Schienen und Weichen im gleißenden Sonnenlicht
Europa - wohin geht die Reise?
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23.03.2018 – Geschichte

1918 – Weichenstellungen in Europa am Ende des Ersten Weltkriegs

Heute ist es mehr denn je notwendig, auf die seit 1918 vergangenen 100 Jahre und die seitherigen Entwicklungen in Europa zurückzublicken und nachzudenken.

1918 wurde zum Jahr der entscheidenden Wende im Ersten Weltkrieg. Zwar konnten die Mittelmächte unter der Führung des Deutschen Kaiserreichs nach dem Zusammenbruch Russlands, das seit Ende 1917 keine aktive Rolle mehr auf Seiten der Entente spielte und als Kriegsgegner aus dem Weltkrieg ausschied, im Frühjahr und Sommer 1918 noch einmal in die Offensive gehen, doch brach die Westfront durch den massiven Einsatz US-amerikanischer Truppen im Spätsommer zusammen. Im Herbst 1918 standen auch die deutschen Verbündeten, also die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien, vor dem Zusammenbruch. Über die Stimmung in Ungarn vermittelt der Beitrag von Dr. Zsolt Vitári einen Eindruck.

Auf die militärische Niederlage der Mittelmächte, die für das Deutsche Kaiserreich der Waffenstillstand am 11. November 1918 markiert, folgten langwierige Friedensverhandlungen, die 1919 und in den folgenden Jahren die Landkarte Europas völlig neu gestalteten. Einen Überblick über die damit verbundenen Entwicklungen vermittelt der Beitrag von Dr. Jochen Böhler in Ausgabe 1/2018 der Zeitschrift OST-WEST. Europäische Perspektiven.

Mit den Friedensschlüssen jener Jahre, die wegen der Verhandlungsorte Versailles (Vertrag mit Deutschland), St. Germain (mit Österreich), Trianon (mit Ungarn), Sèvres (mit dem Osmanischen Reich) und Neuilly (mit Bulgarien) auch als „Pariser Vorortverträge“ bezeichnet wurden, wurden zwar viele Forderungen seitens der Siegermächte erfüllt, jedoch wurde vielfach auch der Keim für neue Auseinandersetzungen gelegt. Besonders in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa kamen zu alten Konflikten in den zwanziger und dreißiger Jahren neue hinzu, die zwar nicht zwangsläufig, aber letztlich doch in die noch größere Katastrophe des Zweiten Weltkriegs einmündeten.

Heute, 100 Jahre nach dem Schicksalsjahr 1918, ist es mehr denn je notwendig, im Blick auf das zurückliegende Jahrhundert über die seitherigen Entwicklungen in Europa nachzudenken, gerade angesichts der Tatsache, dass die europäische Integration, die sich besonders in der Entstehung und Entfaltung der Europäischen Union manifestiert, trotz mancher Schwächen und Rückschläge eine Erfolgsgeschichte ist, die Europa die längste Friedensepoche seiner Geschichte beschert hat und daher nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden darf. In den kommenden Monaten werden viele Akteure der Zivilgesellschaft mit unterschiedlichen Aktionen anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs“ in Deutschland und anderen europäischen Ländern an die Öffentlichkeit treten; auch Renovabis wird sich auf diesem Feld engagieren. Hingewiesen sei an dieser Stelle besonders auf die Initiative 1918 – 2018, ein Manifest, in dem Prominente aus vielen Ländern Europas auf das Jahr 1918 zurückblicken und dazu auffordern, aktiv für die aktuell angefochtenen Werte von Demokratie und Freiheit einzutreten.

Dr. Christof Dahm

Geopolitische Entwicklungen in Europa

Europa um 1913 (Landesgrenzen ohne Berücksichtigung der Kleinstaaten)<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Parlamentsdirektion / Kinderbüro Universität Wien / Franz Stürmer</small>
Europa um 1913 (Landesgrenzen ohne Berücksichtigung der Kleinstaaten)
Foto: Parlamentsdirektion / Kinderbüro Universität Wien / Franz Stürmer
Europa nach 1920 (Landesgrenzen ohne Berücksichtigung der Kleinstaaten)<br><small class='stackrow__imagesource'>Foto: Parlamentsdirektion / Kinderbüro Universität Wien / Franz Stürmer</small>
Europa nach 1920 (Landesgrenzen ohne Berücksichtigung der Kleinstaaten)
Foto: Parlamentsdirektion / Kinderbüro Universität Wien / Franz Stürmer

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Inhalt erstellt: 23.03.2018, zuletzt geändert: 12.02.2019