Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Covers des neuen OWEP-Heftes über Rumänien. Zu sehen sind eine Pferde-Fuhrwerk, direkt daneben ein weißes Luxusauto.
Rumänien ist ein Land voller Gegensätze und mit großer Vielfalt - vor allem im Kontrast von städtischem und dörflichem Leben.
Quelle: panos pictures / Petrut Calinescu - Gesamtgestaltung des Umschlags: Martin Veicht
18.05.2026 – OWEP-Heft 2/2026

Rumänien jenseits der Klischees

Rumanien, das Land zwischen Karpaten und Schwarzem Meer, steht im Fokus der neuen OWEP-Ausgabe. Das Heft hinterfragt gängige Klischees und zeigt ein Land im Wandel: mit wirtschaftlichem Aufschwung und lebendigen Städten, aber auch politischer Ernüchterung und tiefen gesellschaftlichen Konflikten.

FREISING. Rumänien steht im Fokus der neuen Ausgabe der Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP). Das Land steht meist im Schatten der Aufmerksamkeit, gewinnt aber in der EU an Bedeutung. Das Heft beleuchtet die Vielfalt einer Gesellschaft, die einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, aber auch politische Ernüchterung und gesellschaftliche Konflikte.

In seinem einführenden Beitrag analysiert der Politikwissenschaftler Stefan Hofmann die politische Lage. Sein Fazit: „‚Ein unterschätztes Land‘ wäre vielleicht ein Satz, um Rumänien und dessen aktuelle Position im europäischen Kontext zu beschreiben.“ Rumänien werde leicht unterschätzt, sowohl wegen seiner Erfolge als auch mit Blick auf seine strategische Bedeutung in Europa angesichts der gegenwärtigen geopolitischen Bedrohungen.

Eine kritische Bilanz der Präsidentschaft von Klaus Johannis zieht der Journalist Thomas Roser. In seinem Porträt zitiert er rumänische Medien mit einem ernüchternden Urteil: „Nach zehn Jahren im Amt hinterlässt uns der Präsident das Ungetüm des Populismus – das schwierigste Vermächtnis überhaupt.“ Wie eng die aktuellen Spannungen mit historisch gewachsenen Erfahrungen verknüpft sind, macht der Historiker Hans-Christian Maner deutlich: Diktaturerfahrungen und ihre unzureichende Aufarbeitung wirken bis heute fort und lassen nationalistische Strömungen wieder erstarken. Der Lage nationaler Minderheiten widmet sich der Sozialanthropologe László Fosztó. Rund 20 Gruppen sind offiziell anerkannt, die größten davon sind Ungarn, Roma und Ukrainer. Fosztó beschreibt, dass sich Feindseligkeiten nicht nur gegen seit langem ansässige Minderheiten richten, sondern zunehmend auch gegen Neuankömmlinge, etwa aus Südostasien.

Den massiven Kirchenneubau nach 1989 analysiert die rumänische Historikerin Anca Șincan. Der Boom spiegele die religiöse Erneuerung wider, aber es gebe auch wachsende Kritik, die sich in dem Schlagwort „Wir brauchen Krankenhäuser und keine Kathedralen“ verdichtet habe. In seinem Beitrag über die umstrittene Offshore-Gasförderung im Schwarzen Meer verdeutlicht der Journalist Frank Stier am Beispiel des Projekts „Neptun Deep“ den Konflikt zwischen Energiesicherheit und Klimaschutz. Ebenfalls im Heft: Ein Interview von OWEP-Chefredakteurin Gemma Pörzgen mit der Naturschützerin Barbara Promberger über den Schutz der Karpaten und die Vision eines „Yellowstone-Parks“ für Europa – und ein Beitrag über das Internationale Theaterfestival in Sibiu, das von Jahr zu Jahr immer mehr Zulauf erfährt.

Den Beitrag „Johannis - Der Enttäuscher" von Thomas Roser können Sie hier im Volltext lesen.

Podiumsdiskussion: „Wohin steuert Rumänien? Zwischen Reformdruck und veränderter Rolle in Europa“

Zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Wohin steuert Rumänien? Zwischen Reformdruck und veränderter Rolle in Europa“ lädt Renovabis gemeinsam mit der Südosteuropa-Gesellschaft ein. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 23.06.2026, um 19 Uhr in Berlin statt. Unter anderem mit dabei sind Daniela Maria Mariș (Konrad-Adenauer-Stiftung) und Dr. Roxana Stoenescu (Dozentin an der Babeș-Bolyai-Universität Cluj-Napoca). Moderiert wird die Veranstaltung von OWEP-Chefredakteurin Gemma Pörzgen. Weitere Infos

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Inhalt erstellt: 30.04.2026, zuletzt geändert: 18.05.2026

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