitz, Ternopil und Iwano-Frankiwsk. In der Kurie der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche vermuten wir, ohne dass dies von offizieller Seite bestätigt wird, dass es tatsächlich erheblich mehr sind, weil zu Beginn der Pandemie nur wenig Tests verfügbar waren.
Bei uns in der Ukraine wird die Pandemie möglicherweise schlimmer verlaufen als in Deutschland und anderen Ländern. Von Mitte März bis Anfang April sind mehr als 250.000 Menschen aus dem Ausland in die Ukraine zurückgekehrt: Studierende im Ausland, Touristen und eine große Zahl von Arbeitsmigranten aus Italien und Spanien; weitere 15.000 Menschen wollen noch zurückkehren. Wir wissen nicht, wieviele von den Rückkehrern mit dem Covid-19-Virus infiziert gewesen sind - sie wurden nicht getestet, lediglich Fieber wurde gemessen.

Darum besteht die Gefahr, dass sich die Infektion schnell ausbreitet, besonders in unseren Dörfern, wo die medizinischen Möglichkeiten sehr schwach sind. Wir haben qualifizierte Arzte, aber zur Zeit haben sie sehr wenig Masken, Handschuhe und andere Schutzmittel, manche Ärzte sind schon infiziert. In der Ukraine stehen auch sehr wenig Beatmungsgeräte zur Verfügung. Angeblich sind auch Masken aus staatlichen Beständen zur privaten Bereicherung verkauft worden.

Ich muss auch an unsere Soldaten denken. Im Osten der Ukraine herrscht Krieg, es gibt dort keinen Waffenstillstand. Jeden Tag haben wir Gefallene und Schwerverletzte. Die Situation am Donbass wird mit der Pandemie noch gefährlicher.

In den letzten Tagen kommen zum Glück auch erfreuliche Nachrichten an: In einem Forschungsinstitut in Kiew hat man Test-Systeme ausgearbeitet und hergestellt. Am Polytechnischen Institut in Lviv ist es gelungen, mit 3D-Druckern Masken für unsere Ärzte zu produzieren und auch andere Schutzmittel für Ärzte werden hergestellt. Außerdem werden die Fahrer des öffentlichen Personennahverkehrs, Polizisten und Verkäufer auf das Corona-Virus getestet. Es freut die Menschen, dass – wie während des Majdans 2013/14 – sich die Kirchen und ihre Freiwilligen sehr engagieren und unseren Ärzten helfen.

So leben wir: Wir verlassen die Wohnung nur, um Lebensmittel zu kaufen oder in die Apotheke zu gehen. Wenn wir vor die Haustür gehen, vergessen wir nicht, Masken und Handschuhe anzuziehen und Abstand zu halten. Wir übernehmen Verantwortung für uns selbst und für andere Menschen. Wir hören Zuhause Übertragungen von Gottesdiensten im Internet oder im Fernsehen. Alles andere liegt in Gottes Hand!“

Weitere Beiträge zur Auswirkung der Corona-Pandemie auf Renovabis und die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas


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Inhalt erstellt: 08.04.2020, zuletzt geändert: 30.04.2020