

Quelle: (picture alliance / Westend61 / Ok Shu) – Gesamtgestaltung des Umschlags: Martin Veicht

FREISING. Die neue Ausgabe der Zeitschrift OWEP widmet sich der zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Das Heft zeigt anhand zahlreicher Länderbeispiele, wie tief die Spaltung in einigen Staaten mittlerweile reicht – aber auch, wie trotz politischer und sozialer Konflikte der gesellschaftliche Zusammenhalt gelingt.
In seinem einführenden Beitrag erläutert der Historiker Felix Ackermann, warum sich Länder wie Polen, Deutschland, Litauen und Belarus nach den Jahren des Umbruchs 1989/90 so unterschiedlich entwickelt haben – angefangen von den verschiedenen Startbedingungen über den Umgang mit den Verlierern der Transformation bis hin zu den Auswirkungen der Digitalisierung. Die Journalistin Peggy Lohse beschreibt, dass in der Ukraine trotz des andauernden Krieges ein bemerkenswerter sozialer Zusammenhalt besteht – was in der wohl häufigsten Antwort auf die Frage „Wie geht’s?“ deutlich werde: Sie lautet Trymajemosja - „wir halten“, im Sinne von durchhalten, aushalten und zusammenhalten.
Dass gesellschaftliche Gräben überwunden werden können, zeigt der Blick auf die Beziehungen zwischen Sudetendeutschen und Tschechen: Matthias Dörr, Leiter der Inlandsabteilung von Renovabis und OWEP-Redaktionsmitglied, zeichnet nach, wie sich das jahrzehntelang belastete Verhältnis durch beharrlichen Dialog, zivilgesellschaftliches Engagement, politische Schritte und den Mut Einzelner so weit verbessert hat, dass 2026 erstmals ein Sudetendeutscher Tag im tschechischen Brno (Brünn) stattfinden wird.
Wie stark politische Akteure Polarisierung bewusst vorantreiben, wird in mehreren Beiträgen deutlich: In Serbien zeigt der langjährige Balkan-Korrespondent Thomas Brey, wie regierungsnahe Medien gezielt polarisieren. Sie dienen als Sprachrohr von Präsident Alexandar Vučić und erzeugen mit ihrer Desinformation falsche Vorstellungen von der Realität. Der Journalist Niklas Zimmermann schildert, wie in der Slowakei die Corona-Pandemie und der Umgang damit zum Treiber der Spaltung wurden. Inzwischen wehren sich viele Menschen gegen die Konstruktion neuer Feindbilder und die damit verbundene Polarisierung.
Mit dem ungarischen Investigativ-Journalisten Szabolcs Panyi hat OWEP-Chefredakteurin Gemma Pörzgen gesprochen. Er ist einer der mutigen, unabhängigen Journalisten, die skandalöse Korruptionsfälle aufdecken und international bekannt machen. In einem weiteren Interview erläutert der Digitalexperte Matthias Spielkamp, welche Rolle Algorithmen, Soziale Medien und Künstliche Intelligenz bei der Polarisierung spielen – und der Kirchenhistoriker Priit Rohtmets widmet sich der zwiespältigen Wirkung der Kirchen auf das säkulare Estland.
Den Beitrag „Die Ukraine - ein Land, das im Krieg zusammenhält" von Peggy Lohse können Sie hier im Volltext lesen.



