Jahresthema :Jahresthema 2016

Jung, dynamisch, chancenlos? Jugendliche im Osten Europas brauchen Perspektiven!

Themenheft, Hintergründe, Porträts und Reportagen zum Aktionsthema 2016

Auf einen Blick

Sie sind jung, motiviert, aber oft auch ziemlich ratlos, was ihre Zukunft angeht, denn ihre Heimatländer bieten ihnen kaum Perspektiven. Viele Jugendliche und junge Erwachsene im Osten Europas kehren ihrem Land deshalb den Rücken. Korruption, Arbeitslosigkeit, Armut und die damit einhergehende Chancenlosigkeit sind nur einige der Gründe, warum sie dort keine Zukunft mehr sehen. In diesem Jahr stehen diese Jugendlichen und ihre Hoffnungen und Sorgen im Blickpunkt der Renovabis-Pfingstaktion.

Die bundesweite Aktion wird am 17. April in Speyer eröffnet und endet am Pfingstsonntag, 15. Mai, in Freising. In diesem Zeitraum wird Renovabis mit Gästen aus Osteuropa zahlreiche Pfarreien und Schulen besuchen und die Lebenssituation der Jugendlichen im Osten Europas thematisieren.

Themenheft

Renovabis-Themenheft herunterladen: Das Aktionheft 2016: Jung, dynamisch, chancenlos? (39,57 MB)

Hintergrundinformationen, Reportagen und Porträts zum Aktionsthema 2016

Stichwort „Jugendarbeitslosigkeit“

Reportagen

Porträts

Jugendarbeitslosigkeit auf dem West-Balkan

Ein Fakten-Check von Irena Madžoski Schilde und Andrea Mewaldt

Jugendarbeitslosigkeit in Südosteuropa
(Zusammenfassung unterschiedlicher Quellen durch die Autorinnen)

Republik Serbien 48,1%
Bosnien u. Herzegowina 57,9%
Republik Montenegro 40,5%
Republik Albanien 32,3%
Republik Kosovo 55,0%
Mazedonien 53,0%
Europäische Union 22,0%

Im West-Balkan wollen junge Menschen mit den verschiedenen Nationen, Ethnien und Religionen in Frieden zusammenleben. Papst Franziskus hat im Sommer 2016 bei seinem Besuch im Erzbischöflichen Jugendzentrum „Johannes Paul II.“ in Sarajevo der ersten Nachkriegsgeneration Mut gemacht, diesen Weg unbeirrt weiterzugehen – und sie aufgefordert, in ihrer Heimat zu bleiben. Aber der Exodus ist in vollem Gange.

Kaum Perspektiven im eigenen Land

Fast die Hälfte der Jugendlichen will auswandern. Der wichtigste Grund ist die akute Jugendarbeitslosigkeit. Besonders junge Menschen mit abgeschlossener Ausbildung sehen im eigenen Land keine Perspektive mehr. In Bosnien und Herzegowina ist mindestens jeder zweite Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos. In Serbien sind es 48,1 %. Albanien steht anscheinend mit 32,3 % noch gut da, was aber vermutlich auf die Mängel bei der Datenerfassung zurückzuführen ist. Im Vergleich: in der EU liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 22 % mit Spitzenwerten von ca. 55 % in Spanien und Griechenland. Laut Bertelsmann-Studie 2015 sind die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa ein armer Süden, der einem reichen Norden gegenübersteht, sowie ein Graben zwischen Jung und Alt. Die Jugendarbeitslosigkeit wird von der EU in den Mitgliedsstaaten mit einer Fördersumme von 21 Milliarden Euro bekämpft.

