Messe in einer Kirche in Minsk
Bischof Kasabutski feiert in Minsk die Messe für den getöteten Regime-Kritiker Roman Bondarenko.
Quelle: catholic.by
17.11.2020 – Belarus

Bischof Kasabutski: Deutliche Worte nach dem Tod von Roman Bondarenko

„Ich gehe raus" - Das waren die Worte von Roman Bondarenko, bevor er in den „Hof des Wandels" ging und dort Augenzeugen-Berichten zufolge von Maskierten zusammengeschlagen wurde. Er starb kurz darauf im Krankenhaus. In Minsk feierte jetzt Bischof Yuri Kasabutski eine Messe für den 31-Jährigen.

„Wir und die ganze Welt beobachten mit Entsetzen, was in unserem Land passiert", sagte der Generalvikar der Erzdiözese Minsk-Mogilev, Bischof Yuri Kasabutski, während der Messe in der Minsker Kathedrale. Es brauche, so der Bischof, den Glauben und die Liebe zu Gott sowie das Leben nach seinen Geboten, die lehren, die Freiheit zu genießen und den Menschen nicht einzuschränken. „Gottes Gesetz, Gottes Gebote - das ist die moralische Grundlage, die in jeder Situation hilft, ein Mensch zu bleiben, ein guter Mensch," so zitiert das Internet-Portal catholic.by Kasabutski weiter. „Wir beten jeden Tag intensiv für ein Ende der Gewalt, aber wir sehen, dass sie zunimmt, es gibt neue Opfer." Dennoch zeigten die Menschen, trotz aller Versuche, „uns zu spalten und uns Hass aufzuzwingen", wahre Liebe und Solidarität. Seine Hoffnung: Wenn trotz aller Spaltungen und Unterschiede alle Söhne und Töchter des belarussischen Volkes für immer vereint wären. „Es wird die beste Hommage an Roman und andere Opfer sein, die für ihre Ansichten, für das Glück der ganzen Nation und für eine bessere Zukunft für uns alle gestorben sind."

Die vergangene Sonntagsdemonstration stand unter dem Motto „Ich gehe raus", sie war dem Gedenken an den verstorbenen Roman Bondarenko gewidmet. Rund tausend Menschen wurden festgenommen. Die Ordnungskräfte führten eine Durchsuchung des „Hofs des Wandels" durch und zerstörten die Erinnerungsstätte, die am Ort von Bodarenkos Gefangennahme entstanden war, völlig. Das berichtet das Portal tut.by. Die Verhaftung dieser großen Zahl an Zivilisten solle, so Bischof Kasabutski, „den Rest erschrecken". Er rief dazu auf, für die Stärkung des Geistes und des Mutes des Volkes zu beten. Er hoffe, dass „Gott uns die Gnade geben wird, die wir brauchen, damit unser Volk diese Prüfung mit Würde bestehen kann." Der Pressesekretär der Belarussisch-Orthodoxen Kirche, Sergej Lepin, erklärte laut tut.by, er verstehe nicht, wozu es diesen Kampf gegen das improvisierte Denkmal des Getöteten, die „satanische Zerstörung von Lampen und Ikonen", gebe: „Welchen Sinn hat das?"

Aktualisierung vom 18. 11. 2020

Kasabutski und Lepin wurden jetzt von der Staatsanwaltschaft wegen dieser Äußerungen in den sozialen Medien verwarnt. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete ihre Aussagen als unzulässig und inakzeptabel, weil sie der „grundlegenden Rolle der Kirche bei der Erreichung von gegenseitigem Verständnis, Toleranz und Harmonie in der Gesellschaft nicht gerecht werden“ und zu Aggressionen ermutigten, zitiert das Portal tut.by am 18. November den Pressedienst der Generalstaatsanwaltschaft.

„Der „Hof des Wandels" ist ein Ort des Protestes und der Begegnung für die Kritiker von Alexander Lukaschenko. Der Hof in einem Minsker Wohnviertel ist mit weiß-rot-weißen Protestfahnen und Bändern geschmückt, dem Zeichen der Demokratiebewegung. Immer wieder wurden die Bändchen und Fahnen entfernt - und immer wieder neu angebracht. Am Mittwoch beobachtete Roman Bondarenko erneut, dass Menschen in den Hof kamen, um die Symbole zu entfernen. Bondarenko ging in den Hof - und wurde Augenzeugenberichten zufolge angegriffen, zusammengeschlagen und in einem Bus weggebracht. Er starb wenig später in einem Krankenhaus.

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Inhalt erstellt: 17.11.2020, zuletzt geändert: 19.11.2020

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