Tomáš Halík
Tomáš Halík
Foto: Dr. Clemens Breuer/Domforum
Vortrag

Reifung im Glauben: Christsein in unruhigen Zeiten

26.11.2018, 19:30–21:30 Uhr

„Der Mensch muss das schmerzhafte Miteinander der hellen und der dunklen Seiten des Glaubens akzeptieren.“ - Vortrag von Prof. Dr. Tomáš Halík im Domforum Köln am 26. November 2018

Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Tomás Halík, Professor für Soziologie an der Philosophischen Fakultät / Universität Prag

In einer Welt voller Probleme bietet der christliche Glaube vielen Menschen Halt und Trost. Was geschieht jedoch, wenn Gott in existentiellen Krisen des menschlichen Lebens scheinbar schweigt, wenn also etwa das Gebet ins Leere läuft? Der in Prag lehrende Theologe und Religionssoziologe Tomáš Halík hat sich in vielen Vorträgen und Veröffentlichungen immer wieder mit dieser Frage beschäftigt, die in der säkular geprägten Welt des 21. Jahrhunderts oft gestellt wird. „Geduld mit Gott“ heißt eines seiner bekanntesten Bücher und bündelt seine Kernthese, die er vor 50 Zuhörern im Kölner Domforum ausfaltete: Schweigt Gott wirklich angesichts allen Elends in der Welt? Der Optimismus der Aufklärung, die Gott durch rationale Welterklärung letztlich für überflüssig erklärt hatte, ist angesichts zweier Weltkriege und des Holocaust verstummt – die „Theologie nach Auschwitz“ bietet aber auch kaum Trost, denn es bleibt weiterhin die Frage, wieso Gott all das zulassen konnte und immer noch zulässt. Der Titel des Vortrags, zu dem Renovabis und das Katholische Bildungswerk der Erzdiözese Köln eingeladen hatten, lautete „Reifung im Glauben. Christsein in unruhigen Zeiten“ und wies in die Richtung eines Lösungsansatzes, den der Referent aufzeigte: Der Mensch muss – sowohl im Blick auf seine individuelle Glaubenssituation als auch im Blick auf die Welt als Ganzes – akzeptieren, dass Gott rätselhaft bleibt oder, wie Paulus schreibt, nur schemenhaft erkannt wird (vgl. 1 Kor 13,12) . Alle irdische Erkenntnis bleibt Stückwerk , und vielleicht haben die Christen noch gar nicht richtig begriffen, dass neben der Auferstehung das Kreuz, also das Leid, ein zentrales Element ihres Glaubens bildet. Der Glaube ist daher nie abgeschlossen, sondern immer im Werden, anders gesagt: Anstelle eines statischen Christseins geht es um ein dynamisches Christwerden.

Christof Dahm, Renovabis

Inhalt erstellt: 29.10.2018, zuletzt geändert: 03.12.2018