„Es darf keine verlorene Generation geben.“

Mit Blick auf die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sagte Bundeskanzlerin Merkel 2013: „Es darf keine verlorene Generation geben.“ Und der EU-Gipfel zum Thema Jugendarbeitslosigkeit betonte die Gefahr des Vertrauensverlustes in die demokratischen Institutionen, falls sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht verbessern werde. Auf dem Balkan gibt es kaum Strategien und Fördermittel, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, und der Vertrauensverlust in die Politik ist aus vielfachen Gründen bereits Realität. Politische Instabilität und Korruption schrecken die Investoren ab. Die meisten Schüler lernen mit veralteten Lehrplänen und „nicht-demokratischer Didaktik“. Es mangelt an beruflicher Aus- und Weiterbildung, welche auf die Anforderungen am Arbeitsmarkt vorbereiten. Und Studierende müssen schmerzlich erfahren, dass Zulassungen und Abschlüsse käuflich sind. All dies sind Ursachen für eine tief empfundene Hilflosigkeit und Perspektivlosigkeit vieler junger Menschen. Laut der Friedrich-Ebert-Stiftung in Skopje 2015 beendet jedes vierte Kind die Schule nicht, und 27 % der Studierenden brechen das Studium ab, meist aus finanziellen Gründen. Junge Erwachsene wohnen bei den Eltern, leben von deren Verdienst oder von der Rente der Großeltern. Die gesamte Lebenssituation leistet Jugendkriminalität, Drogen- und Mediensucht Vorschub. Es gibt keine einfachen Lösungen für ein so komplexes Problem. Die Hoffnungen der Jugend liegen auf der Europäischen Union, sie verlangen mehr Demokratie und Chancengleichheit.

„Wir lieben unser Land, doch es liebt uns nicht zurück“

Eine Reportage von Rolf Bauerdick

Drei Tage hielt Karolina Lukić die Lügen aus. Dann legte sie ihre falsche Identität wieder ab. Als Sarah Stern musste sie sich vorstellen, wenn ihre Gesprächspartner in Deutschland den Telefonhörer abnahmen. Den Namen hatten ihr die Betreiber eines der Callcenter verpasst, in denen sich in Sarajevo Hunderte junger Menschen in der Kundenwerbung verdingen. Die angehende Psychologin hatte den Job angenommen, um ihr Studium zu finanzieren. Ihre Qualifikation schien ideal. Die 26-Jährige ist redegewandt und freundlich, vor allem spricht sie ein akzentfreies Deutsch. „Mit einer vorgetäuschten Umfrage zum Thema Verbraucherschutz sollte ich das Vertrauen gewinnen. Die Anrufe erweckten den Eindruck, sie kämen aus Deutschland und hatten nur den Zweck, Kunden zu beeinflussen, ihren Strom­anbieter zu wechseln.“ Ein hoher Monatslohn von 800 bosnischen Marka, 400 Euro, wurde Karolina in Aussicht gestellt. Der Haken: „Man musste pro Schicht genügend Vertragskontakte schaffen.“ Sie kündigte. „Ich fühlte mich schäbig. Ich will kein Geld damit verdienen, am Telefon wildfremde Leute zu belügen.“ Ihren Traum von einer sinnvollen und fair entlohnten Arbeit teilt Karolina Lukić mit anderen jungen Menschen. Nur findet der Wunsch in Bosnien und Herzegowina nur selten seine Erfüllung.

Ein Uni-Diplom qualifiziert bestenfalls zum Kellnern

Fast siebzig Prozent der Jugendlichen haben keine Arbeit oder gehen Beschäftigungen nach, die nicht ihrer Qualifikation entsprechen. Akademikerinnen putzen Büros, sitzen an den Kassen der Supermärkte oder servieren Cappuccino in den Cafés. Karolinas Freund Boris, der in diesem Jahr seinen Master in Politikwissenschaften erlangt, befürchtet, dass ihn sein Hochschulabschluss bestenfalls qualifiziert, „in Sarajevos Kneipen zu kellnern“.

Unwahrscheinlich ist auch, dass Kristina Cuturić nach ihrem Examen eine Anstellung als Juristin finden wird. Es sei denn, sie würde ein hohes Schmiergeld an dubiose Stellenvermittler bezahlen.

Die 27-Jährige stammt aus der Kleinstadt Fojnica, die in den letzten Jahren um 3.000 Einwohner geschrumpft ist. „Die Perspektivlosigkeit und die Korruption haben alle alten Schulfreunde vertrieben. Sie arbeiten heute in Deutschland, Österreich oder Schweden. In Fojnica lebt niemand mehr, mit dem ich abends auf ein Bier ausgehen könnte.“ Einer staatlichen Umfrage aus dem Jahr 2014 zufolge wollen knapp 83 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren aus Bosnien und Herzegowina auswandern.

