Hl. Katharina von Siena
Katharina wurde 1461 heiliggesprochen, 1939 Schutzpatronin von Italien, 1970 zur Kirchenlehrerin erhoben und 1999 zur Schutzpatronin Europas erklärt.
Foto: Ausschnitt aus einer Ikone von Hildegard Rall
31.01.2019 – Hl. Katharina von Siena

Kirchenreformerin und Friedenskämpferin

Die hl. Katharina von Siena lebte im 14. Jahrhundert. Die große Beterin und Kirchenlehrerin wandte sich gegen die Missstände in der Kirche und forderte die Rückbesinnung auf das Vorbild Jesu Christi.

Über das Leben Katharinas von Siena (1347-1380) sind wir recht gut informiert. Zeitgenossen und Autoren des 15. Jahrhunderts zeichnen das Bild einer mutigen jungen Frau, die bedenkenlos vorgegebene Schranken von Stand und Geschlecht überwand und auch keine Skrupel kannte, sich mit den Mächtigen ihrer Welt im wahrsten Sinne des Wortes anzulegen. Was gab ihr die Kraft dazu, was trieb sie an?

Europa in der Mitte des 14. Jahrhunderts war, wie beispielsweise die Historikerin Barbara Tuchman in „Der ferne Spiegel“ dargelegt hat, eine zerrissene, ja „dramatische“ Welt, und dies gilt besonders für Italien, die Heimat Katharinas. Ständige Kämpfe zwischen den italienischen Staaten, verheerende Ausbrüche der Pest, wirtschaftliche Krisen, eine verfallene, der Reform dringend bedürftige Kirche, deren Oberhaupt seit Jahrzehnten in Avignon residierte und immer stärker von der weltlichen Macht – konkret: der französischen Krone – abhängig war: Das ist der Hintergrund für das Wirken Katharinas, deren mystische Begegnung mit Christus ihr die Kraft gaben, die Enge des Elternhauses zu überwinden, eine Gruppe Gleichgesinnter um sich scharen (ihre „Familie“) und mit dem Ruf „Pace“, „Frieden“, durch Italien zu ziehen. Über sechs Jahrhunderte liegen seither zurück, aber gerade heute, in einem Europa voller neuer Gräben und Unsicherheiten, sind ihr Ruf und ihr aktiver Einsatz für den Frieden so aktuell wie selten zuvor.

Weiterhin wäre festzuhalten, dass Katharina als Frau an der Spitze einer – modern formuliert – Friedens- und Reformbewegung stand, die auch und gerade die Missstände in der Kirche anprangerte und die Rückbesinnung auf das Vorbild Jesu Christi forderte. Eine „ecclesia semper reformanda“ klingt an, wer denkt da nicht an das Zweite Vatikanische Konzil und an Papst Franziskus‘ Ruf, die ausgetretenen Wege zu verlassen und an die Ränder zu gehen?

Katharinas Mission blieb letztlich erfolglos: Zu Lebzeiten konnte sie zwar der Kirche einige Anstöße vermitteln und den Papst dazu bewegen, nach Rom zurückzukehren, musste aber dann noch erleben, wie es 1378 zu einer Wahl von zwei Päpsten kam und das „Abendländische Schisma“ dem Ansehen der Kirche weiteren Schaden zufügte. Trotz abnehmender Kräfte setzte sie sich, ganz auf Christus vertrauend, bis zu ihrem frühen Tod für Einheit und Reform ein.

Katharina von Siena: Mystikerin, Kirchenlehrerin und seit 1999 auch Patronin Europas – auch im 21. Jahrhundert hat sie uns sehr viel zu sagen.

von Dr. Christof Dahm

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Inhalt erstellt: 31.01.2019, zuletzt geändert: 29.04.2019