Jahresthema 2015:An die Ränder gehen!

Obdachlose, arme Familien und ausgegrenzte Minderheiten - Renovabis unterstützt Projektpartner, die sich für diese Menschen einzusetzen.

Auf einen Blick


Im Fokus der Renovabis-Pfingstaktion 2015 stehen Menschen am Rande der Gesellschaften in Osteuropa: Obdachlose oder Menschen mit Behinderungen, alte Menschen in Not, arme Familien oder ausgegrenzte Minderheiten – alles Menschen, denen die Teilhabe am Leben der Gesellschaft oft nicht möglich ist. Renovabis unterstützt die Projektpartner dabei, sich in der Nachfolge Christi für diese Menschen einzusetzen. Ihre Arbeit braucht unsere Solidarität.

Gemeinsame Artikelreihe mit „n-ost“

In der gemeinsamen Artikelreihe „Menschen am Rand“ von Renovabis und n-ost berichten Autoren und Fotografen über das Leben von Menschen am Rand in Mittel- und Osteuropa. Elf Text- und Fotoreportagen sowie Essays aus Mittel- und Osteuropa berichten über Menschen, die oft unsichtbar bleiben. Sie sind ins Abseits geraten, aus ganz unterschiedlichen Gründen: weil sie vor Krieg und Armut aus ihren Heimatländern geflüchtet sind, weil sie sich mit HIV infiziert haben, oder weil sie zu einer ethnischen Minderheit gehören.

Hintergrund

Bis an die Grenzen der menschlichen Existenz

Ein Beitrag von Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der „Kommission Weltkirche“ der Deutschen Bischofskonferenz

„Ach, wie wünsche ich mir eine arme Kirche für die Armen!“, äußerte Papst Franziskus bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte. Zu seiner Namenswahl führte er aus: „Einer der ersten Gründe ist die Liebe, die Franziskus zu den Armen hatte. Wie viele Arme gibt es noch in der Welt! Und welchen Leiden sind diese Menschen ausgesetzt!“ Die Kirche ist von Jesus Christus gegründet worden, um das Reich Gottes überall und zu allen Zeiten in Wort und Tat zu verkünden. Das Reich Gottes bringt allen Menschen Gerechtigkeit, Friede und Freude (vgl. Röm 14,17). Die Armen haben dabei Präferenz und sind die ersten Adressaten.

Die Armen sind heute zum Beispiel die fast eine Milliarde Hungernden; der Hunger ist ein Skandal in „Bis an die Grenzen der menschlichen Existenz“ unserer reichen Welt, der beseitigt werden kann und muss. Ebenso sollen und können Krankheiten wie Aids, Ebola, Malaria und Kindersterblichkeit und Missstände wie Analphabetismus und Bildungsnotstand in vielen Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und auch im Osten Europas bei entsprechenden Anstrengungen der Weltgemeinschaft behoben werden; sie sind durch Armut verursacht und machen arm! Papst Franziskus drängt darauf, den Armen zu helfen. Dabei ist die ganze Kirche gefordert. Um der Armen willen muss die Kirche arm werden: durch Teilen. Dieses „arm werden“ wird aber letztlich alle bereichern!

Der von Papst Benedikt XVI. in Freiburg verwendete und dann oft diskutierte Begriff der „Entweltlichung der Kirche“ ist auch von Papst Franziskus aufgenommen worden. Entweltlichung bedeutet, dass die Kirche sich nicht von weltlichen Maßstäben, sondern vom Evangelium Jesu Christi leiten lässt. So wird sie für alle Menschen offen und kann allen dienen, vor allem den Armen, sie wird geschwisterliche Gemeinschaft, „Zeichen und Werkzeug der innigsten Vereinigung mit Gott und untereinander“ (Lumen Gentium 1).

