Sandstrand in Ksamil im Süden Albaniens
Sandstrand in Ksamil im Süden Albaniens
Quelle: Daniela Schulz
03.08.2022 – Hintergrund

Ein Spätsommer-Urlaub im Osten Europas

Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Thomas Schwartz: „Mit einem Urlaub in den Renovabis-Partnerländern können Reisende durch persönliche Begegnungen und echten Austausch einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Ost und West weiter zusammenwachsen."

FREISING. Der menschenverachtende Krieg in der Ukraine, auf unserem europäischen Kontinent - nur wenige Flugstunden entfernt - versetzt die Menschen in Sorge. Er beeinträchtigt auch das Reisen. Russland hat seinen Luftraum für 39 Staaten, unter anderem für deutsche Flugzeuge, gesperrt. Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Russische Föderation. Andererseits verzeichnen Reiseveranstalter und Sozialforschungsinstitute bei vielen Deutschen große Reiselust, Fernweh und Sehnsucht nach Erholung nach mehr als zwei Corona-Jahren. Und in Richtung Mittel-, Südost- und Osteuropa gibt es wirklich viele Destinationen, zu denen eine Ferienreise ohne Sicherheitsrisiko sehr gut möglich ist. Inflation und Personalknappheit haben andererseits die Preise für den Urlaub teils mächtig ansteigen lassen - im Osten Europas ist das allerdings weniger spürbar. Und dann die moralische Frage: „Wenn in einem Nachbarland Krieg herrscht, Menschen ihr Leben, das ihrer Liebsten, ihr Zuhause, ihre Heimat mit brutaler Gewalt genommen bekommen: Kann ich dann zum sorglosen Entspannungs- und Genuss-Trip in die Ferien starten, die Seele baumeln lassen und zum Auftanken zuallererst an mich und die Meinen denken? Ist es okay, in der aktuellen Situation eine Reise zu genießen?“

Der Hauptgeschäftsführer der Osteuropa-Solidaritätsaktion Renovabis, Pfarrer Thomas Schwartz, ist überzeugt: „Die Menschen bei uns brauchen eine Auszeit. Es hilft nichts, sich mit moralischen Statements auf bessere Zeiten zu vertrösten.“ Der Seelsorger weiter: „Es hilft uns, wenn wir der Flut an dramatischen Nachrichten vorübergehend entkommen, wenn wir uns ablenken können. Das Reisen bietet Zeit für zweckfreie, zwischenmenschliche Begegnungen und ermöglicht das Erleben von Gastfreundschaft und das Wahrnehmen der Schönheit der Natur. All' das hilft, die Seele aufatmen und die Kräfte auftanken zu lassen“, erläutert Schwartz.

„Wenn Erholung, also das Sich-Zurückholen von entschleunigtem, menschengerechterem, entspannterem Leben ohne die Zwänge und Fristen von Höchstleistungen im urbanen Wirtschafts- und Industriealltag bedeutet, dann ist es auch in Kriegszeiten legitim sich solche Auszeiten zu gönnen“, so Schwartz.

Der Krieg gegen die Ukraine löse bei vielen Menschen Gefühle von Hilflosigkeit oder gar Kontrollverlust aus und fördere auch schlummernde Erinnerungen und Ängste bei Menschen in Deutschland zutage. Dies trifft die Gesellschaft zu einem labilen Zeitpunkt, an dem Viele bereits durch die Corona-Pandemie und die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels psychisch und physisch ausgelaugt sind. Schwartz: „Erinnern wir uns an Lockdowns, Reisebeschränkungen - Umstände, die das Fernweh aufgestaut haben, die eine Sehnsucht nach gemeinsamen kulturellen Erfahrungen wie Theater, Konzerten, Kino genährt haben.“

Solche Ablenkung war nicht möglich - der Mensch brauche sie aber, weil sie ihm helfe, mit den negativen und beeinträchtigen Gefühlen und den auf ihn einprasselnden Eindrücken besser fertig zu werden.

„Ablenkung bedeutet nicht, die Augen vor der realen Situation zu verschließen. Aber es ist zugleich nicht gesund, sich ständig nur mit schlechten Nachrichten auseinandersetzen“, sagt Pfarrer Schwartz.

