Ikone zu Ehren des Heiligen Nikolaus mit verschiedenen Stationen aus seinem Leben (Ausschnitt).
Ikone zu Ehren des Heiligen Nikolaus mit verschiedenen Stationen aus seinem Leben (Ausschnitt).
Foto: Künstlerin: Emilia Dankovčíková, Kosiče
06.12.2018 – Nikolaus

"Aufmerksam bleiben für diejenigen, die Unterstützung brauchen"

„Dass wir uns durch sein Vorbild inspirieren lassen“ - das wünscht sich am Festtag des Heiligen Nikolaus Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Dr. Christian Hartl und erläutert, wie sich Renovabis im Osten Europas engagiert.

Am 6. Dezember feiern katholische Christen weltweit das Fest des heiligen Nikolaus. Zur Bedeutung des Heiligen und zur Arbeit von Renovabis äußert sich Hauptgeschäftsführer Pfarrer Dr. Christian Hartl im folgenden Interview.

Pfarrer Hartl, warum ist der heilige Nikolaus so beliebt?
Das hat zunächst mit unserem Brauchtum zu tun. Das Fest des heiligen Nikolaus ist in die stimmungsvolle Adventszeit eingebettet und für die meisten von uns mit vielen Erinnerungen verbunden. Diese geben wir gerne an die Kinder weiter. Aber Nikolaus ist auch eine Symbolfigur der Fürsorge und der Güte. Das spüren die Kinder, und darüber freuen sie sich: Der große heilige Mann wendet sich ihnen, den Kleinsten, liebevoll und mit Geschenken zu!
In den Ostkirchen wird Nikolaus ebenfalls sehr verehrt. Doch das ist nur wenigen bekannt. Überhaupt scheint es so, dass sich der Westen und der Osten Europas entfremden …
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks herrschte bei uns eine regelrechte Euphorie vor. „Jetzt muss man den Menschen im Osten Europas helfen, dass sie Kirche und Gesellschaft neu aufbauen können“, so sagten viele. Heute fragen mich manche: „Ja, sind die denn immer noch nicht so weit? Die müssten doch jetzt ohne unsere Unterstützung zurechtkommen!“ Dabei wird gerne übersehen, wie unterschiedlich und wechselvoll die Entwicklung in den einzelnen Ländern verlaufen ist.
Und hier kommt Renovabis ins Spiel. Seit 25 Jahren engagiert sich das Hilfswerk im europäischen Osten. Inwieweit wird Renovabis noch gebraucht?
Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In der Vergangenheit hat Renovabis zum Aufbau kirchlicher Strukturen beigetragen, pastorale und soziale Projekte gefördert, vielerorts wurden Caritas-Organisationen geschaffen, die Bildungsarbeit wurde maßgeblich vorangebracht. Aber auch heute ist in diesen Bereichen noch viel zu tun: So braucht es beispielsweise in Sibirien weiterhin die Existenzhilfe für Priester und Ordensleute; in der Ukraine müssen in den Kriegsgebieten Suppenküchen und psychologische Beratungsstellen für die vom Krieg Traumatisierten finanziert werden; in Bosnien und Herzegowina sollten wir weiterhin die „Europaschulen“ unterstützen, in denen katholische Kroaten, bosnische Muslime und orthodoxe Serben gemeinsam lernen und ihre Jugend teilen.
Die materielle Hilfe ist das eine. Was kann Renovabis darüber hinaus leisten?
Von Anfang an verstand sich Renovabis nicht so sehr als Organisation, sondern vielmehr als Aktion: Renovabis ist die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen im Osten Europas. Ich unterstreiche das „mit“. Wir wollen Partnerschaft leben und den Geist der Freundschaft fördern, denn wir gehören zusammen in der einen Welt! Insofern versuchen wir auch in der deutschen Öffentlichkeit anwaltschaftlich tätig zu sein für jene, die leicht übersehen oder überhört werden. Und wir versuchen überall dort den Dialog zu fördern, wo das Verständnis füreinander fehlt.
Was wünschen Sie sich in diesem Jahr vom heiligen Nikolaus?
Nicht von ihm, sondern von uns wünsche ich mir, dass wir uns durch sein Vorbild inspirieren lassen: dass wir aufmerksam bleiben für diejenigen, die Unterstützung brauchen, und dass wir im Geist der Freundschaft teilen, wo Not herrscht.
Inhalt erstellt: 06.12.2018, zuletzt geändert: 12.02.2019