Die föderale Republik verdankt ihre völkerrechtliche Anerkennung dem Abkommen von Dayton, wo nach dem Zerfall Jugoslawiens und einem dreijährigen Krieg 1995 in den USA der Friedensschluss zwischen Serben, Kroaten und Bosniern besiegelt wurde. An den Folgen der infrastrukturellen Verwüstungen trägt das Land bis heute. Zerstörte Fabriken wurden nicht wieder aufgebaut, die Industrie liegt darnieder, eine wettbewerbstaugliche Wirtschaft existiert nicht. Als Kardinalfehler entpuppte sich das Daytoner Dekret, das Land in zehn Kantone aufzuteilen, was einen maßlos überblähten Verwaltungsapparat nach sich zog. Zwei Drittel des Staatshaushalts fließen in die Administra­tion. „Dort kann man beruflich unterkommen“, so Kristina, „aber nur, wenn man über Geld und Beziehungen verfügt.“

Versöhnung statt Konfrontation

„Die Atmosphäre im Land ist schlecht“, sagt Vatroslav Čelar. Der Schulleiter des gymnasialen Zweigs der Sankt-Joseph-Schule in Sarajevo findet klare Worte: „Die Politiker sind an sich selbst, aber nicht an der Zukunft künftiger Generationen interessiert. Umso mehr unterstützen wir unsere Schülerinnen und Schüler, in ihrer Heimat eine Perspektive zu entwickeln.“ Als eine von sieben bosnischen „Schulen für Europa“ genießt die ­Joseph-Schule mit rund 1.500 Kindern und Jugendlichen einen herausragenden Ruf. Seit nunmehr zwanzig Jahren. Noch zur Zeit des blutigen Bürgerkriegs gegründet, setzte das pädagogische Konzept auf Versöhnung statt auf Konfrontation. „Als Zeichen des Sieges des Geistes über die Gewalt“, so Direktor Čelar. Von Beginn an multiethnisch ausgerichtet, ist die Schule bis heute nicht nur für kroatische Katholiken, sondern auch für bosnische Muslime und orthodoxe Serben offen. Die gelebte Toleranz zwischen Christen und Moslems ist ebenso beispielhaft wie die Vermittlung von europäischen Bildungsstandards, sozialer Kompetenz und geistlicher Orientierung. 150 neue Grundschüler wurden 2015 aufgenommen. Längst übersteigt die Zahl der Bewerber die Zahl der vorhandenen Plätze.

Die Oberstufenschüler Ivan, Robert und David teilen sich ein Zimmer des hauseigenen Internats. Berufliche Zukunftsängste kümmern sie nicht. Sie zählen zu den 220 Jungen und Mädchen, die auf dem Weg zum Abitur zusätzlich eine medizinische Ausbildung in professioneller Krankenpflege absolvieren. „Nach der Schule finden wir sofort eine Stelle“, meint David und fügt hinzu: „Entweder hier oder woanders in Europa.“ Natürlich wissen die angehenden Pflegekräfte, dass ihre Fähigkeiten in Deutschland begehrt und die Gehälter dort ungleich höher sind als in den Balkanländern. „Ein Beruf, der mich zufrieden macht, ist mir wichtiger als Geld“, meint der 16-jährige Robert. Fakt ist aber auch: Vierzig Prozent der Absolventen der katholischen Medizinschule suchen ihr Glück nicht in ihrer Heimat.

Gehen oder bleiben? Karolina Lukić und ihr Gefährte Boris Galamić sind hin- und hergerissen. Wie viele junge Bosnier ist Karolina als Flüchtlingskind in Deutschland aufgewachsen. Sie war acht, als sie mit ihrer Mutter aus Baden-Württemberg abgeschoben wurde. Zwar entdeckte sie in Bosnien ihre Wurzeln, fand Freunde und ein Zuhause, doch der Traum von Deutschland blieb. Der wäre sofort zu realisieren. Als bosnische Katholikin besitzt die künftige Psychologin auch die kroatische Staatsangehörigkeit und damit einen Pass, der innerhalb der Europäischen Union Freizügigkeit garantiert. Andererseits: Sarajevo ist eine junge, eine lebens- und liebenswerte Stadt. „Wir lieben unser Land“, sagen Karolina und Boris. „Das Problem ist, dass diese Liebe nicht erwidert wird.“ Auf die Frage, was sich im Land ändern müsse, antworten beide wie aus einem Mund: „Alles!“