Ein allgemeiner Reiseverzicht wirke sich nicht auf den Einzelnen und die Familien negativ aus. Er sei auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive „wirklich nicht sinnvoll“, so Professor Schwartz, der auch Wirtschaftsethik an der Universität Augsburg lehrt. „Es ist jetzt weiterhin wichtig, Solidarität zu zeigen, sich privat zu engagieren und durchaus auch zu spenden. Aber das hat nichts mit dem Wunsch nach Reisen zu tun. Von einem generellen Reiseverzicht profitiert niemand.“

Deswegen empfiehlt Schwartz zu reisen, „Tapetenwechsel, andere Menschen mit anderen Einstellungen in neuen Umgebungen kennenzulernen, den Blick zu weiten“. Im Sinne von Renovabis ist Schwartz ein weiterer Aspekt wichtig: „Durch persönliche Begegnung und echten Austausch leisten Reisende einen wahrnehmbaren Beitrag dazu, dass Europa nicht weiter auseinanderfällt, sondern in der Vielfalt als Einheit wahrgenommen wird und so West und Ost weiter zusammenwachsen.“ Die letzten Monate seit dem russischen Angriff hätten gezeigt, wie wenig wir in Deutschland überhaupt über die Besonderheiten der Länder im Osten Europas wissen. Nur wenige deutsche Touristen seien bisher in die reiche Kultur und die historischen Städte dieser Region eingetaucht oder haben die staunenswerten geografischen Highlights sowie die vielfältige Flora und Fauna erlebt. „Wir brauchen gar nicht zu transatlantischen Reisezielen streben, wenn wir doch so viel in der europäischen Nähe zu entdecken haben!“

Mit Blick auf den Osten Europas ließen sich übrigens auch noch Reiseziele mit nur moderat gestiegenen Preisen ausmachen: Dazu zählten etwa Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Ungarn und auch Albanien.

Einige Reise-Empfehlungen

Kürzlich hat die Brüsseler Reise-Website „European Best Destinations“ die besten Reiseziele für einen Europa-Urlaub gekürt. Mehr als eine halbe Million Reisende aus 182 Ländern haben aus 400 Destinationen ihre Lieblingsziele ausgewählt. 56 Prozent der Stimmen kamen aus Europa selbst, 44 Prozent aus dem Rest der Welt.

Platz Eins mit 75.642 Stimmen geht an einen Underdog unter den europäischen Hauptstädten: Ljubljana in Slowenien. Die Stadt lockt mit ihrer bunten Mischung aus Kultur, Unterhaltung und viel Grün Reisende aus aller Welt an. Und nicht nur die: Auch Städtepläner besuchen Ljubljana, um sich von dieser einzigartigen „grünen Stadt“ inspirieren zu lassen. Typisches Essen: Kranjska Klobasa – Krainer Wurst.

Platz Vier ging an das bulgarische Plovdiv, die älteste kontinuierlich bewohnte Stadt Europas. Für Reisende fühlt sich ein Besuch in dieser Stadt wie eine Zeitreise an, denn hier gibt es zahlreiche beeindruckende Monumente aus der Antike. Dazu zählen ein römisches Stadion aus dem zweiten Jahrhundert, ein antikes Forum und die Bischofsbasilika Philippopolis. Da verwundert es nicht, dass Plovdiv im Jahr 2019 Europas Kulturhauptstadt war. Dort könnte man Sarma (Krautwickel) schlemmen.

Platz Sechs ging an eine Stadt, die genau das Richtige für alle ist, die einen Städtetrip mit Entschleunigung verbinden wollen: Oradea. Die Stadt im Westen Rumäniens liegt nur knapp 500 Kilometer von Wien entfernt, deshalb gibt es hier viele westliche Einflüsse. Das architektonische Erbe der Stadt ist einzigartig. Zudem können Kulturfans aus einer beeindruckenden Bandbreite von Ausstellungen in den lokalen Museen wählen und bei einer Performance in der Philharmonie oder dem Oradea-Nationaltheater entspannen. Auch der Nymphaea-Aqua-Park garantiert Spaß und Erholung, denn dort gibt es auf sieben Hektar zehn Wasserrutschen und 15 Schwimmbecken. Als Kulinaria-Tipp seien hier Mititei (rumänische Cevapcici) zu gut gekühltem Ciuc (Fassbier) genannt.

Renovabis ergänzt zwei Strand-Urlaube. Wir empfehlen die Kaschubei im Nordosten von Polen, nahe Danzig. Dort kann man an häufig nicht zu vollen Ostseestränden bei Fischerbuden Heringskorken naschen. Die Stadt Danzig und das Umland versprechen jede Menge Historie und Kultur nebst politischer Zeitgeschichte. In Südalbanien lockt das Mittelmeer mit der „Riviera shqiptare“: Darüber berichten wir auf der unserer Website Urlaub in Albanien , wo es auch ein sommerliches Rezept für längere Hitzewellen gibt: Die kalte Gurkensuppe „Tarator“...

Inhalt erstellt: 03.08.2022, zuletzt geändert: 03.08.2022

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