Übersichtskarte des Hauptbebens bei Zagreb am 22. März 2020.
Übersichtskarte des Hauptbebens bei Zagreb am 22. März 2020.
Quelle: earthquake.usgs.gov
23.03.2020 – Erdbeben

Zagreb im Ausnahmezustand - das Erdbeben inmitten der Coronavirus-Pandemie

Schwer geprüft ist zurzeit die Bevölkerung im Bezirk Zagreb, rund eine Million Menschen in der kroatischen Hauptstadt und ihren Vororten. Zur Coronavirus-Krise kam am Sonntag das schwere Erdbeben der Stärke 5,4 hinzu. Renovabis sprach darüber mit Prof. Dr. Željko Tanjić.

Wie stellt sich die Lage, gut einen Tag nach dem Erdbeben in Zagreb dar?

Tanjić: In der Stadt und ihrer Umgebung ist der Notstand ausgerufen worden. Viele Häuser sind durch das Erdbeben zerstört oder stark beschädigt. Und das inmitten einer Situation, in der die Corona-Infektionen stark ansteigen und die Menschen großen Abstand zueinander halten sollten. Was natürlich für viele Hilfskräfte, die jetzt im Einsatz sind, schwierig ist. Gott sei Dank gab es durch das Erdbeben bisher keine Todesopfer, aber doch wurden 18 Personen schwer verletzt, darunter ein 15-jähriges Mädchen. Wäre das Beben etwas stärker, also etwa 6,4 gewesen, hätte es sicherlich tausende Todesopfer gegeben.

Hat sich das Beben der Erde inzwischen vollständig beruhigt?

Tanjić: Nein, es gab auch in der Nacht noch etliche Nachbeben und heute Vormittag, insgesamt wohl etwa 30 – und auch während wir gerade miteinander sprechen, war wieder ein Beben spürbar. Derzeit ist der Zivilschutz in der Stadt unterwegs und prüft die Bewohnbarkeit zahlreicher Häuser, die von dem Erdbeben Schäden haben. Auch kirchliche Gebäude, wie etwa unsere Kathedrale, das haben Sie sicherlich im Fernsehen gesehen, sind betroffen. Die Kathedrale darf – wie viele andere Kirchen auch – derzeit nicht betreten werden. Das Erzbischöfliche Haus ist unbewohnbar geworden. Auch staatliche und kommunale Einrichtungen sind betroffen: so gibt es Schäden am Regierungsgebäude und am Parlament.
Ebenso sind bei einigen unserer älteren Universitätsgebäude die Dächer eingebrochen, die neueren bzw. restaurierten sind zum Glück noch betretbar.

Kann man eine Prognose wagen, wie es nun weitergehen wird?

Tanjić: Das ist schwierig zu sagen, zumal das weitaus gravierendere Problem derzeit die Corona-Pandemie ist, die uns alle beschäftigt. Auch die Kräfte unserer katholischen Caritas sind stark in die Nothilfe eingebunden. Durch das Beben ist alles noch viel schwieriger geworden. Und dann sind für die nächsten Tage auch noch Schneefälle angekündigt. Wir tun, was wir können, um den Hilfebedürftigen beizustehen. Und wir beten und hoffen inständig, dass es nicht noch schlimmer kommt. Wir danken Euch für Eure Sorge und Anteilnahme, vergelt’s Gott!

Das Gespräch führte Burkhard Haneke.

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Inhalt erstellt: 23.03.2020, zuletzt geändert: 23.03.2020