Quelle: Markus Nowak
Mehr als 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zuhause gepflegt, viele von ihnen werden von Personen aus dem Ausland betreut, vor allem aus Osteuropa. Eine wachsende Bedeutung kommt den sogenannten "Live-in-Kräften" zu: Diese wohnen bei den pflegebedürftigen Menschen und sollen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung sicherstellen, nicht selten unter prekären oder auch rechtlich unzulässigen Arbeitsbedingungen. Schätzungsweise bis zu 600.000 Haushalte in Deutschland nehmen diese Hilfe in Anspruch. Genaue Zahlen liegen nicht vor.
Die Pflegemigration wirft drängende Fragen auf:
- Ist es ethisch vertretbar, die Versorgungsprobleme im deutschen Pflegesystem auf Kosten ausländischer Arbeitskräfte und ihrer Herkunftsländer zu "lösen"? Ist das nicht eine unzulässige "Ent-Sorgung"? Oder können wir die Pflegemigration fair gestalten, sodass alle Betroffenen und Beteiligten davon profitieren?
- Mit welchen Problemen sind die oft zwischen Deutschland oder anderen westlichen Zielländern und ihrem Heimatland hin und her pendelnden und auch die dauerhaft in Deutschland lebenden Betreuungskräfte konfrontiert? Wie lassen sich die Arbeits- und Lebensbedingungen für die Pflegemigrant:innen verbessern?
- Was bedeutet die Pflegemigration für die Pflege- und Versorgungssituation, die Familien und die Gesellschaft in den Herkunftsländern? Wie können die betroffenen Länder und Regionen angemessen unterstützt werden?
- Welche Rahmenbedingungen sollten die deutsche Politik und nicht zuletzt die EU schaffen? Denn die Pflegemigration ist ein europäisches (Problem-)Thema!
Darüber sprechen wir mit dem Sozialethiker Prof. Dr. Jonas Hagedorn, Dr. András Márton, Direktor der Caritas des Erzbistums Alba Iulia (Rumänien) und Gabriele Bischoff, Mitglied des Europäischen Parlaments (SPD).
Moderation: Renate Krekeler-Koch (Renovabis) und Dr. Thomas Steinforth (Domberg-Akademie)
Eine Veranstaltung im Rahmen des Saisonthemas der Domberg-Akademie „Wen kümmert's? Zur Zukunft der Care-Arbeit“