Die historische Brücke in Mostar
Die historische Brücke in Mostar beeindruckte die TeilnehmerInnen - ganz besonders die Springer, der sich von der hohen Brücke ins Wasser stürzen.
Foto: Minja Todorovic
Renovabis fördert Jugendbegegnung in Bosnien-Herzegowina

Deutsch-bosnisch-albanische Jugendbegegnung in Sarajevo

Sieben junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wuppertal berichten über ihre Erlebnisse in Sarajevo im August 2019. Die von Renovabis geförderte Reise wurde von "vision: teilen/Chance! Wuppertal e.V." in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Johannes Paul II. in Sarajevo organisiert.

Unser Start in Sarajevo

Sarajevo - Meetingpoint of Cultures, das Jerusalem Europas: das also ist das Ziel unserer Begegnungs- und Workshopfahrt. Wir - das sind sechs Jugendliche aus Tirana in Albanien, sieben aus Wuppertal, drei Freiwillige des katholischen Jugendzentrums Johannes Paul II in Sarajevo sowie drei junge Frauen aus Sarajevo.

Der erste Tag begann - nach einem Impuls zum Thema Fairness - mit einem Workshop: Thomas Willms, der Leiter von "Chance! Wuppertal" und neben Minja Todorovic aus Bosnien-Herzegowina unser Workshop-Leiter, stellte uns die Methode der „Sechs denkenden Hüte“ nach Edward de Bono vor: Eine Art Rollenspiel, symbolisiert durch die sechs Farben der Hüte. Die Träger der Hüte nehmen die Sichtweise ein, die ihnen die Farben vorgeben (gelb=positiv, schwarz=negativ, grün=kreativ, weiß=informationssuchend, rot=emotional und blau=moderierend). Mit dieser Methode sollen Denkprozesse in Gruppen effizienter gemacht werden. Methode der Denkhüte von De Bono
Nach diesem theoretischen Teil starteten wir unter Leitung der Volunteers Giulia, Francesca und Marvin zu einer interkulturellen Tour durch Sarajevo - zur katholischen Kathedrale, zur Gazi Husrev-Moschee und zur alten serbisch-orthodoxen Kirche.

Spannende Gespräche und Diskussionen

Wir begannen den Tag mit einem kurzen Morgenimpuls. Die zweite Workshoprunde wurde begleitet von einem Kamerateam vom katholischen Nachrichtendienst, das diesen Vormittag dokumentierte. Die einzelnen Gruppen berichteten aus ihren Ländern über aktuelle Themen und Projekte. Wir Wuppertaler erzählten von unserem Zukunftskongress, auf dem junge Menschen mit Vertreter/innen der älteren Generation über Themen wie Werte, Europa oder auch geschlechter-gerechte Sprache diskutierten. Insbesondere das letzte Thema wurde in der Runde weiter diskutiert - eine männlich dominierte Sprache gibt es scheinbar auch in Bosnien-Herzegowina und Albanien. Oligerta, eine Teilnehmerin aus Tirana erzählte von ihren Plänen, die Mauer um ihr Elternhaus einzureißen und dort einen Treff- und Bildungsort für Kinder und Frauen aufzubauen - und Marvin präsentierte seine Eindrücke vom freiwilligen Jahr im Jugendzentrum Johannes Paul II.
Am Nachmittag besichtigten wir zwei Stadtteile Sarajevos (Dobrinja und Grbvica) und bekamen einen Eindruck vom „wirklichen“ Leben in dieser Stadt, in der immer noch Spuren des Krieges zu erkennen sind.

Ein heißer Tag in Mostar

Früh aufstehen hieß es heute, denn der Zug nach Mostar startete um kurz nach 7 Uhr. Es war eine schöne und eindrucksvolle Fahrt durch eine wunderbare Landschaft. Nach zwei Stunden erreichten wir Mostar. Minja führte uns zum alten Rathaus und zur franziskanischen Kirche mit dem hohen Campanile (den auch einige bestiegen) und schließlich zur Altstadt und der historischen Brücke. An diesem Tag war es nicht nur sehr heiß in Mostar, sondern auch extrem voll. Ein Springer-Meeting hatte scheinbar viele zusätzliche Touristen angelockt.

Es war auf der einen Seite Gänsehaut, sie von der hohen Brücke springen zu sehen, auf der anderen Seite etwas Neid, weil sie im Wasser waren. Total müde und von der Hitze erschöpft erreichten wir Sarajevo nach 22 Uhr.

Früh aufstehen war angesagt, um rechtzeitig im Zug nach Mostar zu sein.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Minja Todorovic</small>
Früh aufstehen war angesagt, um rechtzeitig im Zug nach Mostar zu sein.
Foto: Minja Todorovic
Unsere Gruppe in Mostar.<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Minja Todorovic</small>
Unsere Gruppe in Mostar.
Foto: Minja Todorovic

Kalligraphie lernen - ein Projekt der serbisch-orthodoxen Kirche

Minja und Thomas schenkten uns einen freien Vormittag, den wir sehr gerne zum Ausschlafen nutzten. Nachmittags besuchten wir das Jugendprojekt der serbisch-orthodoxen Kirche in Istocno. In diesem Projekt lernen Kinder und Jugendliche Kalligraphie, unterstützt von einem professionellen Ikonenmaler. Interessant war für uns der Ansatz, dass es für das Projekt wichtig ist, von der eigenen Identität als Serbisch-Orthodoxe auszugehen, um dann die Vielfalt und Andersartigkeit anderer Religionen und Kulturen anzuerkennen.
Der Rückweg ab der Bushaltestelle gestaltete sich zu einer regelrechten Wasserwanderung: Die Straßen von Sarajevo standen bei starkem Gewitterregen unter Wasser!

Noch einmal ein Workshop - und dann heißt es: Abschied

Bevor wir uns von dieser tollen Stadt verabschiedeten, evaluierten wir am Vormittag unsere Woche. Dabei nutzten wir noch einmal die Sechs Hüte des Denkens, wir schauten auf die Schwächen und Schwierigkeiten, aber auch die Stärken unserer Gruppe und versuchten, eine Perspektive aufzubauen, wie es weitergeht.

Tatsächlich wurde als Ergebnis ein Team aus allen beteiligten Ländern gebildet, das ein erneutes Treffen 2020 vorbereitet: Die Begegnung von Westeuropa und dem Balkan, die gemeinsame Entwicklung von Visionen und Ideen geht weiter!

Es war eine tolle, ereignisreiche Woche. Danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Jugendzentrum Johannes Paul II. für die erlebte Gastfreundschaft. Wir haben uns pudelwohl gefühlt.

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Inhalt erstellt: 03.09.2019, zuletzt geändert: 10.09.2019