Andrij Waskowycz und Claudia Gawrich
Andrij Waskowycz und Claudia Gawrich
15.11.2018 – Dialog und Begegnung

Partnerschaft mit dem Osten Europas

Im Rahmen eines Abendforums der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster gab es vielfältige Einblicke in die Arbeit von Renovabis und die aktuelle politische und soziale Situation in der Ukraine und Rumänien.

„Vom Hilfspaket zum Dialog – Partnerschaft mit dem Osten Europas“- Unter diesem Titel stand die Jubiläumsveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen des katholischen Osteuropahilfswerks Renovabis in der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster. Im Rahmen des Abendforums gab es besondere Einblicke in die Situation in der Ukraine, in Rumänien und in die Begegnungs- und Dialogarbeit von Renovabis. Mit dabei waren der Präsident der Caritas Ukraine Andrij Waskowycz, der Vorsitzende des TransSilvania e.V.-Partner für Rumänien Lambert Lütkenhorst und die Bildungsreferentin von Renovabis Claudia Gawrich.

Viele beeindruckende Bilder hatte Lambert Lütkenhorst aus den laufenden Projekten in Rupea, Rumänien, mitgebracht. Sein Verein „TransSilvania e.V.“ engagiert sich vor Ort vor allem im Bildungsbereich. Ziel ist es, die Bildungsmöglichkeiten und die berufliche Ausbildung durch Zusammenarbeit mit Partnerschulen- und Firmen in dieser Region zu stärken. Nur durch den Aufbau solcher beständigen Strukturen vor Ort, so sein Fazit, könne es gelingen, der Jugendarbeitslosigkeit und der damit verbundenen Perspektivlosigkeit etwas entgegenzusetzen.

Andrij Waskowycz, der Präsident der Caritas Ukraine, wies auf den seit bereits fünf Jahren angehenden Krieg in der Ukraine hin, der im Westen Europas schon wieder in Vergessenheit geraten zu sein scheint. In einem anderen Punkt erklärte er, dass es vor allem im Bereich der Gesundheit, Bildung und Kinder-und Jugendarbeit wichtig sei, dafür zu sorgen, dass feste Strukturen aufgebaut würden. Die humanitäre Lage sei durch die vielen Binnenflüchtlinge im Land extrem angespannt. Aber nicht nur die Binnenmigration, sondern auch die Abwanderung ins Ausland stelle ein Problem dar. Oftmals litten darunter besonders die Schwächsten: So würden in vielen Familien in erster Linie die Kinder und Großeltern zurückgelassen, während die mittlere Generation versuche, im Ausland Geld zu verdienen, um zumindest die finanziellen Sorgen und Nöte zu lindern.

Einen grundsätzlichen Einblick in die Arbeit des Osteuropahilfswerks mit dem Schwerpunkt der Bildungsarbeit gab Claudia Gawrich, Bildungsreferentin bei Renovabis. Der Dialog sei angesichts der aktuellen Situation und den Spannungen in Europa besonders wichtig, um der Vielschichtigkeit in den einzelnen Ländern gerecht zu werden. Zudem unterstrich Gawrich, wie wichtig es sei, sich bewusst zu machen, dass es nicht nur um materielle Hilfe, sondern vor allem um ein Voneinanderlernen, gehe. In der abschließenden Diskussionsrunde zeigte sich eine große Übereinstimmung darin, dass Austausch und Begegnung, die eigentlichen Perspektiven für die Zukunft bieten.

Am darauffolgenden Tag waren der Caritaspräsident der Ukraine und die Bildungsreferentin von Renovabis noch zu Gast im Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Osnabrück. Dort besuchten sie die Oberstufe, die von Hubert Hoffmann betreut wird, der neben seiner Tätigkeit als Lehrer auch der Vorsitzende der Bischöflichen Kommission „Mission-Entwicklung-Frieden“ im Bistum Osnabrück ist, um den Schülern die politische Problematik der Ukraine sowie die Arbeit der Caritas vor Ort näherzubringen. Das Ziel der Veranstaltung, die Jugendlichen auf die schwierige Situation in der Ukraine aufmerksam zu machen und gleichzeitig das Interesse der Schüler für das Land zu wecken, scheint Andrij Waskowycz den engagierten Rück- und Nachfragen nach zu urteilen, wohl geschafft zu haben.

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Inhalt erstellt: 15.11.2018, zuletzt geändert: 12.02.2019