Ein Verein, der anders ist

Eine Reportage von Rolf Bauerdick aus Bratislava

Der „SDM Domino“ hat alles, was einen Fußballklub ausmacht. Ein Dutzend Mannschaften, Sportplätze, Spiel- und Trainingspläne, Betreuer, Zu­schauer nebst einer passablen Fan-Kultur mit Trikots, Fahnen und Schals in den Vereinsfarben gelb und blau. Dass „Domino“ ein junger Verein ist, ohne die Geschichte eines etablierten Traditionsklubs, verrät das Gründungsjahr 1996 auf dem Vereinswappen. Das Emblem irritiert aus einem weiteren Grund. Auf den „Domino“-Insignien prangt das Konterfei eines Mannes, den Fußballfreunde nicht unbedingt mit der Jagd nach Toren und Punkten verbinden: des Gründers des Salesianerordens und Pioniers der pädagogischen Jugendarbeit – Don Giovanni Bosco. „Ich kenne keinen anderen Fußballverein“, sagt Pater Tibor Reimer mit Freude und Stolz, „der von einem Orden geleitet wird.“ In nur zwanzig Jahren gelang es den Salesianern aus Bratislava, den größten Verein für Jugendfußballer in der slowakischen Hauptstadt aufzubauen. Und das im Stadtteil Trnávka, der früher reichlich verrufen war. Die Bewohner nannten das Viertel am Rande der Stadt „Mexiko“. „Weil es dort wild und gesetzlos zuging“, erinnert sich Pater Tibor.

Grundstein für eine ­Jugendpastoral

Wo die Menschen Halt und Sicherheit ersehnten, wo billiges Land brach lag, gründeten die Don-Bosco-Brüder Mitte des letzten Jahrhunderts eine Kommunität. Sie legten damit den Grundstein für eine Jugendpastoral, die heute bereits Früchte trägt. Über 300 Kinder und Jugendliche, von den Minikickern bis zur hochklassig spielenden A-Jugend, haben im „Domino“ eine Heimat gefunden, die weit über den Horizont des grünen Rasens hinausreicht.

Wir kämpfen mit Leib und Seele

Bratislava ist eine sportbegeisterte Stadt. Neben dem Eishockey rangiert das Spiel um das runde Leder ganz oben. In sozialistischer Zeit standen den Kickern vierzig Spielplätze zur Verfügung. Heute sind es noch zehn. Die Sportanlagen fielen den explodierenden Grundstückspreisen zum Opfer und mussten Immobilien, Bürokomplexen und Einkaufszentren weichen. Hingegen konnten die Salesianer auf dem klostereigenen Terrain für die wachsende Zahl der jungen Vereinsmitglieder unlängst einen neuen Spielplatz einweihen. Dass der Rasen mit Weihwasser und Gottes Segen im Rahmen eines Familienfestes mit zweitausend Vereinsfreunden seiner Bestimmung übergeben wurde, unterstreicht das Motto von „Domino“: „Wir kämpfen mit Leib und Seele - auf dem Spielfeld und im Leben.“

Benannt wurde der Klub nach dem Jungen Dominikus Savio, der 1842 mit vierzehn Jahren in Turin an Lungen­tuberkulose starb und 1954 heiliggesprochen wurde. Er galt als Lieblingsschüler Don Boscos, weil er sich durch Mut und Klugheit bei der Schlichtung von Streitereien hervorgetan hatte. Der christliche Hintergrund mag eine Rolle gespielt haben, dass die Startphase von „Domino“ etwas holprig verlief. Als „Priesterverein“ belächelt, wurde der Verein zwar für sein Engagement gelobt, sportlich aber nicht ernst genommen. Das änderte sich, als mit Tibor Reimer 1998 nicht nur ein promovierter Pastoraltheologe und Hochschullehrer, sondern auch ein leidenschaftlicher Freizeitfußballer die Ehrenpräsidentschaft übernahm. Nach seinem Bekunden, „ein Amt ohne Macht, doch mit viel Arbeit“.

1968 in der Tschechoslowakei geboren, war Reimer nach dem Ende des Prager Frühlings und dem Einmarsch der Roten Armee mit seiner Familie in den Westen geflohen, wo er in München aufwuchs und in Rom studierte. Sein Anliegen heute: Jugendlichen in den bunten aber auch diffusen postmodernen Lebensentwürfen Orientierungshilfen zur eigenen Identitätsbildung zu geben. Sprich: „Nicht mehr Konsument, sondern Produzent seines Lebens zu werden.“

