v.l.n.r.: Bischof Ken Novakivsky, New Westminster, Kanada; Borys Gudziak, Paris; Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk, Kiew; Joachim Sauer, Ukraine-Referent von Renovabis; Pfr. Dr. Christian Hartl, Renovabis-Hauptgeschäftsführer; Erzbischof Volodymyr Vijtyshyn, Ivano-Frankivsk, Ukraine; Dr. Gerhard Albert, Renovabis-Geschäftsführer; Pfr. Ivan Machuzhak, München; Bischof Yaroslav Pryriz, Sambir-Drohobych, Ukraine; Weihbischof Bohdan Dzyurakh.
Ukrainische Bischöfe auf dem Freisinger Domberg: Anlässlich der Tagung des „Ständigen Synod“ der Bischöfe der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche überreichte Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk eine Ikone der Muttergottes von Fatima an Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Dr. Christian Hartl.
Foto: Thomas Schumann
26.05.2017 – Ukrainische Kirche

„Wir machen uns zur Stimme der Leidenden“

Ständiger Rat der Bischofssynode der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche tagt auf dem Freisinger Domberg - Ukrainische Kirche an der Seite von Kriegsopfern und Binnenflüchtlingen

In der Herzkammer der Erzdiözese München und Freising, am Grabmal des Bistumsgründers, des heiligen Korbinian, und am Sitz des Osteuropahilfswerks Renovabis hat sich an den Tagen vor Pfingsten der Ständige Synod der Bischöfe der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche versammelt. Dieses Kernberatungsgremium der mit Rom und dem Papst unierten katholischen Kirche, die ihre Liturgie traditionsgemäß nach ostkirchlich-byzantinischem Ritus feiert und damit spirituell der Orthodoxie nahe steht, war von ihrem Oberhaupt und Metropolit, dem Großerzbischof von Kiew-Halytsch Sviatoslav Shevchuk, nach Freising einberufen worden.

Die Solidaritätsaktion Renovabis mit ihren Räumlichkeiten galt dem Kirchenoberhaupt als vertrauensvoller und pragmatischer Gastgeber für sein hochrangiges Bischofstreffen. Gekommen sind ein weiterer Erzbischof, nämlich Volodymyr Vijtishyn von Ivano-Frankivsk, außerdem Bischof Yaroslav Pryriz von der Eparchie Sambir-Drohobytsch sowie die Vertreter zweier wichtiger Auslandskirchen, Borys Gudziak aus Paris für Frankreich, die BeNeLux-Staaten und die Schweiz, der gleichzeitig Präsident der Ukrainischen Katholischen Universität ist, und schließlich Bischof Ken Novakivsky von der Eparchie New Westminster in Kanada, dessen Schwerpunkt auf den Perspektiven für eine lebendige Seelsorge der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK) liegen.

Der Kurienbischof und Sekretär des Synods der UGKK Dr. Bohdan Dzyurakh erläutert die Ortswahl Freisings zudem damit, dass seine Kirche heute zu einer globalen Kirche geworden sei „und sich unsere Strukturen in vielen Teilen der Welt befinden, obwohl sie ihre Wurzeln in der Ukraine hat“. Es sei zu einer guten Tradition geworden, einige Sitzungen des Ständigen Synods im Ausland zu halten. Bischof Dzyurakh: „Das hilft uns, die innenkirchliche Einheit zu pflegen und die Situation unserer Gläubigen am Ort und Stelle besser kennenzulernen. Wir sind nach Deutschland gekommen, weil zwischen uns und der katholischen Kirche in Deutschland seit Jahrzehnten tiefe Verbundenheit und intensive Zusammenarbeit besteht.“ Zu Renovabis, auf den Freisinger Domberg, würden „regelmäßig unsere Pläne, Hoffnungen und Nöte getragen und finden dort immer wieder Verständnis und großzügige Unterstützung.“

"Wir haben über das Leiden von Millionen Ukrainern gesprochen"

Diesmal äußerten die höchsten Vertreter der UGKK gegenüber Kardinal Reinhard Marx und in Freising gegenüber dem Hauptgeschäftsführer von Renovabis, Pfarrer Dr. Christian Hartl, ihre Anerkennung und Dankbarkeit. Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk brachte als Ausdruck dafür eine Ikone der Muttergottes von Fatima für Renovabis mit. Beim Besuch beim Erzbischof von München und Freising und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, stand der Austausch über die aktuelle Situation in der Ukraine im Mittelpunkt; über die kirchliche und die gesellschaftlich-politische Lage wollte Kardinal Marx umfassend informiert werden.

Bischof Bohdan: „Wir haben über das Leiden von Millionen Ukrainern gesprochen, das durch die noch weiter andauernde Militäraggression Russlands gegen unser Land verursacht wird.“ Es sei auch über den Verlauf der internationalen Hilfsaktion „Papst für die Ukraine“ berichtet worden, an der sich die deutschen Bischöfe mit einem Betrag von 500.000 Euro beteiligt haben. „Wir haben uns bedankt – nicht nur für die vielfältige und treue finanzielle Unterstützung seitens der deutschen Katholiken – sondern auch für das Zeugnis der Wahrheit aufgrund der jüngsten Ereignisse in der Ukraine, das sowohl die deutschen Bischöfe als auch die Solidaritätsaktion Renovabis konsequent ablegen“, so Synoden-Sekretär Bischof Bohdan Dzyurakh.

Was den „leider weiter andauernden Krieg“ in der Ostukraine und im Donbass anbelangt, will die UGKK – im Schulterschluss zusammen mit den anderen Kirchen in der Ukraine – weiterhin deutlich machen, dass die Kirchen auf der Seite der Leidenden stehen. „Humanitäre Hilfe, die wir sowohl durch unsere Caritas-Abteilungen als auch durch unser Pfarrgemeindenetzwerk leisten, sind dabei ebenso wichtig wie das Gebet.“ Von der Hilfe der örtlichen Projektpartner von Renovabis – also auch dank der großzügigen Unterstützung der deutschen Katholiken – seien „bereits Hunderttausende vom Krieg betroffenen Menschen erreicht“ worden, wie Bischof Bohdan weiter betonte. Der Sekretär der UGKK-Bischöfe: „Wir machen uns heute wiederum zur Stimme der Leidenden und in ihrem Namen bitten wir Sie um Ihr weiteres Gebet und um Ihren Beitrag zum Frieden in unserem Land und dadurch in ganz Europa.“

Der Bischof ergänzte mit Nachdruck, dass „dieses Desaster bei uns , das von Russland organisiert wurde und, trotz der beiden Abkommen von Minsk, weitergehe, nicht verschwiegen werden darf“: Aus den besetzten Gebieten würden jeden Tag Dutzende Bombardierungen gemeldet, die neue Zerstörungen und neues Leiden verursachen. Nach Angaben der Vereinten Nationen seien infolge des Krieges fast zehntausend Menschen ums Leben gekommen, weitere 24.000 seien schwer verletzt worden und die Anzahl der Binnenflüchtlinge nähere sich bereits der Zwei-Millionen-Zahl. Bischof Bohdan Dzyurakh sieht „nur im gemeinsamen und solidarischen Wirken aller Menschen guten Willens eine Chance, diese Zustände zu beseitigen.“

Inhalt erstellt: 26.05.2017, zuletzt geändert: 12.02.2019