Damit die Kirche Kirche der Armen in der ganzen Welt sein kann, muss sie sich besonders bei uns im reichen Europa und Nordamerika entweltlichen. Sie muss von allem, was sie sich im Laufe der Jahrhunderte angeeignet hat, Abschied nehmen, das heißt von europäischer Vormachtstellung und Überheblichkeit, von egoistischem Eurozentrismus, von europäischen und nordamerikanischen erhaltensweisen, Lebens- und Führungsstilen. Ziel soll sein: Kirche Jesu Christi in der ganzen Welt, also wahrhaft katholische Kirche.

Durch Papst Franziskus, der selbst vom Rand der Welt kommt, wie er sagt, sind die ausgegrenzten Menschen und Armen, die Hungernden, die Ausgebeuteten und Benachteiligten der südlichen Hemisphäre mit ihren Sorgen und Nöten stärker in den Blick gerückt. Zu ihnen soll die Kirche gehen, für sie soll sie da sein. Papst Franziskus hat dazu ausdrücklich aufgerufen, „aus sich selbst heraus und an die Ränder zu gehen – nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz“. Den Armen soll sich die Kirche liebend und helfend, verständnisvoll und einsatzbereit zuwenden. Den vom Weg Abgekommenen, den Zukurzgekommenen und am Rand Stehenden soll sie beistehen. Sie soll Kirche des Barmherzigen Samariters und des Verständnisvollen Vaters für seinen verlorenen Sohn sein sowie der Frau, die die abhanden gekommene Drachme im ganzen Haus sucht und findet. So ist sie authentische Kirche Jesu Christi, führt Jesu Auftrag fort und erweist sich als heilbringend für die ganze Menschheit und Schöpfung. Dabei mitzuwirken sollte uns Auftrag und Ehre sein!

Sind wir die Mitte?

Ein Impuls von Dr. Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meißen und Vorsitzender des Renovabis-Trägerkreises

„An die Ränder gehen!“ Der Aufruf setzt doch voraus, dass wir in der Mitte oder zumindest näher an der Mitte stehen als die, die am Rande leben. Sind wir die Mitte? Sind wir mittig, zumindest mittendrin? Oder halten wir uns für die Mitte?

Wir, die Kirche hier im Osten Deutschlands, merken auf, wenn wir aufgefordert werden: „An die Ränder gehen!“, denn wir sind Kirche am Rande einer Gesellschaft, in der Gott für viele oftmals nur eine Randbemerkung ist. Aber mit unserer Randposition kommen wir ganz gut zurande und sind gewiss: Wir stehen nicht am Rande des Grabes. Oder vielleicht doch, aber dann am Rande des Grabes, aus dem Christus auferstanden ist: der Christus, der Menschen am Rande in die Mitte gestellt hat, so wie er ein Kind in die Mitte seiner Jünger rief (vgl. Mt 18,3).

Und plötzlich sind die, die meinen in der Mitte zu stehen, am Rande, und die am Rande in der Mitte. Vielleicht müssen wir sehr bewusst an die Ränder gehen, um wahrzunehmen, welche Menschen Gott in unsere Mitte stellt und plötzlich IHN auch zu sehen, der in der Mitte zwischen den Schächern gekreuzigt wurde (vgl. Joh 19,18). Vielleicht entdecken wir dann auch die ausgegrenzten Menschen im Osten Europas in unserer Mitte, und IHN mitten unter ihnen.

An die Ränder gehen und die Menschen in der Mitte nicht nur am Rande miterleben! Vielleicht kommen wir so mit uns zu Rande.

Bilderstrecke

Unser Aktionsthema thematisiert viele unterschiedliche Problemfelder in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Letztlich sind es aber nicht Probleme, die wir in den Mittelpunkt stellen wollen, sondern die Menschen und ihre Geschichten. Einige der Menschen möchten wir hier kurz vorstellen. Zur Bilderstrecke

Kontakt

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85354 Freising
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E-Mail: tho@renovabis.de

Sachbearbeitung Öffentlichkeitsarbeit

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Renovabis, Domberg 27,
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Inhalt erstellt: 23. Dezember 2014, zuletzt geändert: 15. Februar 2016