Fußball als idealer Vermittler

Statistiken zufolge bekennen sich knapp sechzig Prozent der jungen Slowaken zum Katholizismus, nur jeder zehnte Jugendliche kann mit Religion nichts mehr anfangen. Um das Potenzial des ganzheitlich christlichen Menschenbildes zu entfalten, erweist sich für Pater Tibor der Ball als idealer Vermittler. „Es geht ja nicht darum, bloß die sportliche Leistungsfähigkeit zu steigern, sondern jungen Menschen durch eine integrale Erziehung zu helfen, im Leben zu Persönlichkeiten heranzuwachsen. Der Fußball unterstützt die Selbstdisziplin und den individuellen Willen und fördert als Mannschaftssport zugleich Achtsamkeit und Gemeinschaftssinn.“ „Auf dem Platz spielt der Glaube keine Rolle“, sagt Juraj Chribik, seines Zeichens Trainer der A-Jugend-Mannschaft. „Auch wenn die Fairness ganz oben steht, so haben wir natürlich auch sportliche Ambitionen.“ Der ehemalige Coach eines slowakischen Zweitligavereins kam 2010 zu „Domino“ und ließ die unselige Mentalität des Heuerns und Feuerns im Fußballgeschäft hinter sich. „In der Slowakei wechseln die Trainer ständig“, so der 38-Jährige. „Sponsoren wollen vorzeigbare Ergebnisse. Und zwar sofort. Im Gegensatz zu Deutschland findet hier keine langfristige und geduldige Aufbau- und Jugendarbeit statt.“ Das bestätigt auch Tomáš Sykora, der 18-jährige Spielführer der A-Jugend. „Ich bin kein Katholik, aber ‚Domino‘ unterscheidet sich wirklich von anderen Vereinen. Die Trainer sind kompetent, menschlich und freundlich, und der Zusammenhalt ist klasse. Auch ohne Leistungsdruck. Woanders wird auf den Plätzen ständig gemeckert und herumgeschrien.“

„Domino“ zieht Kinder aus der ganzen Stadt an

„Domino“ hat sich zu einem attraktiven Verein entwickelt. Längst zieht es Jungen und Mädchen aus allen Stadtteilen Bratislavas zu den Salesianern. „Was die fußballerische Entwicklung ihrer Kinder angeht, da sind manche Eltern extrem ehrgeizig“, sagen Lucia und Marian Haverlik. „Das ist hier anders.“ Das Ehepaar lebt mit seinen drei Kindern in Čierna Voda östlich von Bratislava. Gewiss wäre es einfacher, ihren Sohn Michal zu einem nähergelegenen Klub zu schicken. Doch gemeinsam mit anderen Familien teilen sich die Haverliks die langen Anfahrten. „Unser Junge soll Freude am Spiel haben“, sagen sie, während der siebenjährige Lockenkopf mit seinen Freunden dem Ball nachjagt. „Wir wollen ein zufriedenes Kind und keinen neuen Lionel Messi.“

Wenn die kleine Bühne plötzlich groß wird

Trajce Georgiev aus Strumica, 15 Jahre, Finalist des Gesangwettbewerbs „The Voice“

„Ich habe immer gesungen. Das liegt in der Familie, denn viele meiner Verwandten sind von Beruf Musiker. Aufgeregt war ich beim Singen in der Öffentlichkeit nie, bis mich meine Schwester Nevenka 2014 zu der Castingshow „The voice“ in Belgrad angemeldet hat. Bei dem Wettbewerb mit vielen tausend Bewerbern kam ich in die Auswahl der letzten 150 Kandidaten. Fünfzehn Mal musste ich im Fernsehen auftreten. Anfangs hatte ich vor Lampenfieber ziemliche Angst und war so nervös, dass ich gezittert habe. Aber ich kam immer eine Runde weiter und stand plötzlich im Finale. Aber vor jeder Show wurde ich ruhiger und gelassener. Die Mitarbeiter beim Fernsehen waren total freundlich und hilfsbereit. Außerdem habe ich Pfarrer Kostev aus meiner griechisch-katholischen Gemeinde immer um Rat gefragt und gebetet. Für mich ist es sehr wichtig, bei dem, was ich tue, um Gottes Segen zu bitten.

Einerseits ist es schön, bekannt zu sein. Aber seit ich den zweiten Platz gewonnen habe, kann ich nicht mehr einfach mit meinen Freunden durch die Stadt laufen, weil die Mädchen loskreischen und mit mir fotografiert werden wollen. Auch die vielen E-Mails und Facebook-Anfragen kann ich nicht beantworten. Aber ich möchte weiterhin singen. Dazu brauche ich nun ein gutes Management. Ich bin sicher, mit meinem Glauben, meiner Familie und den Freunden fällt es mir leicht, normal und natürlich zu bleiben. Ich mag zwar die Bühne der Pop-Musik, aber ebenso gern singe ich in der Kirche. Pfarrer Kostev hat mir erzählt, den Text meines Lieblingsliedes hätte Papst Johannes Paul geschrieben. Es heißt: O Gott, hast du mich gerufen?“

Wenn das eigene Land zu eng wird

Petra Pravdić, 17 Jahre, lebt im Internat der multi-ethnischen Sankt-Joseph-Europaschule in Sarajevo, spricht perfekt Deutsch und träumt von Deutschland und Amerika.

