Die ungarische Äbtissin Ágnes Tímár, die jetzt im Alter von 92 Jahren gestorben ist
Ágnes Tímár
Quelle: Renovabis-Projektpartner
22.09.2020 – Ungarn

Trauer um Äbtissin Ágnes Tímár

Sie war eine unbestechliche Beobachterin und Forscherin zur kirchlichen Zeitgeschichtliche in Ungarn. Nun ist Schwester Ágnes Tímár im Alter von 92 Jahren gestorben. Renovabis trauert um seine langjährige Projektpartnerin – und um eine mutige Ordensfrau.

Renovabis trauert um seine langjährige Projektpartnerin – und um eine mutige Ordensfrau, die für ihre Glaubensüberzeugung zweimal verhaftet wurde und mehrere Jahre ihres Lebens im Gefängnis verbringen musste. „Sie hat viel zur Aufarbeitung der jüngsten Kirchengeschichte während des kommunistischen Regimes in Ungarn beigetragen“, betont Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Christian Hartl: „Sie wird fehlen, fachlich und menschlich.“

Ágnes Tímár war viele Jahre lang Leiterin des kirchenhistorischen Instituts in Ungarn und erforschte die Geschichte der ungarischen Kirche während der Zeit des Kommunismus. Diese Arbeit stieß auf viel Anerkennung, aber auch auf Widerstände. Denn die Ängste, dass die Auswertung von Polizei-, Geheimdienst- und Gerichtsakten aus der Zeit des Kommunismus nicht nur die Verfolgung der Kirche, sondern auch die Verstrickungs einzelner Geistlicher mit dem System zum Vorschein bringen könnte, waren zum Teil groß. Renovabis hat die Forschungen seit 2004 immer wieder gefördert und das Institut unter anderem bei der Digitalisierung und Auswertung der Akten unterstützt.

Ágnes Tímár wurde 1928 in Budapest geboren. Zunächst wollte die promovierte Theologin Bauingenieurin werden und studierte an der Technischen Universität. 1950 legte sie die Gelübde für den Zisterzienserinnenorden ab und gründete 1955 eine „Unsichtbare Abtei“ im Untergrund. Geistlicher Beistand war der Piaristenpater Ödön Lénárd. Ebenso wie Pater Lénárd musste auch Oberin Ágnes Tímár mehrjährige Gefängnisstrafen erleiden, weil sie trotz des damaligen Verbotes weiter als Ordensfrau aktiv war.

Das kirchenhistorische Institut befindet sich derzeit in Vac. Gegründet wurde es durch Ödön Lénárd und hatte seinen Sitz zunächst im Zisterzienserinnenkloster Kismaros, dessen Äbtissin Sr. Ágnes Tímár viele Jahre lang war. Die Arbeit des Instituts ist einzigartig in Ungarn und das Anliegen, ein objektives Bild der Verfolgungszeit der Kirche von 1945 bis 1990 zu erarbeiten ist unvermindert aktuell. Deshalb bemühen sich die Nachfolger von Sr. Ágnes Tímár auch, das gesammelte Wissen breiteren Kreisen und insbesondere der jüngeren Generation der Katholiken in Ungarn bekannt zu machen – durch Schulbesuche, Unterrichtsmaterialien oder Ausstellungen.

Inhalt erstellt: 22.09.2020, zuletzt geändert: 23.09.2020