Eine Gruppe von Menschen an einem Infostand zum Thema "Menschen mit psychischen Erkrankungen"
Kampagnen- und Informationsarbeit ist ein Baustein, um die Gesellschaft für die Situation von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu sensibilisieren.
Quelle: Caritas Montenegro
09.10.2020 – Montenegro

Eine bessere Betreuung für psychisch kranke Menschen

Der Internationale Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober rückt ihre Situation ins Licht der Öffentlichkeit: Menschen mit psychischen Krankheiten. Die Caritas des Erzbistums Bar arbeitet an der Entwicklung zeitgemäßer Standards zur Betreuung psychisch Kranker und behinderter Menschen.

Die Betreuung chronisch kranker Menschen, insbesondere mit psychischen Erkrankungen, ist in den südosteuropäischen Transformationsländern immer noch ungenügend organisiert. Sowohl vom öffentlichen Gesundheitssystem als auch von zivilgesellschaftlichen Organisationen werden diese Patienten häufig vernachlässigt. Dazu kommt, dass psychische Erkrankungen oder Behinderungen bisweilen auch als Schande für die Familie angesehen werden.
Die Caritas des Erzbistums Bar arbeitet mit daran, zeitgemäße Standards zur Betreuung psychisch Kranker und Behinderter einzuführen. Mit einem eigenen Förderprogramm soll - wie auch schon bei der mobilen Alten- und Krankenbetreuung - das öffentliche Gesundheitssystem beeinflusst und verbessert werden. Mit dem Ministerium für Gesundheit wurde eine Vereinbarung getroffen, durch welche die Caritas Bar nun an der Arbeitsgruppe zur Formulierung der nationalen Strategie beteiligt ist und mitwirken kann. Eines der Ziele: Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen nicht weiter von gter Gesellschaft ausgesschlossen werden, z.B. durch wohnortnahe Betreuungsdienste. Renovabis unterstützt das Projekt seit 2016 mit 183.000 Euro.

Marko Djelovic, Direktor der Caritas Bar in Monenegro, über die Situation psychisch kranker Menschen

„Im System der Versorgung für psychische Gesundheit in Montenegro haben wir spezielle psychiatrische Krankenhäuser: das Klinische Zentrum von Montenegro, die Klinik für Psychiatrie Podgorica und zwei psychiatrische Abteilungen in zwei regionalen Krankenhäusern. Insgesamt gibt es rund 300 Betten für Krankenhausbehandlungen für Menschen mit psychischen Problemen. Sobald eine Person in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wird, bleibt sie in der Regel lange Zeit dort. Schätzungen zufolge ist das bei ca. einem Drittel der Patienten eigentlich nicht notwendig. Aufgrund des langen Aufenthalts verlieren sie die Verbindung zur Familie und zu ihrem Umfeld und eine Rückkehr in den Alltag fällt dann besonders schwer.

Ziel: Betreuung und Unterstützung vor Ort ermöglichen

Um Menschen aus den Krankenhäusern zu holen, ist es notwendig, ein Netzwerk der Unterstützung in der lokalen Gemeinschaft zu schaffen. Unser Projekt „PHASE - Gesundheitsförderung gegen soziale Ausgrenzung von Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen“ leistet dank der Unterstützung von Renovabis einen Beitrag zu diesem Prozess. Wir wollen die Betreuung von Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen vor Ort stärken. Die sozialen Bedürfnisse und ihre Rechte als Mensch sind dabei wesentliche Bausteine.

Gesellschaft sensibilisieren und Begegnung ermöglichen

In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Berufsausbildung haben wir ein Programm zur Ausbildung persönlicher Assistenten für Menschen mit Behinderungen und psychischen Gesundheitsproblemen entwickelt - es wird offiziell vom Bildungssystem in Montenegro anerkannt. Wir arbeiten daran, die Gesellschaft für die Bedürfnisse von Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen zu sensibilisieren, dazu gibt es eine Kampagne zum Internationalen Tag der Seelischen Gesundheit (10. Oktober).
Neben Information und Aufklärung setzen wir uns auch dafür ein, dass Einrichtungen, die sich um Personen mit Problemen der psychischen Gesundheit kümmern, sich gegenüber der Gesellschaft öffnen. Zweimal haben wir bereits Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen aus Heimen eingeladen, ihre jeweilige Einrichtung zu verlassen und die Caritas zu besuchen, um dort einen Tag lang unsere Gäste zu sein – eine wichtige und schöne Erfahrung für alle.“

Inhalt erstellt: 29.09.2020, zuletzt geändert: 14.10.2020