Miloslav Kardinal Vlk
Miloslav Kardinal Vlk, emeritierter Erzbischof von Prag
Foto: Thomas Schumann, Renovabis
20.03.2017 – Nachruf

„Großer Zeitzeuge, leidenschaftlicher Christ und Freund von Renovabis“

Zum Tod von Miloslav Kardinal Vlk

FREISING/PRAG. Er wollte auf der Straße unter den Menschen Seelsorger sein. Der am Samstag, 18. März, verstorbene Miloslav Kardinal Vlk ist nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mit seiner Tätigkeit als Fensterputzer bei vielen Menschen im Gedächtnis geblieben. Und er hat diese Arbeit ernst genommen, genauso wie die als Straßenbahnfahrer. Sie war ihm wichtig, weil er dabei den vom Glauben entfremdeten Menschen während der kommunistischen Zeit nah sein konnte. Zwischen den Jahren als bedrängter und im verborgenen seinen Glauben bezeugender junger Priester und der Leitung der traditionsreichen böhmischen Erzdiözese Prag und der Verleihung der Kardinalswürde entwickelte sich Vlks Sehnsucht nach einer Neuevangelisastion Europas, die er in den frühen 90er Jahren leidenschaftlich mitinititiiert hat.

Kardinal Vlk war von 1993 bis 2001 Präsident des „Rates der europäischen Bischofskonferenzen“ (CCEE) und stand von 1993 bis 2000 der Tschechischen Bischofskonferenz vor. In diesen Positionen hat er sich für eine Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses und der Ökumene eingesetzt. Für seine Arbeit im Rahmen der deutsch-tschechischen Beziehungen erhielt Kardinal Vlk 1999 das Bundesverdienstkreuz. Aufgrund seines Engagements für die Einheit der Kirche und die Völkerverständigung wurde er 2001 mit dem Internationalen Brückepreis der Stadt Görlitz und mit der theologischen Ehrendoktorwürde der Universität Oppeln ausgezeichnet.

Seit Bestehen von Renovabis hat der Kardinal für die Menschen in Tschechien und in seiner Kirchenprovinz zahlreiche pastorale und soziale Projekte entwickelt und mit Leidenschaft begleitet. Den Ansatz der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa machte er sich zu eigen und verbreitete diese Idee bei sei-nen vielen hochrangigen Gesprächen über die Perspektiven Europas. Während der letzten Jahre enttäuschte den Kardinal die Betonung neuer Nationalismen, die er als dem Zusammenhalt des europäischen Wertegefüges abträglich einschätzte.

Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Dr. Christian Hartl und der langjährige Geschäftsführer Dr. Gerhard Albert erinnern sich an den ehemaligen Prager Erzbischof und engen Partner der Aktion Renovabis mit großer Sympathie: „Eine bewundernswerte Persönlichkeit, dem Evangelium ganz nah!“, so Hartl und weiter Albert: „Kardinal Vlk ist ein großer Zeitzeuge, leidenschaftlicher Christ und Freund von Renovabis gewesen. Nachdem der Kardinal mit so großem persönlichen Einsatz in der Zeit der kommunistischen Diktatur heimlich seinen priesterlichen Dienst versehen hat, gestaltete er dann unter den Bedingungen demokratischer Freiheiten maßgeblich das kirchliche Leben in Tschechien.“ Renovabis sei dem Verstorbenen sehr dankbar für die vertrauensvolle und zielgerichtete Zusammenarbeit in so vielen Projekten.

Erst vor gut zwei Jahren hatte Kardinal Vlk mit Renovabis das Buch Zeugen für Gott - Glauben in kommunistischer Zeit vorgestellt, in dem neben 16 weiteren Lebensläufen, Vlks Kampf um die Freiheit von Glauben und Kirche eindrucksvoll geschildert wird.

Inhalt erstellt: 20.03.2017, zuletzt geändert: 20.03.2017