Bild der Renovabis-Ikone mit den sechs Patroninnen und Patronen Europas, die die Künstlerin Hildegard Rall geschrieben hat.
Die Renovabis-Ikone mit den sechs Patroninnen und Patronen Europas hat die Künstlerin Hilgedard Rall geschrieben.
Quelle: Hildegard Rall
23.07.2020 – Gedenktag

Die Heilige Birgitta von Schweden - schon im Mittelalter eine wahre Europäerin

Mobilität und Diplomatie - das waren ihre Themen: Die Heilige Birgitta von Schweden pilgerte bereits im Mittelalter quer durch Europa, sie beriet Könige und Adelige, versandte zahlreiche diplomatische Depeschen und bemühte sich um Versöhnung und Verständigung - und wurde so eine Patronin Europas.

Die Heilige Birgitta (14. Jh., um 1303-1373) gründete den Birgittinenorden. Sie ist dargestellt mit der zur Tracht des Ordens gehörenden Bügelkrone, die an die Wunden Christi erinnern soll, einem Pilgerstab als Symbol für ihre Pilgerreisen und einem Schriftstück in der Hand, das für ihre rege diplomatische Korrespondenz steht.

Wenn man von einer Frau des Mittelalters behaupten will, dass sie Europäerin gewesen sei, kommt man nicht an Birgitta Birgersdotter vorbei. Geboren wurde sie im Jahr 1303 in Finsta in Schweden, gestorben ist sie am 23. Juli 1373 in Rom. Doch ihr Wirken ist weder zeitlich auf das 14. Jahrhundert noch räumlich auf ihre Heimat Schweden begrenzt geblieben. Die Heilige Birgitta von Schweden hat große Gegensätze in sich vereint: Beständigkeit und Pilgerreisen – die auch für politische Zwecke taugten – durch ganz Europa und sogar bis nach Jerusalem, ein Leben als Hofdame und als Bettlerin, als Ehefrau und Ordensgründerin, als Ratgeberin von Herrschern und als demütiges Beichtkind, als Mutter von acht Kindern, darunter ein Playboy und eine als Heilige verehrte Tochter oder als ungelernte Architektin einer Kirche in Vadstena Sie verfügte über eine äußerst aktive, aber auch eine kontemplative Seite. Wenn heute beruflich wie privat Flexibilität gefordert wird, um das Leben bis ins hohe Alter erfolgreich zu bestehen, lohnt sich ein Blick auf das abwechslungsreiche Leben der temperamentvollen schwedischen Adligen.

Ihr Thema ist die Versöhnung: der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander, etwa im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich, in dem sie vermitteln will. Sie scheut sich nicht, jedermann ihre Meinung zu sagen, auch Königen und Päpsten, wenn sie den Eindruck hat, dass Gott deren Umkehr will. Sie leidet unter der drohenden Spaltung der katholischen Kirche zwischen Avignon und Rom, kann sie jedoch nicht aufhalten. Als Hofmeisterin sieht sie, wie Landbewohner sich höfische Sitten aneignen müssen, wenn sie vor den König treten, und erkennt, dass die Menschen Hilfe brauchen, sowohl im Umgang miteinander als auch mit Gott. Darin sieht sie eine Aufgabe des später von ihr hauptsächlich für Frauen – erstmals in der Geschichte! – gegründeten Ordens, der sich noch im Mittelalter in Europa bis in die Ukraine ausbreitet. Männer und Frauen sollen nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen, das ist ihr Wunsch.

Birgitta hat schon als Kind Marien- und Christusvisionen, sie empfängt Zeit ihres Lebens zahlreiche Offenbarungen, die für heutige Ohren teils schwer verdaulich erscheinen, teils aber auch wunderbar zeitlos sind in ihrer einfachen und klaren Botschaft. Ihr Auftrag gilt weiter: Suchende über alle Grenzen hinweg mit Gott vertraut machen, ihnen die Frohe Botschaft vermitteln. Grundlage ist die Freude, die Christen erfüllt, wenn sie die Erlösung der Menschen durch den Kreuzestod Christi entdecken. Als Hilfe dienen eine starke Ausrichtung auf Maria und das Motto, das Birgitta zugeschrieben wird und über der neuen Klosterkirche in Vadstena steht: Herr, zeige mir den Weg und mache mich willig, ihn zu gehen.
Von Schwester Maria Katharina O.Ss.S

Inhalt erstellt: 20.07.2020, zuletzt geändert: 22.07.2020