„Mein Vater starb an einer Krebserkrankung, und ich wuchs mit meiner Mutter und Schwester in einer bosnischen Kleinstadt auf. Dort lernte ich früh, wie die Regeln der Korruption funktionieren und dass ich dort versauern würde. In der Schule erhielten die Kinder der reichsten Eltern immer die besten Noten, egal wie klug oder wie faul sie waren. Ich wollte da weg und habe gebettelt und geweint, bis meine Mutter mir erlaubte, zu der katholischen Europaschule in Sarajevo zu wechseln. Seit drei Jahren wohne ich in dem Internat zusammen mit achtzig Mädchen. Obwohl es hier klare Regeln gibt, ist es im Internat nicht streng. Wer sich gut benimmt, hat alle Freiheiten.

Trotzdem möchte ich nach dem Abitur das Land verlassen. Selbst mit besten Zeugnissen sind die Aussichten eine Arbeit zu finden ohne persönliche Beziehungen gleich Null. Am liebsten würde ich nach England oder die USA gehen. Oder in die Schweiz oder nach Deutschland. Dass ich die deutsche Sprache beherrsche, verdanke ich nicht nur dem engen Kontakt zu meinen Verwandten, die seit dem Bosnienkrieg im Westen leben. Schon als Kind habe ich im Fernsehen immer nur die deutschen Sender geschaut. Vor allem den Kinder-Kanal. Nach dem Abitur möchte ich einen Beruf mit Sprachen erlernen, in dem ich Verantwortung tragen und anderen Menschen helfen kann. Dass ich an die Zukunft glaube und meinen Willen durchsetzen kann, verdanke ich meiner Mutter. Tod und viel Leid in der Familie, im Jahr 2014 etwa starben meine Schwester und Halbschwester, haben ihren Glauben nicht geschwächt, sondern gestärkt.“

Manche verstehen nicht, wenn man sich ohne Bezahlung engagiert

Martina Babikova, 22 Jahre: Studium in Europa, Heimat in Bratislava

„Ich hatte das Glück, dass mir meine Eltern schon früh Aufenthalte im Ausland ermöglicht haben. Als Austauschschülerin habe ich ein Jahr in England gelebt und für den Master im Fach Internationale Beziehungen in Brüssel Geopolitik und internationales Recht studieren dürfen. Anschließend habe ich ein Praktikum in einem weltweit operierenden IT-Konzern absolviert. Nach einen halben Jahr in der Verkaufs- und Finanzabteilung wusste ich, was ich nicht will. Lieber möchte ich in einer Nichtregierungs-Organisation arbeiten, in der es nicht um Profite geht.

Die Erfahrungen in anderen Ländern waren wertvoll, aber das Leben in der Anonymität ist mir schwer gefallen. Ich bin immer gern in die Slowakei zurückgekehrt. Hier leben meine Freunde, hier erfahre ich Gemeinschaft. Seit ich fünfzehn bin, arbeite ich in der Salesianer-Gemeinde von Trnavka in der Jugendarbeit, leite Gruppen für die Zwölfjährigen, und bin im Planungsteam von Jugendcamps und Ferienfreizeiten. Organisatorische Aufgaben liegen mir sehr. Aber es passiert, dass andere Jugendliche nicht verstehen, wieso man sich die ganzen Ferien in einem Sommerlager engagieren kann, ohne dafür eine Bezahlung zu verlangen. Überhaupt rufen die meisten katholischen Gebote bei vielen Unverständnis hervor. Die Fastenzeit etwa oder der Verzicht auf Fleisch am Karfreitag. Selbst die Sonntage unterscheiden sich in Bratislava immer weniger von den Werktagen. An den Wochenenden strömen die Leute in Scharen in die neuen Shopping-Zentren. Dürfte ich politische Entscheidungen treffen, dann wären die Läden sonntags geschlossen.“

Kontakt

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Inhalt erstellt: 23. April 2014, zuletzt geändert: 15. April 2016