Pfarrer Józef Lankó
Pfarrer Józef Lankó lebt und wirkt als Seelsorger in einer Roma-Siedlung im ungarischen Alsószentmárton, nahe der Grenze zu Kroatien.
15.01.2019 – Ehrung

Friedenspreis für Roma-Seelsorger

Pfarrer József Lankó aus Ungarn erhält den Friedenspreis des Arbeitskreises Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität in Eichstätt-Ingolstadt. Er wird für seinen unermüdlichen Einsatz als Seelsorger für die Roma in Alsószentmárton ausgezeichnet.

Die Situation der Minderheit der Roma in Ungarn ist vielerorts sehr schwierig. Sie sind in weit überdurchschnittlichem Ausmaß von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. Gerade in kleinen Ortschaften auf dem Land und in Stadtteilen, die hauptsächlich von Roma bewohnt werden, gibt es nur wenig Perspektiven. Viele Jugendliche erreichen den Schulabschluss nicht und haben genau wie zuvor schon ihre Eltern kaum Chancen, dem Kreislauf der Armut zu entkommen und gesellschaftliche Teilhabe zu erlangen. Seit vielen Jahren engagiert sich hier der diesjährige AK Shalom Preisträger Pfarrer József Lankó. Er lebt und wirkt als Seelsorger in einer Roma-Siedlung im ungarischen Alsószentmárton, nahe der Grenze zu Kroatien. Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Christian Hartl gratulierte dem langjährigen Renovabis-Projektpartner und dankte ihm für seinen Einsatz, der neuen Lebensmut in dieser Region geweckt habe. Der Preis wird am 18. Mai 2019 in Eichstätt verliehen.

Aus seiner tiefen christlichen Überzeugung heraus hat er sich stets für benachteiligte Menschen eingesetzt

„Die Konsequenz, mit der Pfarrer Lankó mit Roma zusammenlebt und ihnen absolut auf Augenhöhe begegnet, verstehen viele seiner Mitbürger bis heute nicht. Die Meinung anderer hat ihn aber nie gekümmert. Aus seiner tiefen christlichen Überzeugung heraus hat er sich stets für benachteiligte Menschen eingesetzt“,

berichtete die Renovabis-Länderreferentin Christiana Hägele, die den Preisträger im Rahmen eines Infoabends an der Katholischen Hochschulgemeinde in Eichstätt vorstellte. Als er damals in den 80er Jahren nach Alsószentmárton kam, habe er bestimmt kein fertiges Konzept gehabt. Im Beichtstuhl auf die Menschen gewartet hat er aber nicht, sondern spontan Hilfe geleistet, und über die Jahre ist in Alsószentmárton durch die Bemühungen von Pfarrer Lankó und seinem Team dann Schritt für Schritt ein echtes Modellprojekt entstanden, das mit seinem umfassenden Ansatz auch für andere kirchliche Initiativen in Ungarn vorbildhaft wurde.

Viele Jugendliche schaffen mittlerweile den Übergang auf weiterführende Schulen

Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Priesters József Lankó steht die Förderung der Bildungschancen für Kinder und Jugendliche: Für Schulkinder gibt es täglich qualifizierte Nachmittagsbetreuung in sogenannten „Tanodas“ (offene Häuser). Es geht dabei um persönlich zugeschnittene Einzelförderung, um Lernfortschritte zu machen. In Abstimmung mit den Lehrerinnen und Lehrern der Kinder reicht dies über die Wissensvermittlung und Leistungsverbesserung in Schulfächern weit hinaus. Vielmehr wird bei Spiel und Sport, Theater, Tanz und Musik das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen gestärkt. In dem von Pfarrer Lankó initiierten und bis heute seit mehr als 30 Jahren persönlich begleitete Projekt sollen die Kinder in ihrer ganzheitlichen Entwicklung zu unterstütz werden. Davon profitieren derzeit täglich rund 100 Kinder; die ehemals erhebliche Schulabbrecherquote in der Region konnte bereits stark verringert werden. Viele Jugendliche schaffen mittlerweile den Übergang auf weiterführende Schulen bzw. lernen Berufe. Maßnahmen für die Kinder und Jugendlichen können aber stets nur wirksam werden, wenn auch ihre Familien miteinbezogen sind: Pfr. Lankó beschäftigt dafür eigens ein Team aus Anwalt und Sozialarbeiter, die täglich die Dörfer in der Umgebung abfahren und dort Rechts- und Sozialberatung anbieten, z.B. Unterstützung im Kontakt mit Behörden, Rechtsbeistand in Diskriminierungsfällen, Erziehungsberatung, Hilfen zur Drogenprävention, usw. Außerdem gibt es Möglichkeiten für Erwachsene, den Schulabschluss nachzuholen, Hilfe bei der Jobsuche, sowie für die besonders Bedürftigen eine Suppenküche und Kleiderkammer. Nicht zu vergessen ist auch das gemeinsame Feiern von Festen, was Höhepunkte im Alltag schafft und die Dorfgemeinschaft stärkt.

Wir freuen uns, dass wir Sie in Ihrer Arbeit unterstützen können.

Auch wenn noch viel zu tun bleibt, hat Pfarrer Lankó mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dazu beigetragen, Lebensqualität und Perspektiven der Bevölkerung in der Region Südbaranya bereits merklich zu verbessern. Im „kirchlich-sozialpädagogischen Netzwerk“, einem Zusammenschluss von Tanoda-Projekten verschiedener Diözesen und Orden in Ungarn, tauschen sie sich auch regelmäßig mit anderen Akteuren aus. Sie qualifizieren sich gemeinsam weiter und betreiben Lobbyarbeit, um in Kirche und Politik in Ungarn noch mehr Bewusstsein für das große Potenzial solcher Projekte zu schaffen.

Renovabis unterstützt seit vielen Jahren Pfarrer Lankó und weitere Partner in Ungarn, welche sich in dieser oder ähnlicher Form engagieren. Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Christian Hartl gratulierte dem Preisträger nach der Bekanntgabe herzlich und betonte:

"Mit ihrer teilnehmenden, mitlebenden Seelsorge bei Roma-Familien, die als „Verlierer“ in einer ohnehin sehr ärmlichen Region mit wenig Perspektiven gelten, haben Sie neuen Lebensmut geweckt und zahlreiche Impulse gesetzt. Wir freuen uns, dass wir Sie in Ihrer Arbeit unterstützen können."

Die diesjährige Preisverleihung des AK Shalom Friedenspreises an Pfarrer József Lankó findet am 18. Mai 2019 in Eichstätt statt. Unterstützung bekommt Pfarrer „Joszi“, wie er liebevoll genannt wird, übrigens seit langem auch aus Witten in Nordrhein-Westfalen. Dort ist seit 25 Jahren die Partnerschaftsgruppe „Caritas St. Martin“ aktiv, sammelt Spenden und organisiert regelmäßig Begegnungen mit den Freunden aus Ungarn.

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Inhalt erstellt: 15.01.2019, zuletzt geändert: 12.02.2019